Olivia Havilland im Jahr 2004 | Bildquelle: dpa

Olivia de Havilland Der letzte Star der "Goldenen Ära"

Stand: 26.07.2020 23:12 Uhr

Olivia de Havilland war die älteste noch lebende Oscar-Gewinnerin und schon zu Lebzeiten eine Legende. Sie kämpfte gegen die großen Hollywood-Studios - und gewann. Nun ist sie im Alter von 104 Jahren gestorben.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Es war die Rolle ihres Lebens: 1939 spielte Olivia de Havilland die Rolle der sanften und stillen Melanie Wilkes in dem Drama "Vom Winde verweht". An der Seite von Clarke Gable und Vivien Leigh wurde sie weltberühmt, der Film brachte de Havilland auch eine Oscar-Nominierung ein.

Kampf für Unabhängigkeit vom Studiosystem

Die brave Melanie aus dem Film, die keine Ansprüche erhebt, und stets zufrieden ist, entspricht so gar nicht dem Charakter de Havillands, deren schauspielerische Karriere von einigen Kämpfen geprägt war - vor allem mit Warner Brothers. Studiochef Jack Warner, bei dem sie einen Sieben-Jahres-Vertrag unterschrieben hatte, wollte sie nämlich zunächst nicht an ein anderes Filmstudio ausleihen, um dort "Vom Winde verweht" drehen zu können.

De Havilland kämpfte gegen ihren Knebelvertrag mit Warner, das sie auch nach Ablauf ihres Vertrages zu mehr Filmen zwingen wollte - und bekam 1944 offiziell von einem Gericht Recht zugesprochen. Sie leitete damit einen wichtigen Schritt für die Unabhängigkeit von Schauspielerinnen und Schauspielern gegenüber ihren Filmstudios ein. Für de Havilland war dies nicht nur ein persönlicher und finanzieller Sieg - sondern er eröffnete ihr auch kreativ neue Türen, denn nun konnte sie freier bestimmen, welche Rollen sie spielen wollte. Sie wurde experimentierfreudiger, ihre Figuren komplexer und düsterer: Diese Rollen brachten ihr zwei Oscars ein: 1946 für "Mutterherz" und 1950 für "Die Erbin".

Havilland posiert am 27.03.1950 mit dem Oscar für "Die Erbin" | Bildquelle: AFP
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Havilland posiert am 27.03.1950 mit dem Oscar für "Die Erbin".

Auch im hohen Alter streitlustig

Einige Filme, etwa "Unter Piratenflagge" oder "Robin Hood", drehte sie mit dem Herzensbrecher schlechthin: Errol Flynn. Verliebt sei sie schon ein wenig gewesen, erzählte de Havilland später in einem TV-Interview - eine Affäre habe es aber nie gegeben. 

Die in Japan geborene Schauspielerin lebte lange Zeit in Kalifornien. 1953 zog sie aber der Liebe wegen nach Paris, drehte bis Ende der 1980er-Jahre weiter Filme. 1988 war Schluss: Sie habe keine interessanten Angebote mehr bekommen, sagte de Havilland später. Die Kämpfe waren trotzdem noch nicht vorbei - mit 101 Jahren klagte sie gegen den Fernsehsender "FX", der sich in der fiktionalen Serie "Feud" mit den Hollywood-Diven der Goldenen Ära Hollywoods beschäftigte und in der de Havilland ihre Schwester Joan Fontaine, mit der sie eine tiefe Rivalität verband, als "Schlampe" bezeichnete. Die Klage wurde allerdings abgewiesen.

Eine hohe Auszeichnung erhielt sie 2017: Sie wurde von Queen Elizabeth II. offiziell zur "Dame" ernannt - die älteste Frau, der jemals eine solche Ehre zuteil wurde. Am Sonntag starb de Havilland in Paris.

Schauspielerin Olivia de Havilland mit 104 gestorben
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
26.07.2020 22:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Juli 2020 um 20:00 Uhr.

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