Ein Jugendlicher schaut auf sein Smartphone. | dpa
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Umfrage zu Desinformationen Jugendliche bekommen oft Falschnachrichten

Stand: 09.12.2020 10:57 Uhr

Immer mehr junge Menschen in Deutschland sind im Netz laut einer Umfrage zunehmend mit Falschnachrichten konfrontiert. Eine große Mehrheit wünscht sich demnach, dass das Thema verpflichtender Inhalt in der Schule sein sollte.

Jugendliche und junge Erwachsene begegnen mindestens einmal in der Woche Falschnachrichten online oder in sozialen Medien. Einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap für die Vodafone Stiftung zufolge sind 76 Prozent der 14- bis 24-Jährigen in  der Corona-Pandemie regelmäßig mit Falschnachrichten konfrontiert. Das entspreche einem Anstieg von 50 Prozent innerhalb von zwei Jahren.

Gleichzeitig habe sich die Zahl derjenigen, die mehrmals täglich auf Falschnachrichten stoßen, seit dem vergangenen Jahr fast verdoppelt: 2019 hätten dieser Aussage zwölf Prozent zugestimmt, in diesem Jahr 21 Prozent.

Thema sollte in Schulen behandelt werden

Mit 85 Prozent der Befragten wünscht sich eine große Mehrheit der jungen Deutschen das Thema Desinformation als verpflichtenden Bestandteil des Lehrplans an Schulen. Bisher würden Falschnachrichten nur bei 30 Prozent der Befragten im Unterricht thematisiert. "Dabei ist unter jungen Menschen in Deutschland längst Konsens, dass Medieninformationskompetenz genauso auf die Lehrpläne gehört wie Deutsch oder Mathematik", erklärte die Stiftungsvorsitzende Inger Paus.

Seit Corona: Zunahme an Falschnachrichten

73 Prozent der Befragten sehen zudem seit Beginn der Corona-Pandemie eine Zunahme an Falschnachrichten. Besonders bei Nachrichten rund um das Coronavirus falle es 64 Prozent der jungen Menschen schwer, glaubwürdige von unglaubwürdigen Informationen zu unterscheiden. Verschwörungsmythen zur Pandemie hätten die meisten der Befragten wahrgenommen. Fast die Hälfte der 14- bis 24-Jährigen denke bei Falschinformationen auch an klassische Medien wie Radio, Fernsehen oder Zeitungen.

Die meisten Befragten (81 Prozent) sind laut der Studie der Ansicht, dass die Verbreitung von Fake News eine Gefahr für die Demokratie ist.

Lebensalltag verlagert sich in digitalen Raum

Die Falschnachrichten reichen den Angaben zufolge von fragwürdigen Tipps zum Gesundheitsschutz über Verharmlosungen der Auswirkungen des Coronavirus bis zu "wilden Verschwörungserzählungen". Seit Beginn der Corona-Pandemie finde der Lebensalltag junger Menschen noch mehr als bisher im digitalen Raum statt, erklärte Paus von der Stiftung: "Gleichzeitig haben wir in den letzten Jahren versäumt, junge Menschen ausreichend im Umgang mit der digitaler Desinformation zu stärken."

Etwa ein Drittel der Befragten hat offensichtlich falsche Nachrichten in sozialen Medien über die Beschwerdemöglichkeiten der Plattformen gemeldet. Allerdings laufen diese Meldungen der Studie zufolge häufig ins Leere. In fast der Hälfte der Fälle sei entweder nichts passiert oder die Betroffenen haben nicht einmal eine Antwort auf ihre Meldung bekommen.

Für die Erhebung im Auftrag der Vodafone-Stiftung befragte das Institut Infratest dimap mehr als 2000 junge Menschen in Privathaushalten, die das Internet nutzen. Die Umfrage fand vom 11. bis zum 28. September statt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Dezember 2020 um 08:40 Uhr.