Thermometer zeigt 38,3 Grad Celsius an | Bildquelle: dpa

Unterschiedliche Methoden Wie wird die Zahl der Hitzetoten bestimmt?

Stand: 25.07.2019 15:03 Uhr

Zahl der Hitzetoten steigt - 2018 mehr als 1000 Hitzetote - mehr Tote wegen Hitzewelle: Solche Schlagzeilen gibt es seit Jahren. Aber wie wird die Zahl der Menschen, die durch Hitzeeinwirkung gestorben sind, erhoben?

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Sterben immer mehr Menschen durch Hitze und Sonneneinwirkung? Eine wachsende Anzahl von Extremwetterlagen und der Klimawandel hat diese Frage auch in den Fokus der Wissenschaft gerückt.

Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Schäden durch Hitze und Sonnenlicht wie folgt:

  • Hitzschlag und Sonnenstich
  • Hitzesynkope
  • Hitzekollaps
  • Hitzekrampf
  • Hitzeerschöpfung durch Salz- und Wasserverlust und andere Ursachen
  • Passagere Hitzeermüdung
  • Hitzeödem
  • Sonstige Schäden durch Hitze und Sonnenlicht

In Deutschland sind Kassenärzte verpflichtet, Diagnosen nach dem ICD-System zu klassifizieren. Auch bei den Angabe von Todesursachen kommt es zur Anwendung - für die Ermittlung der Zahl der Hitzetoten eignet sich die Auswertung der Totenscheine jedoch nicht: Dort wird meist eine Folgeursachen wie Herz- oder Kreislaufversagen angegeben.

Zudem sind Hitze- und Sonnenschäden in den seltensten Fällen alleinursächlich für das Ableben. So kommt bei der Klassifizierung der Todesursachenermittlung des Statistischen Bundesamtes der Hitzetod gar nicht vor.

Zahlen lassen sich nur schätzen

Forscher gehen daher einen anderen Weg, um die Zahl der Hitzetoten zu ermitteln. Eine Studie setzte zum Beispiel dafür die Todeszahlen in zwei Bundesländern in Bezug zu der Wochenmitteltemperatur. Demnach lag der Schätzwert hitzebedingter Todesfälle in Deutschland im Sommer 2003 mit 7600 am höchsten, gefolgt von den Sommern im Jahr 2006 und 2015 mit 6200 beziehungsweise 6100 Todesfällen. Mit einem ähnliche Ansatz ermittelte das Robert Koch Institut für den Sommer 2018 490 Hitzetote in Berlin und 740 in Hessen.

Die Wirtschaftswissenschaftler Martin Karlsson, Maike Schmitt und Nicolas Ziebarth wählten ebenfalls einen indirekten Ansatz: Sie ermittelten, welchen Effekt besonders heiße und kalte Tage auf die Sterberate und die Zahl Krankenhauseinlieferungen von 1999 bis 2009 in Deutschland hatten. Demnach stieg die Sterbequote an heißen Tagen mit mehr als 30 Grad Celsius um etwa zehn und und die Krankenhauseinlieferungen um fünf Prozent. Der Effekt steigerte sich deutlich, wenn es mehrere Hitzetage in Folge gab.

"Den" Hitzetoten gibt es nicht

Beide Studien zeigen einen signifikanten Anstieg der Todesfälle durch heiße Tage - allerdings können sie die Zahlen nur indirekt schätzen. Auch sind die methodischen Ansätze bei verschiedenen Studien - zum Beispiel die Definition eines Hitzetages oder einer Hitzeperiode - unterschiedlich, sodass eine Vergleichbarkeit nicht gewährleistet ist.

Auch international wird die Zahl der Hitzetoten unterschiedlich ermittelt: Während sich Großbritannien und Frankreich ähnlicher statistischer Schätzungen bedienen wie wie deutschen Forscher, verlässt sich die US-Gesundheitsbehörde CDC auf die Angaben der Ärzte auf Todesscheinen.

Über dieses Thema berichtete Brisant am 25. Juli 2019 um 17:30 Uhr.

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