Besucher auf der Frankfurter Buchmesse | dpa

Bilanz zur Frankfurter Buchmesse Endlich wieder Begegnungen

Stand: 24.10.2021 08:23 Uhr

Breitere Gänge, 3G und Masken: Die Frankfurter Buchmesse konnte in diesem Jahr wieder mit Besuchern stattfinden. Eine Absage im Vorfeld sorgte für eine Debatte über die Präsenz rechter Verlage.

Von Maren Ahring, NDR

Die 73. Frankfurter Buchmesse geht heute zu Ende - und es war eine Messe unter besonderen Bedingungen: 3G und Masken, breitere Gänge und großzügigere Stände. Trotzdem waren Freude und Erleichterung groß, dass sie überhaupt stattfinden konnte. Und von Freitagmittag an durften auch Besucherinnen und Besucher kommen.

"Endlich" - das war ein Wort, das man in den ersten Tagen immer wieder hören konnte. Endlich wieder Begegnungen, endlich wieder Buchmesse. Während am Mittwoch und Donnerstag die Messehallen noch recht leer waren - manche meinten sogar, gespenstisch leer -, änderte sich das Bild am frühen Freitagnachmittag, als die ersten Besucherinnen und Besucher aufs Messegelände strömten.

Die neue Gestaltung stieß auf geteiltes Echo: Manche waren zufrieden mit den breiten Gängen und freuten sich über weniger Gedränge, andere vermissten einzelne Verlage und das "richtige" Messegefühl. Signierstunden durften nicht an den Ständen stattfinden, dafür gab es in diesem Jahr offene Signierboxen im Hof der Messe. Die 25.000 Tickets fürs Publikum waren allerdings nur am Samstag komplett ausverkauft - an den anderen Tagen hätten noch mehr Menschen die Buchmesse besuchen können.

Debatte über rechte Verlage

Bereits am Montag, da war die Buchmesse noch gar nicht eröffnet, kam allerdings die erste Absage. Die schwarze Autorin und Aktivistin Jasmina Kuhnke boykottierte ihren Auftritt, weil sie sich von drei rechten Verlagen bedroht fühlte. Eine Entscheidung, die auch unter Autorinnen und Autoren heftig diskutiert wurde. Während Buchpreis-Gewinnerin Antje Ravik Strubel Kuhnkes Entscheidung einerseits verstehen kann, sagte sie aber auch, dass Autorinnen und Autoren ihren "Moment der Öffentlichkeit" nutzen und den Diskurs suchen sollten.

Andere Autorinnen und Autoren erklärten sich solidarisch mit Kuhnke und sagten ihre Auftritte in Frankfurt ebenfalls ab, darunter Annabelle Mandeneg und Inklusions-Aktivist Raul Krauthausen. Sie kritisierten die Buchmesse unter anderem dafür, überhaupt Stände rechter Verlage zuzulassen. Die Buchmesse rechtfertigte sich mit der Meinungs- und Publikationsfreiheit. Und weiter stehe für die Messe fest, "dass Verlage, die sich im Rahmen der Rechtsordnung bewegen, auf der Buchmesse ausstellen können, auch wenn wir ihre Ansichten nicht teilen".

Gastland Kanada mit Gänsehautmoment

Deutlich sichtbar auf der Frankfurter Buchmesse: das Gastland Kanada - mit einem sehr poetischen Pavillon und einem spannenden Programm, das so bunt war, wie es das Motto "Singular Plurality" versprach. Gleich bei der Eröffnung gewährte die kanadische Generalgouverneurin tiefe Einblicke in die Geschichte ihres Landes. Mary May Simon hat indigene Wurzeln und sprach über ihre traditionelle Kindheit. Sie sparte aber auch die schlimme Geschichte der "Residential Schools" nicht aus, in denen indigene Kinder gequält wurden und viele sogar starben. Ein Gänsehautmoment - für ihre Rede bekam sie stehende Ovationen.

Ansonsten war die Messe stark von Frauen geprägt. In der Reihe "Sheheroes" diskutierten prominente Autorinnen auf großer Bühne. Dort stellte auch Komikerin Carolin Kebekus ihr feministisches Buch "Es kann nur eine geben" vor. Darin beleuchtet sie die Ungerechtigkeiten, mit denen Frauen immer noch zu kämpfen haben, wie etwa einen deutlich kleineren Redeanteil in Film- und Fernsehproduktionen - sehr fundiert und sehr unterhaltsam.

Und die beiden großen Preise - der Deutsche Buchpreis und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - gehen in diesem Jahr an Frauen. Tsitsi Dangarembga, Autorin, Filmemacherin und Menschrechtsaktivistin erhält den Friedenpreis des Deutschen Buchhandels. Dabei sieht sich die 62-Jährige aus Simbabwe selbst gar nicht als Aktivistin, sondern als engagierte Bürgerin. Eine beeindruckende Frau, die in ihrer Heimat noch auf ein Gerichtsverfahren wartet, weil sie im letzten Jahr an einer friedlichen Demo teilgenommen hatte.

Auch rund 300 Autorinnen und Autoren kamen zur Frankfurter Buchmesse, darunter viele Prominente - wie Schlagersänger Roland Kaiser, Schauspielerin Ulrike Folkerts und Mediziner Dietrich Grönemeyer.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 24. Oktober 2021 um 10:35 Uhr.

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Moderation 24.10.2021 • 15:25 Uhr

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