Vom Borkenkäfer zerstörte Fichten im Nationalpark Harz | Bildquelle: dpa

Kontroverse vor Gipfel Rettungseinsatz für den deutschen Wald

Stand: 25.09.2019 01:48 Uhr

Großflächig pflanzen oder lieber natürlich nachwachsen lassen? Vor dem nationalen Waldgipfel gehen die Meinungen zur Bekämpfung des Waldschwunds weit auseinander. Klar ist nur: Es wird teuer.

Von Axel Weiß, SWR

Mehr als 300 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden hat Bundesagrarministerin Julia Klöckner geladen, um heute zu diskutieren, wie dem Wald zu helfen ist. Einig sind sich alle nur darin: Dem deutschen Wald geht es schlecht wie nie - und die Hilfe wird richtig Geld kosten.

Fakt ist: Auf 110.000 Hektar steht schon jetzt kein Wald mehr. Das entspricht fast der Hälfte der Fläche des Saarlandes und ungefähr einem Prozent des Waldbestands. Stürme, Trockenheit, Brände und Borkenkäferfraß trafen vor allem Fichten-Monokulturen, daneben aber auch Buchen, Ahorn, Eschen und andere Laubbäume.

Ziel ist der robustere Mischwald

Alle wollen jetzt weg vom reinen Nadelforst hin zu Mischwäldern. Dieser Umbau wird Geld kosten. Klöckner sprach sich für "ein nachhaltiges Aufforstungsprogramm mit standortangepassten Bäumen für robuste Mischwälder" aus. "Wir werden mit den Ländern gemeinsam etwa 700, 800 Millionen Euro haben, die vergeben werden müssen", sagte sie kurz vor dem Gipfel im SWR.

Die Grünen halten einen Waldzukunftsfonds von einer Milliarde Euro für die nächsten Jahre für nötig. Der Verband der privaten Waldeigentümer geht von zwei Milliarden Euro Kosten für einen umfassenden "Pakt für den Wald" aus. Ebenfalls mit zwei Milliarden Euro rechnet auch der Bund Deutscher Forstleute für seinen "Carlowitz-Plan" (PDF), der unter anderem vorsieht, eine Milliarde junge Bäume auf die Kahlflächen zu setzen.

Kurzerklärt: Ist der Wald noch zu retten?
25.09.2019, Alex Jakobowski, HR

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In einer "Moritzburger Erklärung" (PDF) forderten die CDU/CSU-Forstminister der Länder vom Bund 800 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre. Ein Masterplan soll nach Willen der Unions-Länderminister nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holznutzung gewährleisten.

Millionen für die Aufforstung

In mehreren Bundesländern wurden den Waldbesitzern inzwischen Hilfen in Aussicht gestellt. Das Forstministerium Baden-Württembergs rechnet mit 40 Millionen Euro für mehr Klimaforschung, Aufforstung und Krisenmanagement. Niedersachen versprach 1,5 Millionen Euro Soforthilfe für Waldbesitzer. Und im Saarland soll ein Zehn-Punkte-Masterplan helfen. Er sieht unter anderem Maßnahmen zur Wiederaufforstung sowie einen erhöhten Holzvorrat und reduzierte Ernte vor. Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD) will sich auf dem Waldgipfel auch dafür einsetzen, mögliche Erlöse aus dem CO2-Zertifikatehandel Waldbesitzern zukommen zu lassen.

Geld ist das eine, das weitere Vorgehen das andere. Die Aufgabe ist gewaltig und vor allem die Anforderungen sind extrem widersprüchlich: Dem Wald (und seinen Besitzern) soll einerseits schnell geholfen werden, andererseits braucht ein naturnaher Wald viele Jahrzehnte zur Entwicklung und Anpassung. Der Wald soll Kohlendioxid speichern, aber sein Holz auch intensiv genutzt werden. Der Wald soll wirtschaftlich sein, aber auch Lebensraum bieten sowie Erholung und Klimaschutz dienen.

Naturschützer: Überlasst den Wald sich selbst

Die Baumarten müssen mit dem veränderten Klima - auch in 100 Jahren - zurechtkommen. Welche das sind oder sein können, weiß aber keiner. Naturschützer fordern daher, den Wald zumindest teilweise sich selbst zu überlassen. Nur so könne eine optimale Anpassung an den Klimawandel erfolgen. Viele Forstwissenschafler setzen dagegen mehr auf Pflanzung und auch aktiven Waldbau mit ausländischen Baumarten.

Borkenkäfer | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Der Borkenkäfer kann gleich ganze Landstriche verwüsten, wenn er dort auf Monokulturen trifft.

Das Bundesamt für Naturschutz hat sich in einem am Montag veröffentlichten Positionspapier deutlich für mehr Naturwald ausgesprochen. Bisher machten Wälder mit natürlicher Waldentwicklung gerade mal 2,8 Prozent der Waldfläche aus.  Signifikante Anteile der neu entstandenen Freiflächen sollten daher "nicht oder nur eingeschränkt geräumt werden", fordert die Behörde. Die "einseitig nutzorientierte Perspektive der Forstwirtschaft" müsse ökologisch ergänzt werden. Wichtig seien auch angepasste Wildbestände.

Außerdem sollten Waldbesitzer für eine naturnahe Bewirtschaftung honoriert werden. Diese Idee möchte auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) auf dem Waldgipfel voranbringen. Vor allem diejenigen sollten Prämien bekommen, die ihren Waldumbau am Nutzen für die Natur und am Klimaschutz ausrichten - und nicht an der Holzproduktion. Es komme bei der Wiederbewaldung darauf an, nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.

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