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Mittelamerika Amphibiensterben sorgt für mehr Malaria

Stand: 31.10.2022 12:21 Uhr

In Mittelamerika sterben seit einigen Jahren massenhaft Amphibien. Grund ist eine von Menschen eingeschleppte Pilzerkrankung. Das hat nun Folgen für die Bewohner: Seitdem gibt es dort mehr Malariafälle.

Von Yasmin Appelhans, NDR

Es war ein Pilz, der die Amphibien dahinraffte. Eingeschleppt wurde er vermutlich durch reisende Menschen. Zwischen den 1980er- und 2000er-Jahren starben mindestens 90 Amphibienarten in Mittelamerika komplett aus, bei über 400 Arten überlebte teils nur ein Zehntel der ursprünglichen Populationen.

Dass er von diesem Massensterben kaum etwas gehört hatte, überraschte Michael Springborn. Schließlich betrachten Ökologen es als einen der größten Verluste an Biodiversität aufgrund einer Krankheit. Springborn ist Wirtschaftswissenschaftler und Professor in der Abteilung Umweltwissenschaften und -politik an der University of California Davis. "Als Ökonom wollte ich unbedingt nachvollziehen, wie sich dieses Sterben auf menschliche Gemeinschaften ausgewirkt hatte, um zu zeigen, warum es auch für uns relevant ist, wenn unsere Ökosysteme zerstört werden", sagt er.

Starker Anstieg der Malariafälle

Eine mögliche Folge für Menschen war schnell gefunden: Amphibien und deren Larven ernähren sich auch von Mücken und deren Larven. Mücken wiederum übertragen Malaria. Könnte also das Amphibiensterben zu mehr Malariafällen in Mittelamerika geführt haben, weil ein natürlicher Feind der Mücken stark dezimiert worden war?

Tatsächlich stellten Springborn und Kollegen in einer kürzlich in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlichten Studie fest, dass die Malariafälle in den Jahren des Amphibiensterbens drastisch zunahmen. Zu Spitzenzeiten um das Fünffache und das auch unabhängig von anderen Faktoren, wie zum Beispiel höheren Temperaturen, mehr Feuchtigkeit oder der Abholzung von Wäldern. Von diesen Faktoren ist bekannt, dass auch sie zu mehr Malariafällen führen können. "Um die Ergebnisse in Frage zu stellen, müsste es eine andere Variable geben, die sich im Laufe der Zeit verändert. Und das mit dem gleichen räumlichen und zeitlichen Muster wie beim Amphibiensterben", sagt Springborn.

Eine solche Variable konnten die Forschenden nicht finden. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass das massenhafte Sterben der Amphibien zu dem Anstieg an Malariafällen geführt hat. Solche Zusammenhänge von menschlicher und tierischer Gesundheit sind nicht selten. Sie werden aber nicht immer erkannt.

Gesundheit von Mensch und Tier hängen eng zusammen

Bereits im Jahr 2018 zeigte eine Studie, dass invasive Langusten in den USA andere Langustenarten verdrängten. Diese invasiven Arten fraßen jedoch nicht so viele Mückenlarven. Die Zahl der Mücken nahm also auch dort zu. Vermutlich, schreiben die Forschenden, hatte auch das Folgen für die menschliche Gesundheit.

Und auch in vielen anderen Bereichen zeigen sich Zusammenhänge zwischen der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. Unter dem Schlagwort "One Health" untersuchen Forschende genau diese Verknüpfungen. Auch die Studie an den Amphibien gehört dazu, erläutert Fabian Leendertz. Er ist Professor für Biologie und Veterinärmedizin und Gründungsdirektor des in diesem Jahr gegründeten Helmholtz-Instituts für One Health in Greifswald. "Das ist genau das, was One Health eben auch betrachtet. Wir haben einen Umweltfaktor, wir haben eine Krankheit, wir haben die Tierwelt und dann den in diesem Fall sehr negativen Effekt", sagt Leendertz. Dieser negative Effekt zeige sich vor allem bei den Amphibien, die durch die vom Menschen eingeschleppten Pilze erkrankten. Aber eben wahrscheinlich durch die Malaria auch beim Menschen.

Übertragung von Mensch zu Tier - und andersherum

Das Institut in Greifswald untersucht viele andere Interaktionen solcher Art. Zum Beispiel wird überwacht, was für Krankheiten in Wildtieren vorkommen, die potentiell auf den Menschen übertragen werden können. Dass solche Zoonosen ernstzunehmend sind, zeigte zuletzt die Corona-Pandemie. Wie genau das Virus Sars-CoV-2 seinen Weg zum Menschen gefunden hat, ist zwar nicht ganz klar. Ein Großteil der Forschenden geht aber inzwischen davon aus, dass Wildtiere das Virus übertragen haben, zum Beispiel erkrankte Fledermäuse.

Andersherum können aber auch menschliche Keime Wildtiere infizieren, erklärt Biologe Leendertz: "Die AHA-Regel nutzen wir schon sehr lange, wenn wir mit Menschenaffen arbeiten. Das heißt: Abstand halten, nur gesunde Menschen gehen die Tiere beobachten und wir haben auch immer Mundschutz an im Wald."

Klimawandel und Artensterben vergrößern Problem

Beide Forscher glauben, dass die Wechselbeziehungen zwischen Mensch- und Tiergesundheit mit dem vermehrten Artensterben und dem Klimawandel immer deutlicher werden. Gleichzeitig ist Leendertz überzeugt, dass es schon jetzt viele Zusammenhänge zu sehen gäbe. Bisher fehlten dafür nur die Daten.

Auch Springborn sieht in der Forschung eine Chance: "Positiv ist, dass wir diese Zusammenhänge schon besser verstehen. Unsere Bemühungen, die Auswirkungen abzumildern, nehmen zu. Und so werden wir vielleicht auch in der Lage sein, die Auswirkungen, wenn sie passieren, bis zu einem gewissen Grad abzuschwächen", sagt er.