Rolf Hochhuth (Archivbild 2009) | Bildquelle: imago stock&people

Autor von "Der Stellvertreter" Dramatiker Rolf Hochhuth gestorben

Stand: 14.05.2020 12:10 Uhr

Er galt als einer der wichtigsten deutschen Theaterautoren, bekannt vor allem für seine Streitlust. Seine Dramen lösten heftige Debatten in der Gesellschaft aus. Nun ist Rolf Hochhuth im Alter von 89 Jahren gestorben.

Der Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 89 Jahren in seiner Wohnung in Berlin, wie sein Herausgeber Gert Ueding mitteilte. Hochhuth sei überraschend gestorben und habe keine Vorerkrankungen gehabt, sagte Ueding. Am Vormittag habe er sich sehr unwohl gefühlt und seine Frau benachrichtigt.

Dramatiker Rolf Hochhuth gestorben
tagesthemen 22:15 Uhr, 14.05.2020, Robert Holm, RBB

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Durchbruch mit 26

Hochhuth gehörte zu den umstrittensten und wichtigsten deutschen Theaterautoren der Nachkriegszeit. Mit seinem Vatikan-Drama "Der Stellvertreter" schrieb Hochhuth Theatergeschichte. Das Stück, das dem Papst eine Mitschuld am Holocaust gibt, löste 1963 einen beispiellosen Skandal aus - und wurde zum Welterfolg.

Er war gerade 26 Jahre alt, als er den "Stellvertreter" zu Papier brachte. Das Werk mit dem Untertitel "Ein christliches Trauerspiel" lag im Verlag einige Jahre auf Eis, ehe der Avantgarde-Regisseur Erwin Piscator sich 1963 bei der Berliner Freien Volksbühne an die Uraufführung wagte.

Das Drama löste heftige Debatten darüber aus, ob sich Papst Pius XII. durch Schweigen an der Ermordung von Millionen Juden mitschuldig gemacht habe. In einer Zeit, in der die Deutschen ihre Geschichte am liebsten noch verdrängten und totschwiegen, waren vor allem kirchlich-konservative Kreise empört. Inzwischen ist es in mehr als zwei Dutzend Ländern gespielt worden, das Taschenbuch verkaufte sich mehr als zwei Millionen Mal. 2001 kam der gleichnamige Film von Constantin Costa-Gavras ins Kino.

Rolf Hochhuth (l) während einer Pressekonferenz im Bundeshaus (Archivbild vom 09.10.1967) | Bildquelle: dpa
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1967 stand Rolf Hochhuth wegen seiner Tragödie "Soldaten" in der Kritik.

Deutsche Geschichte als Lebensthema

Auch in späteren Stücken wie "Soldaten, Nekrolog auf Genf" über den englischen Premier Winston Churchill, "Unbefleckte Empfängnis", dem Nachwende-Stück "Wessis in Weimar" oder "McKinsey kommt" über Massenentlassungen bezog er zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung.

Typisch blieb für alle seine Dramen die umfangreiche Recherche, die ihn zu einem wichtigen Vertreter des dokumentarischen Theaters machte. Diese Theaterform stützt sich auf reale Begebenheiten oder historische Dokumente und will eine politisch-gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema fördern. Kritiker sprachen allerdings auch von "Studienratstheater der penetranten Art".

Geboren wurde Hochhuth am 1. April 1931 als Sohn eines Schuhfabrikanten im hessischen Eschwege. Zunächst arbeitete er in Buchhandlungen und als Lektor. Aufgewachsen unter dem NS-Regime, wurde die deutsche Vergangenheit sein bestimmendes Lebensthema. "Der Holocaust kann nie vergeben und vergessen werden", sagte er einmal. "Ich bin sicher, wir werden für diese ungeheuere Schuld noch büßen."

Recherchen führen zu Filbinger-Rücktritt

Vor allem mit Konservativen geriet er immer wieder aneinander. Der ehemalige Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) verglich den Autor mit einem "ganz kleinen Pinscher", CSU-Chef Franz Josef Strauß zählte ihn zu den "Ratten und Schmeißfliegen".

Mit seinem 1978 erschienenen Prosawerk "Eine Liebe in Deutschland" und dem 1979 folgenden Stück "Juristen" trug Hochhuth auch zum Sturz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten und früheren Marinerichters Hans Filbinger (CDU) bei. Der Autor bezeichnete ihn als "furchtbaren Juristen", der noch 1945 im Gefangenenlager nach NS-Gesetzen geurteilt und im Januar 1945 einen Matrosen wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt und die Hinrichtung selbst befehligt habe.

Der Dramatiker Rolf Hochhuth bei einer Sitzung des Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses (Archivbild vom 27.02.2017) | Bildquelle: dpa
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Im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses stritt Hochhuth für den Erhalt der Kudammbühnen.

Nur noch die Streitlust sorgte zuletzt für Schlagzeilen

Die großen Bühnen ließen den Dramatiker in den letzten Jahren zunehmend links liegen - und zogen sich damit seinen oft unverblümt geäußerten Zorn zu. Jüngere Stücke wie "Heil Hitler" (2007) oder "Neun Nonnen fliehen" (2013) mussten in kleinere Häuser ausweichen.

Dafür machte der Autor immer wieder mit teils bizarren Auftritten auf sich aufmerksam - etwa mit seinen später wieder zurückgenommenen Lobeshymnen auf den britischen Historiker und Holocaust-Leugner David Irving oder seinem polternden Austritt bei der Berliner Akademie der Künste wegen eines Israel-kritischen Gedichts von Günter Grass.

Im Streit um den Abriss der Berliner Ku'damm-Bühnen fragte Hochhuth im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses, "wie kommt eine Nation dazu, so reich wie nie in ihrer Geschichte, Theater abzureißen?" Als er gebeten wurde, zum Ende zu kommen, brach er seine Rede ab und verließ türenknallend den Saal.

Auch sonst ging er keinem Streit aus dem Weg. Über eine Stiftung gehörte ihm das Bertolt-Brecht-Theater am Schiffbauerdamm. Mit den Nutzern, dem "Berliner Ensemble", lag er im Dauerclinch. Und selbst mit den eigenen Söhnen redete er nicht mehr - "weil sie nicht mit mir reden", wie er 2016 bei der Leipziger Buchmesse sagte.

Seine Biografin Birgit Lahann betitelte die Lebensgeschichte Hochhuths, die zu seinem 85. Geburtstag (2016) erschien, folgerichtig "Der Störenfried". Das "Bild vom Wüterich und Streithammel" habe mit den Jahren für viele das Bild vom großen Aufklärer überwuchert, schrieb sie darin.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Mai 2020 um 12:00 Uhr.

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