US-Schriftstellerin Toni Morrison | Bildquelle: picture alliance / dpa

Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison mit 88 Jahren gestorben

Stand: 06.08.2019 16:41 Uhr

Die US-Schriftstellerin Toni Morrison ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Sie zählte zu den einflussreichsten afroamerikanischen Autorinnen der USA - und erhielt als erste den Literaturnobelpreis.

Trauer um Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison: Die 88-Jährige sei am Montagabend im Montefiore Medical Center in New York gestorben, teilte ihr Verlag Alfred A. Knopf mit. "Obwohl ihr Ableben ein gewaltiger Verlust ist, sind wir dankbar, dass sie ein langes, gutes Leben gelebt hat", erklärten ihre Angehörigen. Sie sei "friedlich verstorben". 

Die Autorin kämpfte länger mit gesundheitlichen Problemen und saß im Rollstuhl. Sie schrieb bis zuletzt.

Nachruf Toni Morrison
tagesschau 17:00 Uhr, 06.08.2019, Christiane Meier, ARD New York

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Rassismus in den USA

Morrison galt als eine der einflussreichsten afroamerikanischen Autorinnen der USA und war die erste, die den Literaturnobelpreis erhielt. Die Jury lobte im Jahr 1993 ihre "visionäre Kraft und poetische Prägnanz", mit der sie eine wichtige Seite der amerikanischen Gesellschaft beleuchte.

Die Autorin wurde mit ihren Werken, in denen sie den Rassismus in den USA anklagte, zum "Gewissen Amerikas". Ihre Mission sah Morrison bis zuletzt nicht als erfüllt an. Sie mahnte mit teils drastischen Worten: "Ich will sehen, wie ein schwarzer Polizist einen unbewaffneten weißen Teenager in den Rücken schießt. Und ich will sehen, wie ein weißer Mann verurteilt wird, der eine schwarze Frau vergewaltigt hat. Und wenn man mich dann fragt: 'Ist es vorbei?', Dann sage ich: 'Ja'."

Der damalige US-Präsident Barack Obama verleiht der US-Schriftstellerin Toni Morrison die "Freiheitsmedaille des Präsidenten". | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Der damalige US-Präsident Barack Obama hat der US-Schriftstellerin Toni Morrison im Jahr 2012 die Freiheitsmedaille verliehen. (Archiv)

Pulitzer-Preis für "Menschenkind"

Den Beginn ihrer literarischen Karriere markierte 1970 "Sehr blaue Augen", ein Buch, in dem sie ihr Aufwachsen als Schwarze in den USA beschrieb. Es war das Buch, das sie immer habe lesen wollen, das es aber noch nicht gab, wie Morrison gerne erzählte. Also stand die geschiedene alleinerziehende Mutter zweier Söhne jeden Morgen um vier Uhr auf und schrieb es. Danach ging sie zu ihrem Job als Lektorin in einem großen Verlagshaus.

Es folgten weitere Erfolgsromane, die sich millionenfach verkauften, wie "Sula", "Solomons Lied", "Teerbaby", "Jazz" und das 500-Seiten-Werk "Paradies". Für den Sklavenroman "Menschenkind" gewann sie 1988 den Pulitzer-Preis. 2017 erschien ihr Roman "Gott, hilf dem Kind" auf Deutsch, 2018 ihre Essays "Die Herkunft der anderen: Über Rasse, Rassismus und Literatur".

Kreatives Schreiben in Princeton

Morrison wurde als Chloe Wofford im Jahr 1931 in Lorain im US-Bundesstaat Ohio geboren. Sie studierte Anglistik und unterrichtete englische Literatur. An der Elite-Universität Princeton lehrte sie kreatives Schreiben.

Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison gestorben
Peter Mücke, ARD New York
06.08.2019 17:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. August 2019 um 17:00 Uhr.

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