Flugzeug von innen. | Bildquelle: dpa

Coronavirus Keine Ansteckungsgefahr im Flugzeug?

Stand: 16.06.2020 15:45 Uhr

Die ersten Urlaubsflieger sind wieder unterwegs, zumindest innerhalb Europas. Fluglinien und Reiseveranstalter versichern, Fliegen in Corona-Zeiten sei sicher. Doch was sagen Experten?

Passagiere dicht an dicht in vollbesetzten Flugzeugen: Seitdem die Reisebeschränkungen für viele Länder in Europa aufgehoben wurden, begeben sich wieder sehr viel mehr Menschen per Flieger auf Reisen.

Fluglinien und Reiseveranstalter versichern, dies sei auch in Corona-Zeiten sicher und geschehe in Abstimmung mit den Behörden. So sagte TUI-Pressesprecher Aage Dünhaupt im Interview mit tagesschau24 nach einem Flug nach Mallorca: "Ein Ansteckungsrisiko im Flug selbst bei voll besetztem Flieger mit Masken ist nicht gegeben."

Aage Dünhaupt, Pressesprecher TUI, über Urlaub in Corona-Zeiten
tagesschau24 12:00 Uhr, 15.06.2020

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Neben den Schutzmasken, die alle Passagiere an Bord getragen hätten, nannte Dünhaupt als Sicherheitsvorkehrung die Klimaanlage des Flugzeuges, die auf höchste Leistung eingestellt gewesen sei. "Das heißt, wir haben einen vertikalen Luftstrom im Flugzeug und damit ist eine Ansteckung an Bord ausgeschlossen." Alle zwei Minuten werde die Luft an Bord komplett ausgetauscht und über Hochleistungsfilter geleitet. Damit sei sichergestellt, dass im Flugzeug eine Luft wie in einem Operationssaal herrsche.

"Erhöhtes Risiko"

Doch Experten warnen, dass die Hygiene-Konzepte und die von der EU festgelegten Bedingungen risikobehaftet seien und dass die Sicherheitsversprechen letztlich nicht zu halten seien. So sagte der Epidemiologe Timo Ulrichs im Interview mit Report Mainz: Noch enger beieinander als im Flugzeug könne man gar nicht reisen. Angesichts der Nähe zwischen den Passagieren und der langen Verweildauer sei das Risiko einer Übertragung erhöht.

Das zeigt laut Report Mainz auch eine wissenschaftliche Simulation von US-Forschern einer hustenden Person an Bord eines Flugzeugs. Derzufolge verbreiten sich die ausgestoßenen Tröpfchen vor allem auf die Nachbarsitze rechts und links.

Die Simulationen zeigten, dass ausgehustete Tröpfchen bis zu vier Minuten lang an Bord zirkulieren können, bevor sie in der Klimaanlage gefiltert werden. Am gefährlichsten sei der Sitz direkt neben einem kranken Passagier. Aufgrund der Forschungsergebnisse hält der US-Forscher Qingyan Chen die Aussagen der Fluggesellschaften für irreführend. Seine Forderung lautet deshalb, dass die Fluggesellschaften Masken mit FFP2-Standard ausgeben oder zumindest den Mittelsitz freilassen sollten.

Behelfsmasken schützen nur bedingt

Der Flugzeugbauforscher Dieter Scholz sagte im Interview mit Report Mainz, die gefilterte Luft in einem Flugzeug sei lediglich so gut wie oder noch schlechter als in einem Bürogebäude. Vor allem Behelfsmasken würden keinen geringen Abstand rechtfertigen, denn diese könnten die Viren ja nicht über Stunden speichern. Sie würden die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Viren lediglich reduzieren. Auch er sagt, freie Mittelplätze könnten helfen.

Der Epidemiologe Ulrichs warnte entsprechend vor einer zweiten Welle im Herbst, wenn die Risiken auf der Nordhalbkugel generell steigen würden. Er verwies zudem darauf, dass auch an den Flughäfen die Regeln gegen die Ansteckungsgefahr eingehalten werden müssten - dies in Bezug auf die Maskenpflicht und das Schaffen von ausreichend Abstand zu allen Personen. Bei einem Besuch eines Report-Mainz-Teams auf dem Flughafen Frankfurt war dies nicht der Fall.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Juni 2020 um 12:00 Uhr.

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