Demonstranten bei einer Kundgebung in Bremen. | Bildquelle: dpa

Unwort des Jahres Woher kommt der Begriff "Klimahysterie"?

Stand: 14.01.2020 13:37 Uhr

Seit dem Frühjahr 2019 taucht der Begriff "Klimahysterie" massenhaft auf. Doch das Schlagwort kursiert schon deutlich länger durch Bücher, Zeitungen und das Netz. Erst in den USA, dann in Deutschland.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Klimaschutzbemühungen und Klimaschutzbewegung würden diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert - so lautet die Begründung, warum der Begriff "Klimahysterie" zum Unwort des Jahres gekürt worden ist.

Der Begriff ist aber nicht erst 2019 aufgetaucht: Bereits 2004 schrieb der spätere AfD-Funktionär Konrad Adam in der "Welt" von einer "Klimahysterie", die es momentan gebe.

Im Jahr 2006 tobte in den USA eine Debatte über die Klimaerwärmung, Hintergrund war unter anderem eine Kampagne des Politikers und Umweltschützers Al Gore, der 2007 für sein Engagement für den Klimaschutz gemeinsam mit dem IPCC mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Sowohl die Begriffe "Global warming hysteria" als auch "climate hysteria" wurden damals massenhaft verwendet, wie Abfragen bei Google Trends zeigen. Journalisten zogen im Bezug auf die Behauptungen der "Klimaleugner" Parallelen zu den Strategien der Tabakindustrie, die wissenschaftliche Erkenntnisse zur Gefahr durch Rauchen diskreditieren wollte.

2007 veröffentlichte in Deutschland der Autor und Ingenieur Christian Baartsch einen viel zitierten Beitrag in der "FAZ" mit dem Titel "Wider die Klimahysterie". Darin hieß es, die "Ideologie einer 'vom Menschen gemachten Klimakatastrophe' wurde in den achtziger Jahren geboren". Der Welt drohe eine "Klimadiktatur", dabei habe es schon immer Klimaveränderungen gegeben. Tatsächlich sei nicht CO2, sondern die Sonnen-Aktivität entscheidend, so Baartsch. Damit führte er verschiedene Behauptungen auf, die bis heute immer wieder vorgetragen werden, beispielsweise von AfD-Politikerin Alice Weidel.

Auch der FDP-Politiker Dirk Niebel schrieb 2007 von einer "Klimahysterie". In der "Welt am Sonntag" behauptete er, Klimaforscher würden von einer solchen profitieren, um Finanzmittel zu erschließen. "Eine Hysterie, die die Politiker zwingt, Forschungsgelder bereitzustellen, ist ein wunderbares Vehikel, zu Geld, Publikationen und damit zu Ansehen zu gelangen."

Ab Frühjahr 2019 massenhaft verwendet

Seit dem Frühjahr 2019 verbreitete sich der Begriff in Deutschland immer stärker. Das Thema Klimaschutz wurde unter anderem durch die "Fridays for Future"-Bewegung aber auch zahlreiche Appelle von Wissenschaftlern zu einem der wichtigsten Politikfelder. AfD-Politiker und Publizisten hingegen leugneten immer wieder einen entscheidenden Einfluss des Menschen auf den Klimawandel und setzen in Kampagnen stark auf das Thema.

Mit dieser Rhetorik, meint Klimaexpertin Stella Schaller im Interview mit tagesschau.de, würden diejenigen angesprochen, "die ihren bisherigen Lebensstil bedroht sehen oder sich abgehängt fühlen" und so Sorgen und Ressentiments gegen Eliten befeuern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Januar 2020 um 14:00 Uhr.

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