Ein medizinischer Mitarbeiter an der Corona-Teststelle am Flughafen in Erfurt im Gespräch mit einem Mann | Bildquelle: dpa

Bericht von RKI-Arbeitsgruppe Keine Corona-Fälle mehr?

Stand: 11.09.2020 19:21 Uhr

Der Bericht einer RKI-Arbeitsgruppe lässt an den aktuellen Corona-Statistiken zweifeln: Demnach gab es es seit Wochen keine Neuinfektionen. Verstehen kann man die Daten jedoch nur, wenn man ihre Herkunft kennt.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Die grafische Darstellung zeigt eine Nulllinie: Seit der 31. Kalenderwoche, also Ende Juli, ist keine einzige Infektion mit SARS-Cov-2-Viren festgestellt worden, so steht es im Bericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut. In den offiziellen Statistiken finden sich in dem Zeitraum jedoch sogar steigende Zahlen. In den sozialen Medien wird dies als Beweis dafür gesehen, dass die Zahlen manipuliert werden.

Im Text des Berichts heißt es sogar, dass seit der 16. Kalenderwoche, also seit Mitte April keine SARS-CoV-2 festgestellt worden. Widersprechen sich hier die RKI-Wissenschaftler gegenseitig? Das ist nicht der Fall: Die Auswertungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza basieren auf den Proben von rund 100 Arztpraxen, die sich an einem Forschungsprogramm zur Überwachung akuter Atemwegserkrankungen beteiligen.

Keine repräsentative Datenbasis

Diese sogenannten Sentinelpraxen melden einmal pro Woche Diagnosen an das RKI und erhalten dafür im Gegenzug Zugang zu den Auswertungen. Die Untersuchung auf SARS-CoV-2-Infektionen ist dabei praktisch ein "Nebenprodukt" und wird auch nicht bei allen Proben durchgeführt.

Bei den von den Sentinelpraxen eingesandten Daten handelt es sich also nicht um repräsentative Stichproben. Sie sind zudem extrem klein: Im Durchschnitt wurden in dem Berichtszeitraum der 31. bis 36. Kalenderwoche nicht einmal 32 Diagnosen mit Atemwegserkrankungen eingeschickt, von denen knapp die Hälfte positiv waren, jedoch ausschließlich mit Rhinoviren, die hauptverantwortlich für Schnupfen und Erkältungen sind. Nicht nur für SARS-CoV-2, auch für die anderen untersuchten Virentypen gab es keinen positiven Befund.

Die Datenbasis ist also deutlich zu gering und aufgrund ihrer Vorauswahl nicht repräsentativ, kann also kein wirkliches Bild der aktuellen Virenlage geben. Darauf hat auch das Robert Koch-Institut hingewiesen: Entscheidend seien die Meldungen der Gesundheitsämter.

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