Junge Mütter mit ihren Säuglingen 1934

Muttertag Eine Erfindung der Nationalsozialisten?

Stand: 10.05.2020 05:06 Uhr

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Mai ist Muttertag. Doch woher stammt die Tradition? Ist es eine Erfindung der Blumenindustrie? Oder haben die Nationalsozialisten diesen Tag etabliert?

Wenn Deutschlands Kinder am zweiten Sonntag im Mai die Mama beschenken, freuen sich Floristen über einen der umsatzstärksten Tage im Jahr. Aus diesem Grund haben sie den Ehrentag hierzulande in den 1920er Jahren etabliert. Und die Wurzeln des Muttertages reichen viel weiter zurück. Doch ein Gerücht hält sich hartnäckig.

Blumenstrauß | Bildquelle: imago images / Panthermedia
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Für die Blumenindustrie ist der Muttertag einer der wichtigsten Tage im Jahr.

BEHAUPTUNG: Der Muttertag ist eine Erfindung der Nationalsozialisten.

BEWERTUNG: Die Nazis erklärten den Tag zwar zum offiziellen Feiertag und missbrauchten ihn zu Propagandazwecken. Erfunden haben sie ihn aber keineswegs.

FAKTEN: Die Verehrung mütterlicher Tugenden geht bis in die Antike zurück. Bei ihren Frühlingsfesten huldigten die alten Griechen zum Beispiel Rhea, der Göttin der Erde und der Fruchtbarkeit.

Ein vierjähriger Junge überreicht in einem Garten seiner Mutter gepflückte Blumen | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Selbstgepflückte Blumen - sie gehörten in den Anfangszeiten des Muttertages zum Ritual.

Britische Historiker berichten vom "Mothering Day", dessen Tradition, zunächst "Mutter Kirche" gewidmet, im Mittelalter begann. Später durften an diesem Tag im Frühling vor allem Kinder im Dienste wohlhabender Familien zu ihren Müttern zurückkehren. Als kleines Geschenk brachten sie ihnen unterwegs gepflückte Blumen mit.

Ein Tag des Friedens

Der Muttertag in seiner modernen Form aber entstand in den Vereinigten Staaten, wo die Dichterin und Frauenrechtlerin Julia Ward Howe 1870 angesichts von Krieg und Sklaverei einen "Muttertag des Friedens" forderte - eine Idee, die Jahrzehnte später die Feministin Anna Jarvis wieder aufnahm. Um ihre gestorbene Mutter zu ehren und auf Probleme von Frauen aufmerksam zu machen, forderte sie 1907 einen Festtag für alle Mütter. Auf Wunsch des Kongresses führte 1914 dann US-Präsident Woodrow Wilson den zweiten Sonntag im Mai als nationalen Ehrentag ein. Bald darauf gelangte die Idee nach Europa - zunächst nach England, Skandinavien und in die Schweiz.

In Deutschland gab es den ersten Muttertag am 13. Mai 1923 - initiiert jedoch aus rein kommerziellen Interessen vom "Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber".

1934: Nationales Fest

Die Nationalsozialisten erklärten den Tag 1934 schließlich zum nationalen Fest, stellten ihn in den Dienst ihrer Propaganda und reduzierten die Rolle der Frau auf ihre Gebärfähigkeit. "Mit jedem Kind, das die Frau der Nation zur Welt bringt, kämpft sie ihren Kampf für die Nation", betonte Adolf Hitler.

Am Muttertag 1939 etwa wurde drei Millionen Frauen das "Ehrenkreuz der deutschen Mutter" verliehen - eine Medaille für besondere "Gebärleistungen". Für mindestens vier Kinder gab es die Auszeichnung in Bronze, wer sechs Kinder hatte, erhielt Silber, für acht und mehr Kinder die Variante in Gold.

Quelle: dpa

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