Armin Laschet spricht bei der Feuerwehr in Hagen nach dem Unwetter. | EPA
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Kanzlerkandidat Laschet Zwischen Satire und Falschmeldung

Stand: 28.07.2021 15:11 Uhr

Als Kanzlerkandidat steht Armin Laschet besonders im Fokus des öffentlichen Interesses. Politische Gegner nehmen ihn mit einer Satire-Aktion aufs Korn - aber es gibt auch echte Fake-News-Attacken.

Von Patrick Gensing, Redaktion ARD-faktenfinder

Klimaschutz ja, aber nicht um jeden Preis. Die Steuern nicht rauf, aber auch nicht runter. Unter anderem das ARD-Sommerinterview hat gezeigt: Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet will offenkundig nicht anecken. Auch ein klares Wort zum Geraune von Ex-Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen über Charakterprüfungen für Journalisten vermeidet er.

Kritiker werfen Laschet daher Beliebigkeit vor. Mit einer Satire-Aktion soll diese Haltung nun aufs Korn genommen werden: Der sogenannte Lasch-O-Mat ist ein Zufallsgenerator, der auf Zitatbausteinen basiert, die Laschet auf Twitter und anderen Medien veröffentlicht hat. Der Lasch-O-Mat generiert aus drei solcher Textbausteinen und einem frei wählbaren Begriff ein angebliches Zitat des CDU-Politikers. Gibt man beispielsweise den Begriff "Altglas" ein, liefert die Seite als ein Ergebnis:

Bilder und Zitate des Lasch-o-mat. | https://lasch-o-mat.de/

Der Lasch-o-mat im Praxistest: ein Ergebnis zum Begriff "Altglas". Bild: https://lasch-o-mat.de/

Hinter dem Projekt steckt ein Marketingunternehmen aus Mainz. Die Geschäftsführer stehen der FDP nahe, berichtet die "Berliner Morgenpost": So war Linus Junginger bis 2018 Geschäftsführer der FDP-Stadtratsfraktion, sein Kollege Michael Ziegler ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der FDP im rheinland-pfälzischen Landtag. Die FDP wird außerdem als Kunde auf der Firmenwebsite aufgeführt.

Das Format sei jedoch nicht für einen Auftraggeber erstellt worden. "Wir haben zwar persönliche und geschäftliche Beziehungen zu politischen Parteien, aber der Lasch-O-Mat ist eine Eigenkreation", sagte Junginger auf Anfrage der Zeitung.

Als Satire zu erkennen

"Zufällige Zitate, die von Armin Laschet stammen könnten" - so steht es auf der Seite: Der Lasch-O-Mat ist eindeutig als eine satirische Aktion zu erkennen - und damit keine Desinformation. Allerdings kann Satire auch - bewusst oder unbewusst - falsch verstanden werden und Basis für Falschmeldungen werden.

So hatte eine satirische Online-Seite gemeldet, die Grünen-Politikerin Claudia Roth habe ein Alkoholverbot in Deutschland während des Ramadan gefordert. Eine frei erfundene Geschichte, die für einen Sturm der Empörung sorgte.

Die Wissenschaftlerin Anna Wagner erläuterte im Gespräch mit dem ARD-faktenfinder, dass Satire zumeist dann funktioniert, wenn sie in einem entsprechenden Rahmen vorgetragen wird - und somit erkennbar ist. Zudem sei die Verwendung von Humor und rhetorisch-künstlerischer Mittel wie jene der Verzerrung, Übertreibung oder Ironie typisch. Aber eine einheitliche Definition gebe es nicht.

Fake News über Spenden

Gezielte Falschmeldungen haben im Gegensatz zur erkennbaren Satire hingegen das Ziel, die Adressaten im Unklaren zu lassen, ob eine Nachricht stimmt oder frei erfunden ist. Sie sollen verwirren und Zweifel säen. So wird die eigentliche Botschaft dabei oft gar nicht offen ausgesprochen, sondern durch eine Frage angedeutet. So beispielsweise im Fall von Social-Media-Posts über Spenden an die "Aktion Lichtblicke", die angeblich in den Wahlkampf von Armin Laschet fließen.

In zahlreichen Beiträgen auf Telegram und Facebook heißt es, bislang sei kein Cent der 6,6 Millionen Euro bei den Flutopfern angekommen. Und: "Habt Ihr Euch mal gefragt, woher das Geld für den Wahlkampf von Armin Laschet kommt?" Und weiter: Die Schirmherrin der Aktion sei "zufällig" die Frau von Armin Laschet. "Noch Fragen?"

Ohne jeden Beleg

Damit wird die Behauptung, die Spenden würden in den Wahlkampf fließen, nicht offen ausgesprochen, aber dennoch als Botschaft vermittelt. Als vermeintlicher Beweis dient allein die Tatsache, dass Susanne Laschet, Ehefrau von Armin Laschet, die Schirmherrschaft für dieses Projekt übernommen hat - so wie es die Ehefrauen/Ehemänner von Ministerpräsidenten oder Präsidentinnen zuvor ebenfalls getan hatten.

Die Aktion Lichtblicke sah sich angesichts dieser Unterstellungen, die ohne jeden Beleg verbreitet werden, zu einer Stellungnahme genötigt, in der die Vorwürfe klar zurückgewiesen werden. Bis heute finden sich auf Facebook und Telegram zahlreiche Bilder und Nachrichten, in denen die Falschmeldung weiter verbreitet wird.

Von Telegram in die großen Netzwerke

Die Falschinformationen über Laschet und das Spendengeld wurden von den Prominenten Xavier Naidoo und Mustafa Alin auf Telegram und Facebook weiterverbreitet. Fachleute vom Institute for Strategic Dialogue (ISD) meinen dazu, die Verbreitung der Falschinformationen beschränkte sich zwar größtenteils auf das Milieu von "Querdenken" und anderen Verschwörungsanhängern.

Das Beispiel zeige aber, "wie einfach Inhalte aus rechten und verschwörungstheoretischen Telegram-Kanälen den Weg in populäre soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter finden". Besonders perfide: Der Betreiber eines solchen Telegram-Kanals, der die Falschmeldung verbreitete, ruft selbst zu Spenden für die Flutopfer auf - über sein Paypal-Konto, das laut ISD nun allerdings eingeschränkt wurde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juli 2021 um 09:05 Uhr.