Ein Traktor fährt mit einer Sämaschine über ein Feld und zieht eine riesigen Staubwolke hinter sich her. | Bildquelle: dpa

Trockenheit Droht ein neuer Dürresommer?

Stand: 17.04.2020 05:01 Uhr

Zwei Sommer hintereinander haben Landwirte mit extremer Trockenheit und Rekordtemperaturen gekämpft. Wie sieht es in diesem Jahr aus? Steht erneut eine Dürreperiode bevor?

Von Oda Lambrecht und Jennifer Lange, NDR

Die Zuckerrüben seien schon in der Erde und immerhin rund die Hälfte der Kartoffeln, erklärt Landwirt Thorsten Riggert aus Uelzen in Niedersachsen. Im Moment bereitet er die Mais-Aussaat vor und wünscht sich dafür dringend Regen. Denn bislang ist der April viel zu trocken.

Zu früh für Sommerprognose

Der Monat sei schon zur Hälfte herum und bisher sei viel weniger Niederschlag als üblich gefallen, erklärt Jens Fildebrandt vom Deutschen Wetterdienst. Doch ist der April bereits ein Vorbote für einen neuen Dürresommer? Um das seriös vorherzusagen, sei es noch zu früh, so Fildebrandt.

Ein verkümmerter Maiskolben liegt auf einem von Trockenheit, Hitze und Unwettern stark geschädigtem Maisfeld | Bildquelle: dpa
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Ein weiterer trockener Sommer würde vielen Landwirten Probleme bereiten.

Dass der April trocken sei, bedeute nicht, dass auch automatisch ein trockener Sommer folgen müsse, sagt der agrarmeteorologische Berater und verweist auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Nach trockenen Aprilmonaten hätte es sowohl feuchte als auch trockene Sommer gegeben.

Vorhersagen seien im Schnitt lediglich bis zu 14 Tagen möglich, so Fildebrandt. Alles andere darüber hinaus sei nicht seriös. Auch Klimaexperte Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sagt, Wettervorhersagen funktionierten sieben bis zehn Tage in die Zukunft.

Deutscher Wetterdienst: Jahreszeitenvorhersagen nicht belastbar

Die Zusammenschau vieler Vorhersagezentren weltweit zeige zwar für den kommenden Frühsommer eine länger anhaltende Hochdrucklage über Europa, erklärt Barbara Früh vom Zentralen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes. Das Deutsche Klimavorhersagesystem gebe allerdings kein klares Signal zu den Niederschlagsaussichten. Die sogenannte Jahreszeitenvorhersage hat nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes derzeit keine besonders hohe Vorhersagegüte. Ob also erneut ein Dürresommer drohe, da sind sich Experten einig, könne man heute noch nicht sicher prognostizieren.

Angesichts der aktuellen Trockenheit im April weist Bauer Riggert auch darauf hin, dass der Boden zum Glück noch Wasser aus dem Winter gespeichert habe. In seiner Region im Nordosten Niedersachsens habe es im Februar viel mehr als erwartet geregnet, erzählt Riggert. So hätten sich die Wasservorräte aus den extrem trockenen Jahren vorher wieder auffüllen lassen.

Trockener April kann Probleme bereiten

Doch auch ein trockener April allein kann den Landwirten Probleme bereiten - besonders in Regionen mit leichten sandigen Böden wie etwa in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns oder in Brandenburg. Denn die Pflanzen, die jetzt ausgesät würden, wie etwa Erbsen, benötigten natürlich Feuchtigkeit zum Keimen und Wachsen, erklärt Frank Ewert, Direktor des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung.

Grundsätzlich hätten es Kulturen leichter, die tiefer gepflanzt würden wie zum Beispiel Kartoffeln, so Ewert. Hafer dagegen, der nicht so tief in den Boden eingebracht werde, habe es schwerer, weil der obere Boden schneller austrockne. "Hält die Trockenheit an, wird es aber für alle Kulturen schwer", sagt der Professor für Pflanzenbau.

Landwirte müssen sich auf Klimawandel-Folgen einstellen

Unabhängig davon, wie sich dieser Sommer in den nächsten Monaten genau entwickeln werde, müssten sich Landwirte in Zukunft stärker auf die Folgen des Klimawandels einstellen, erklärt Helmholtz-Klimaforscher Andreas Marx. Trockenheit und Hitze würden relativ sicher in Deutschland zukünftig noch eine größere Rolle spielen, so Marx. Dürreereignisse würden wohl häufiger und intensiver auftreten.

Bauer Riggert sagt, Landwirte würde bereits heute versuchen, sich auf zunehmende Trockenheit einzustellen. Sie würden etwa vermehrt Roggen anbauen, weil der mit weniger Wasser auskäme, so Riggert. Pflanzenbau-Professor Ewert empfiehlt Landwirten außerdem, in Zukunft mehr verschiedene Pflanzen anzubauen, um das Risiko von Ertragseinbußen oder gar Missernten zu streuen und insgesamt zu reduzieren.

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