Coco Schumann | Bildquelle: picture-alliance / dpa

Jazzmusiker und Holocaust-Überlebender Swing-Legende Coco Schumann ist tot

Stand: 29.01.2018 12:28 Uhr

Der Gitarrist und Jazz-Musiker Coco Schumann ist tot. Er war einer der letzten noch lebenden Zeugen des Holocaust. In den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz musste Schumann mit den "Ghetto Swingers" für die SS spielen.

Er war Jazz-Gitarrist, Swing-Legende und KZ-Überlebender - nun ist der Musiker Coco Schumann im Alter von 93 Jahren in Berlin gestorben. Das bestätigte seine Plattenfirma Trikont unter Berufung auf seine Familie in München.

Der 1924 geborene Heinz Jakob Schumann, wie er eigentlich hieß, war Sohn eines christlichen Vaters und einer jüdischen Mutter. Seinen Spitznamen Coco soll er von einer französischen Freundin bekommen haben, die seinen Vornamen nicht aussprechen konnte.

Schumanns Vater konvertierte aus Liebe zur Mutter zum Judentum. Mit der Einführung der Rassegesetze der Nationalsozialisten 1935 wurde Coco Schumann als "Geltungsjude" eingestuft.

In frühen Jahren brachte sich Schumann Gitarre und Schlagzeug selber bei. Es gelang ihm in Berliner Bars und Tanzclubs zu spielen, obwohl er noch minderjährig war. Als Jude durfte er jedoch nicht Mitglied in der Reichskulturkammer werden, also nicht als Musiker arbeiten und Geld verdienen. Die Nationalsozialisten erklärten Musikrichtungen wie Jazz und Swing zudem für "undeutsch".

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Coco Schumann bei einem Konzert im Jahr 2003

Musiker in Theresienstadt und Auschwitz

1943 wurde er denunziert und in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er als Mitglied der "Ghetto Swingers" für die SS Konzerte geben musste. Die Nationalsozialisten hatten Theresienstadt als Vorzeige-Konzentrationslager geplant, um der Öffentlichkeit den Eindruck zu vermitteln, die jüdischen Insassen würden human behandelt. Dazu gehörten auch Musik- und Kulturveranstaltungen.

In dem von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken produzierten Dokumentarfilm "Theresienstadt - Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet" ist Schumann in einer kurzen Szene als Schlagzeuger der "Ghetto Swingers" zu sehen.

Im September 1944 kam er mit der Band in das Vernichtungslager Auschwitz, wo er mit den "Ghetto Swingers" für Neuankömmlinge und beim Abmarsch der Arbeitskolonnen musizieren musste.

Nachdem Schumann 1945 bei einem "Todesmarsch" von den US-Truppen befreit worden war, blieb er in Deutschland. Schumann trat unter anderem mit dem Jazz-Geiger Helmut Zacharias und dem Pianisten und Sänger Bully Buhlan auf, spielte im Radio und nahm Schallplatten auf. Als einer der ersten in Deutschland spielte Schumann auf einer E-Gitarre.

1950 wanderte Schumann mit seiner Familie nach Australien aus, kehrte vier Jahre später aber wieder zurück und spielte in verschiedenen Tanz-, Radio- und Fernsehbands. In den 1990er-Jahren besann Schumann sich auf seine Wurzeln des Jazz und Swing und gründete das international erfolgreiche "Coco Schumann Quartett". Schumanns Autobiografie "Der Ghetto-Swinger" wurde 2012 als Musical an den Hamburger Kammerspielen aufgeführt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2018 um 12:00 Uhr.

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