Eine Abstandsmarkierung mit der Aufschrift "Bitte Hygieneabstand von 1,5 halten!" klebt vor der Fleisch- und Wursttheke eines Supermarktes in Rheinfelden auf dem Boden. | Bildquelle: dpa

Coronavirus Frischetheke - Grund zur Sorge?

Stand: 03.04.2020 13:51 Uhr

Die Ware ist unverpackt und Selbstbedienung ausgeschlossen: Wie wahrscheinlich ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus an der Wurst- oder Käsetheke?

Von Natalia Frumkina, tagesschau.de

Eine der wichtigsten Regeln im Kampf gegen das Coronavirus lautet: Abstand halten. Darauf haben sich auch deutsche Lebensmittelläden eingestellt und zahlreiche Maßnahmen ergriffen: Einkaufswagenpflicht, Plexiglasscheiben an Kassen als Spuckschutz oder die Begrenzung der Kunden, die gleichzeitig einkaufen dürfen, sollen das Risiko senken, dass sich Mitarbeiter und Kunden anstecken.

Doch wie sieht es beim Umgang mit frischen Lebensmitteln aus, die von Mitarbeitern an die Kunden gereicht werden - etwa an der Fleisch- und Käsetheke oder beim Bäcker? Ist hier eine Ansteckung mit dem Sars-CoV-2-Virus möglich?

Vorrangige Ansteckung über Tröpfchen

Auch wenn vieles im Zusammenhang mit dem neuen Virus noch unbekannt ist, gehen Experten - auch aus Erfahrung mit anderen Coronaviren - davon aus, dass der wichtigste Übertragungsweg von Sars-CoV-2 die Tröpfcheninfektion ist. Nicht dokumentiert sind nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bislang direkte Ansteckungen über Waren wie etwa importierte Lebensmittel.

Denkbar seien allerdings Übertragungen über Flächen, die kurz zuvor mit dem Virus kontaminiert wurden, also über Schmierinfektion. "Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich", ergänzt das BfR.

Maskenpflicht für Mitarbeiter?

Wäre eine Maskenpflicht für Mitabeiter an Frischetheken oder in Bäckereien sinnvoll, um das Risiko für diese Art von Infektion zu minimieren? Auf Nachfrage des ARD-faktenfinder schreibt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): "Sowohl eine Maskenpflicht, als auch das grundsätzliche Tragen von Handschuhen im Verkauf ist nicht erforderlich."

Gegenüber der Tröpfcheninfektion spiele die Schmierinfektion eine untergeordnete Rolle. Diesem Ansteckungsrisiko könne zudem durch strikte Befolgung von Hygieneregeln entgegengewirkt werden. "Unterweisen Sie Ihre Mitarbeiter zur Husten-, Nies- und Abstandsetikette", gibt die BAuA daher als erste Empfehlung an die Arbeitgeber.

Strikte Hygiene bei Kontakt mit Bargeld

Die meisten Lebensmittelläden und Geschäfte weisen die Kunden bereits darauf hin, wenn möglich auf eine Bargeldzahlung zu verzichten. Wo dies nicht möglich ist oder in Situationen, in denen Mitarbeiter sowohl die Ware ausgeben als auch kassieren - etwa in Bäckereien oder auf dem Wochenmarkt - empfiehlt die BAuA über die grundsätzliche Einhaltung der Hygiene hinaus das Einführen von festen Regeln: zum Beispiel das desinfizieren der Hände beim Wechsel von der Kasse zu anderen Tätigkeiten. "Denkbar wäre auch, dass die Beschäftigten das Wechselgeld etwa nur mit einer behandschuhten Hand anfassen oder die Kunden darauf hinweisen, das Münzgeld in eine bereitgestellte Schale abzulegen. So ließe sich zumindest der direkte Kontakte zu den Kunden vermeiden."

Wie die Maßnahmen konkret aussehen, entscheiden die Arbeitgeber im Einzelfall selbst. Die meisten Supermärkte haben bereits reagiert und an den Frischetheken Abstansregeln eingeführt oder sogar behelfsmäßige Lebensmittelrampen gebaut, um den Kontakt zu Kunden noch weiter zu reduzieren.

Einhaltung der Hygieneregeln das A und O

Natürlich sollen nicht nur die Mitarbeiter von Lebensmittelgeschäften die Hygieneregeln beachten, sondern auch die Kunden. So gilt auch für sie die Einhaltung der Hand-, Nies- und Hustetikette. Auch empfiehlt es sich, sich nach dem Einkauf und vor dem Ausräumen der Einkäufe die Hände zu waschen. "Da die Viren hitzeempfindlich sind, kann das Infektionsrisiko durch das Erhitzen von Lebensmitteln zusätzlich weiter verringert werden", gibt das Bundesamt für Risikobewertung zudem als Tipp.

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