Symbolbild zu Demenz | Bildquelle: dpa

WHO-Prognose Verdreifachung der Demenzfälle bis 2050

Stand: 14.05.2019 19:40 Uhr

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation werden in den kommenden Jahren immer mehr Menschen an Demenz erkranken. Dagegen helfen könnte - genau wie bei anderen Krankheiten - ein gesunderer Lebensstil.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Am Anfang ist nur das Kurzzeitgedächtnis gestört, doch dann im Verlauf einer Demenzerkrankung verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses. Mehr und mehr verlieren die Betroffenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sie im Laufe ihres Lebens erworben hatten. Das Sprachvermögen schwindet, ebenso das Denkvermögen und auch der Orientierungssinn. Die Persönlichkeit der Patienten verändert sich.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass die Zahl derjenigen Menschen, die von Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen betroffen sind, stark ansteigen wird. "Wir wissen, dass die Zahl der Menschen mit Demenz weltweit zunimmt. Derzeit leben 50 Millionen Menschen auf der ganzen Welt mit Demenz. Und diese Zahl wird sich bis 2050 fast verdreifachen," sagt die WHO-Expertin Neerja Chowdhary von der Abteilung für psychische Gesundheit.

Eine gesellschaftliche Herausforderung

Demenzerkrankungen werden dabei nicht nur für Angehörige und Pflegende zu einer Herausforderung, sondern auch für die gesamte Gesellschaft: "Es wird geschätzt, dass bis 2030 die Kosten für die Betreuung von Menschen mit Demenz auf jährlich zwei Billionen Dollar steigen werden," so Chowdhary. Eine medizinische Herausforderung sei die Tatsache, dass es weder Impfstoffe gibt, die vorbeugend gegen Demenz helfen, noch ein Mittel, mit dem die Erkrankten geheilt werden können. WHO-Expertin Chowdhary: "Da es derzeit keine Heilung für Demenz gibt, ist es äußerst wichtig, sich auf die Risikofaktoren zu konzentrieren."

Ein gesunder Lebensstil beugt vor

In verschiedenen Studien konnte ein Zusammenhang zwischen Demenzerkrankungen und Lebensstil und weiteren gesundheitlichen Aspekten aufgezeigt werden. Festgestellt wurde, dass das, was für das Herz und den Kreislauf gut ist, auch gut ist für das Gehirn. Insofern dürften die nun von der Weltgesundheitsorganisation erstmals zusammengestellten Empfehlungen allen bekannt vorkommen. "Um das Risiko einer Demenz zu verringern, muss die körperliche Aktivität erhöht, der Tabakkonsum gestoppt und der Alkoholkonsum reduziert werden", so Chowdhary. Zudem müssten Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Cholesterinspiegel behandelt werden.

WHO warnt vor Nahrungsergänzungsmitteln

Mit all diesen Maßnahmen lasse sich der Ausbruch bzw. das Fortschreiten von Demenzerkrankungen verzögern. Ausdrücklich rät die WHO von der Einnahme spezieller Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel ab, die versprechen, den geistigen Verfall zu reduzieren. Chowdhary: "Es gibt Beweise dafür, dass dies nicht sinnvoll ist, und wenn man diese Mittel in hohen Dosen einnimmt, das weiß man, können sie schädlich sein."

Die Empfehlungen der WHO richten sich sowohl an jeden einzelnen, als auch an Mediziner, damit diese ihre Patienten korrekt informieren, und auch an Regierungen, politische Entscheidungsträger und Behörden. Sie - so heißt es von der Weltgesundheitsorganisation - sollten anhand der Leitlinien Programme entwickeln, die einen gesunden Lebensstil unterstützen.

Bewegung und nicht Rauchen - WHO-Empfehlungen zur Demenz-Risikoverringerung
Karl Dietrich Mäurer, ARD Zürich
14.05.2019 19:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 im "Echo des Tages" am 14. Mai 2019 um 18:30 Uhr.

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