Ein Kind mit einer Schutzmaske gegen Smog | Bildquelle: picture alliance/dpa

Gerüchte über Gesundheitsschäden Sind Atemmasken für Kinder gefährlich?

Stand: 22.04.2020 20:02 Uhr

Atemmasken führen zu vermehrter Kohlendioxid- und Feuchtigkeitsaufnahme sowie Keimansammlungen Das mache sie insbesondere für Kinder gefährlich, heißt es in anonymen Warnungen. Ist das richtig?

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Unter Atemmasken sammele sich schädliches Kohlendioxid, das gerade bei Kindern zu Atemlähmungen führen könne. Zudem würden sie Feuchtigkeit und Keime zurückhalten, die sich in der Lunge sammeln würden - das habe auch ein Kinderarzt bestätigt. Diese und ähnliche anonyme Behauptungen finden aktuell in sozialen Netzwerken, insbesondere auf WhatsApp, starke Verbreitung.

Luftaustausch darf nicht behindert werden

Können Atemmasken wirklich Kohlendioxid (CO2) ausfiltern und zurückhalten? Das Gas ist natürliches Produkt bei Stoffwechselprozessen in der Lunge: Die eingeatmete Luft enthält etwa 20 Prozent Sauerstoff. Beim Gasaustausch in den Lungen wird Luftsauerstoff von den roten Blutkörperchen aufgenommen und Kohlendioxid an die Atemluft abgegeben. Dadurch enthält die ausgeatmete Luft nur noch etwa 17 Prozent Sauerstoff, dafür aber vier Prozent Kohlendioxid.

Sollte man den Luftaustausch behindern, zum Beispiel, indem man sich eine gasdichte Tüte über den Kopf schnürt und zubindet, würde der Sauerstoffgehalt immer weiter sinken und der Kohlendioxid-Anteil entsprechend steigen.

Kohlendioxid wird nicht blockiert

In Atemmasken gibt es diesen Effekt jedoch nicht: Kohlenstoffdioxid-Moleküle sind viel zu klein, um von Atemmasken zurückgehalten zu werden. Selbst Masken der höchsten Schutzklasse FFP3 können lediglich Partikel bis zur Größe von 0,6 Mikrometern, das sind 0,0006 Millimeter, zurückhalten. Ein Kohlendioxid-Molekül hat jedoch einen Durchmesser von 3,24 Ångström, also 0,000000324 Millimeter. Es ist damit knapp 2000 Mal kleiner und passiert die Masken deshalb problemlos. Daher kann man Kohlendioxid nur mit hochkomplexen Spezialfiltern aus der Luft trennen.

Zudem ist das Luftvolumen unter der Maske selbst nur sehr gering und befindet sich im ständigen Austausch. Der Körper reagiert auch sehr schnell mit Warnzeichen auf einen zu hohen Kohlendioxid-Gehalt in der Atemluft, wie auch das Rechercheportal Mimikama schreibt. Potenziell gefährlich sind lediglich Masken, die den Gesichtsbereich fest abschließen und dabei den Luftaustausch behindern, zum Beispiel bestimmte Schnorchelmasken, wenn sie als Atemmasken zweckentfremdet werden.

Hygiene ist wichtig

Atemschutzmasken mit Eulen, Dinosauriern, Lamas und Affen | Bildquelle: AFP
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Ohne korrekte Anwendung und Pflege können Masken schädlich sein - bei Kindern wie bei Erwachsenen.

Richtig ist, dass sich in den Masken Kondenswasser sammeln und auch Keime ansiedeln können. Professionelle Masken haben auch deshalb eine definierte Höchsttragezeit. Bei Behelfsmasken ist es umso wichtiger, Hygieneregeln einzuhalten: Sie sollte nach der Nutzung zum Beispiel bei mindestens 60 Grad gewaschen, bei 80 Grad für zehn Minuten in den Backofen gelegt oder gebügelt werden. Das Ablegen auf schmutzigen Oberflächen ist ebenso zu vermeiden wie häufiges Anfassen der Masken.

Über dieses Thema berichtete Brisant am 23. April 2020 um 17:15 Uhr.

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