Günter Grass

Im Alter von 87 Jahren gestorben Günter Grass ist tot

Stand: 13.04.2015 13:50 Uhr

Günter Grass, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart, ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren in einer Lübecker Klinik, bestätigte der Steidl-Verlag.

Der Autor Günter Grass ist tot. Das teilte der Steidl Verlag in Göttingen mit. Das Günter-Grass-Haus in Lübeck sagte, dass der Schriftsteller einer Infektion erlag.

Grass zählte zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Gegenwart. Bereits sein 1959 erschienener erster Roman "Die Blechtrommel" wurde ein Welterfolg. Im Jahr 1999 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er zu der berühmten Autorengruppe 47.

Einmischen in gesellschaftspolitische Debatten

Zeitlebens schaltete sich Grass in gesellschaftspolitische Debatten ein. So unterstützte er Willy Brandts Aussöhnungspolitik mit Polen und machte Wahlkampf für die SPD. Grass löste heftige Kontroversen aus, zuletzt 2012 wegen eines Israel-kritischen Gedichts.

Sein autobiografischer Band "Beim Häuten der Zwiebel" sorgte ab 2006 für Diskussionen. Überraschend machte Grass darin öffentlich, dass er als 17-Jähriger am Ende des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS war. Dem Autor wurde anschließend vorgeworfen, seine SS-Zugehörigkeit zu lange verschwiegen zu haben, während er andere immer wieder wegen ihrer NS-Vergangenheit öffentlich kritisiert habe.

Zum umfangreichen Werk von Grass gehört die Anfang der 1960er-Jahre erschienene "Danziger Trilogie". Sie umfasst neben der "Blechtrommel" die Novelle "Katz und Maus" (1961) und den Roman "Hundejahre" (1963). Fast ein halbes Jahrhundert später schrieb Grass seine "Trilogie der Erinnerung" mit den autobiografischen Bänden "Beim Häuten der Zwiebel" (2006), "Die Box" (2008) und "Grimms Wörter" (2010).

Grass war auch als Grafiker, Zeichner und Bildhauer tätig.

Traueranzeige des Günter Grass-Hauses in Lübeck

"Mit einem Sack Nüsse
will ich begraben sein  
und mit neuesten Zähnen.
Wenn es dann kracht,
wo ich liege,
kann vermutet werden:
Er ist das,
immer noch er."

Zitat aus Grass' "Fundsachen für Nichtleser"

"Ein Freund mit Haltung"

Der Tod Grass' hat Trauer und Bestürzung ausgelöst.

Bundespräsident Joachim Gauck betonte in einem Kondolenzschreiben:

"In seinen Romanen, Erzählungen und in seiner Lyrik finden sich die großen Hoffnungen und Irrtümer, die Ängste und Sehnsüchte ganzer Generationen. Grass sei zeitlebens ein eigenwilliger politischer Geist gewesen, der Auseinandersetzungen und Kritik nicht fürchtete und politische Debatten über Jahrzehnte wesentlich beeinflusste. "Sein Werk ist ein beeindruckender Spiegel unseres Landes und ein bleibender Teil seines literarischen und künstlerischen Erbes."

Sigmar Gabriel, SPD-Vorsitzender und Vize-Kanzler, sagte:

"Mit ihm verlieren wir einen der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsgeschichte und einen engagierten Autor und Kämpfer für Demokratie und Frieden."

Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, sagte, dass er einen Freund mit Haltung verliere, auf den man sich sowohl politisch als auch ganz praktisch stets verlassen konnte:

"Mit Günter Grass verliert die Welt der Literatur einen wortmächtigen Autor und unsere Republik einen ihrer streitbarsten Mitbürger."

Der Schriftsteller und Politologe sowie langjährige Generalsekretär und Präsident des deutschen PEN-Zentrums, Johano Strasser, würdigte Grass als hochmoralischen politischen Menschen. Es sei nun wichtig, Grass vor allem als Schriftsteller im Gedächtnis zu behalten.

"Ich habe ihn als guten und mutigen Freund erlebt. Eine Lebensfreundschaft wurde jetzt jäh abgebrochen, aber es bleibt das Band der Freundschaft."

Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor schrieb in einer Erklärung:

"Autor, Denker, Intellektueller - Günter Grass hat die Literatur im Nachkriegs-Deutschland geprägt wie wenige andere. Er war ein überzeugter Demokrat, der viele Debatten angestoßen und zahlreiche Kontroversen geführt hat. Der ARD war er auf vielfältige Weise verbunden. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie."

Zum Tode von Günter Grass ändert die ARD ihr TV-Programm. Das Erste sendet um 20.15 Uhr "Die Blechtrommel" und um 22.50 Uhr den Nachruf "Ich weiß, dass ich zufällig lebe".

Darstellung: