Patricia Schlesinger | rbb/Thomas Ernst

Nach Vorwürfen gegen Intendantin rbb gibt ARD-Vorsitz frühzeitig ab

Stand: 04.08.2022 20:30 Uhr

Seit knapp einem Monat steht rbb-Intendantin Schlesinger in der Kritik. Um die Vorwürfe aufzuklären, gibt ihr Haus den Vorsitz in der ARD ab. Es geht unter anderem um die Vergabe von Beraterverträgen.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) gibt seine Aufgaben als geschäftsführende Anstalt innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) mit sofortiger Wirkung ab.

Der Sender zitierte seine Intendantin und ARD-Vorsitzende Patricia Schlesinger in einer Pressemitteilung: "Die öffentliche Diskussion um in meinen Verantwortungsbereich fallende Entscheidungen und Abläufe im rbb berührt inzwischen auch die der ARD. Die Geschäftsleitung des rbb und ich sehen unsere Hauptaufgabe jetzt darin, zur Aufklärung dieser Vorwürfe beizutragen."

WDR soll zunächst übernehmen

Die Intendantinnen und Intendanten der ARD begrüßten die Entscheidung des rbb. Sie dankten zugleich dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) für seine Bereitschaft, die laufenden Amtsgeschäfte der ARD zu übernehmen und die wichtigen Zukunftsprojekte des Senderverbundes voranzutreiben. Bei der kommenden ARD-Hauptversammlung in Bremen im September kann zudem ein neuer Vorsitz bestimmt werden, der ab 2023 im Amt wäre. Der Südwestrundfunk (SWR) hat seine Bereitschaft erklärt, diese Aufgabe dann zu übernehmen.

Bei den Vorwürfen gegen Schlesinger geht es unter anderem um die Vergabe von Beraterverträgen. Schlesinger ist seit seit 1. Juli 2016 Intendantin des rbb. Den ARD-Vorsitz hat der Sender turnusgemäß zu Beginn des Jahres übernommen.

Wie der rbb-Verwaltungsrat bereits am Montag bekannt gab, richtet die Rundfunkanstalt ein Whistleblower-System zur Aufarbeitung der Vorwürfe unter anderem gegen Intendantin Schlesinger ein. Dieses soll dem rbb-Personal anonyme Meldungen ermöglichen. Neben der Compliance-Beauftragten und der Revision des Senders beschäftigt sich auch der brandenburgische Landtag mit den Anschuldigungen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. August 2022 um 20:00 Uhr.