Logo der angeblichen University of Farmington | Bildquelle: AP

Fake-Universität Die Uni, die es nicht gibt

Stand: 13.12.2019 16:14 Uhr

Eine Universität im US-Bundesstaat Michigan lockte Hunderte Studenten an - und entpuppte sich als Falle. Hinter der falschen Hochschule steckte die US-Ausländerpolizei ICE.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Die University of Farmington im Bundesstaat Michigan hatte ein rot-weiß-blaues Wappen, ein lateinisches Motto - "Scientia et Labor", das bedeutet "Wissen und Arbeit". Sie hat mehrere Gütesiegel, unter anderem vom US-Heimatschutzministerium. Die Uni lockte mit relativ moderaten Studiengebühren und Onlinekursen in Software- und Ingenieurswesen. Kleiner Schönheitsfehler: Die Hochschule gibt es nicht. Statt Hörsälen fand sich auf dem angeblichen Campus in einem Vorort von Detroit nur ein Büro mit Mitarbeitern der US-Ausländerpolizei ICE. 

Niraj Warikoo ist Reporter bei der Detroit Free Press. Er schildert das Vorgehen an der University of Farmington: "Sie hatten Leute, die sich als Mitarbeiter der Uni ausgaben. Der angebliche Rektor nannte sich Ali, schrieb potenziellen Studenten E-Mails und ermutigte sie, sich einzuschreiben. Sie gaben sich große Mühe, den Anschein einer legitimen Universität zu erwecken."

Mitarbeiterin der US-Ausländerbehörde ICE führt Kontrollen durch. | Bildquelle: AFP
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Die US-Behörde ICE ist für Zuswanderung und Zoll zuständig und führt Kontrollen durch.

 ICE wirft Studenten Visaverstöße vor

Mehr als 600 ausländische Studenten hätten sich in den vergangenen Jahren an der University of Farmington eingeschrieben, berichtet Warikoo kürzlich im Radiosender NPR. Ohne zu ahnen, dass die Universität eine Erfindung der Ausländerpolizei ICE war. Insgesamt 250 von ihnen wurden in den vergangenen Monaten wegen Visaverstößen festgenommen.

Theresa Cardinal Brown ist ehemalige Mitarbeiterin des Heimatschutzministeriums, dem auch die Ausländerpolizei ICE untersteht. Die Aktion sei problematisch, erklärte sie ebenfalls bei NPR. "Es wäre für die Betroffenen sehr schwer gewesen zu merken, dass diese Uni nicht echt ist", betont Brown. Vor allem, weil ICE die Uni sogar auf der eigenen Webseite aufführte. Damit habe sie den Studenten suggeriert: Wenn ICE die Uni selbst listet, dann muss sie legitim sein.

Kein Studium, kein Visum 

Die meisten der festgenommenen Studenten stammen aus Indien. Sie waren bereits in den USA, eingeschrieben an anderen Universitäten. Sie wollten an der University of Farmington ihre Studien fortsetzen. Doch weil ein Studenten-Visum in den USA direkt mit der Hochschule verknüpft ist - die es in dem Fall ja gar nicht gab - hatten sie keinen legalen Aufenthaltsstatus. Die meisten von ihnen sind inzwischen wieder in ihrer Heimat. Einige haben gegen die drohende Abschiebung geklagt. Die Verfahren laufen noch. Und für viele hat die Erfahrung ein Nachspiel, so Reporter Warikoo:

Die meisten stammen aus sehr ländlichen Regionen. Sie hofften durch das Studium auf ein besseres Leben. Jetzt sind sie verschuldet.  Aber ICE hat durch die Aktion Millionen Dollar verdient. Weil diese Studenten ihnen im Schnitt 12.000 Dollar pro Jahr für einen Platz an dieser fingierten Uni gezahlt haben. Und dieses Geld hat jetzt die US-Regierung.

Studenten der University of Connecticut | Bildquelle: AP
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Ein Studium in den USA ist gefragt - auch bei Studenten aus anderen Ländern

 

Visa-Falle schnappte nicht zum ersten Mal zu

Die Operation der Ausländerpolizei ist nicht neu und auch kein Einzelfall: Schon 2013 lockte ICE über 500 ausländische Studenten mit einer fingierten Universität in New Jersey in die Visa-Falle. Die Betroffenen haben die US-Regierung deshalb inzwischen verklagt.

Der Leiter der Aktion bei der Ausländerpolizei in Detroit, Vance Callender,  verteidigt die Aktion in einem Statement so: "Die Undercover-Spezialagenten haben gegenüber den potenziellen Studenten der University of Farmington ganz klar gesagt, dass diese Uni keinerlei akademische oder berufsbegleitende Programme irgendwelcher Natur anbietet. Wer sich hier einschrieb, hat das mit Absicht getan".

Problem der "Diplom-Mühlen"

Sogenannte "Diplom-Mühlen" gelten in den USA schon lange als Problem: Viele Universitäten verlieren ihre Akkreditierung, weil sie internationalen Studenten für viel Geld zwar ein Visum und ein Diplom verschaffen - aber kein richtiges Studium.

Doch dieser Missbrauch rechtfertige kaum Undercover-Aktionen wie mit der fingierten Universität, so Einwanderungsexpertin Brown: "Vertrauen ist langsam gewonnen und ganz schnell verspielt." Brown kritisiert darüber hinaus: "Solche Aktionen werden Studierende künftig zweimal überlegen lassen. Noch sind die USA erste Wahl für Millionen Studenten aus aller Welt. Aber wir können nicht einfach davon ausgehen, dass das auch so bleibt."

Fingierte Uni: US-Ausländerpolizei verführte Studenten zu Visaverstößen
Julia Kastein, ARD Washington
13.12.2019 11:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Dezember 2019 um 14:54 Uhr.

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