Gäste in einem Restaurant in Berlin | Bildquelle: AFP

Ansteckung mit Covid-19 Wie gefährlich sind Aerosole?

Stand: 18.05.2020 19:21 Uhr

Das Coronavirus kann in winzig kleinen Tröpfchen minutenlang in der Luft schweben - in sogenannten Aerosolen. Das zeigen Studien. Doch wie groß ist die Gefahr, sich dadurch anzustecken?

Von Veronika Simon, SWR

Abstand halten, Masken tragen, Hände desinfizieren: Das öffentliche und private Leben ist geprägt durch Schutzvorkehrungen. Sie sollen verhindern, dass man sich durch Tröpfchen in der Luft oder kontaminierte Flächen mit dem neuen Coronavirus ansteckt.

Doch neben den Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen entstehen, und der sogenannten Kontaktinfektion scheint es noch eine dritte Übertragungsform des Virus geben: durch sogenannte Aerosole. Dabei handelt es sich genau genommen auch um Tröpfchen, jedoch beschreiben Aerosole sehr kleine Partikel, die so leicht sind, dass sie lange in der Luft schweben.

Stundenlang in der Luft

Größere Tröpfchen, wie sie zum Beispiel beim Niesen oder Husten ausgestoßen werden, sinken recht schnell zu Boden. Aerosole können sich hingegen über Minuten oder sogar Stunden in der Luft halten.

Einige Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Masern werden zum Teil über solche Aerosole übertragen. Um sich anzustecken, ist dann ein direkter, naher Kontakt mit einer erkrankten Person nicht mehr unbedingt nötig: Es kann reichen, die virusbelastete Luft einzuatmen - Minuten nachdem der Infizierte im Raum war.

Auch Coronaviren in Aerosolen

Dass sich auch Coronaviren in solchen Aerosolen befinden können, konnten mittlerweile mehrere internationale Forschungsgruppen nachweisen. Die Ergebnisse zeigen, dass auch infizierte Menschen ohne Symptome das Virus zum Beispiel beim Sprechen in der Luft verteilen. Allerdings ist noch nicht abschließend geklärt, wie lange die Viren, die sich in den winzigen Tröpfchen befinden, auch ansteckend sind.

Das Robert Koch-Institut geht zwar mittlerweile davon aus, dass das neue Coronavirus auch über Aerosole übertragen werden kann. Eine abschließende Bewertung sei zum jetzigen Zeitpunkt aber schwierig. Weiterhin gelte: Der hauptsächliche Übertragungsweg sei die Tröpfcheninfektion.

"Meistens reicht der Schutz vor Tröpfchen aus"

Zu diesem Schluss kommt auch Peter Walger von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene: "In den allermeisten Situationen reicht der Schutz vor Tröpfchen aus, um sich vor einer Infektion mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 zu schützen", sagt er. Das zeigten die Daten, die in den vergangenen Monaten beispielsweise in Krankenhäusern und Pflegeheimen gesammelt wurden.

Aus der aktuellen Sicht gebe es keinen Grund, am grundsätzlichen Konzept des Schutzes vor einer Tröpfchenübertragung zu zweifeln. Im medizinischen Bereich sei der Schutz vor Aerosolen ohnehin in den entsprechenden Situationen etabliert.

Lüften reicht schon

In der Privatwohnung reiche schon regelmäßiges Lüften, um eine mögliche Ansteckung durch Aerosole zu verhindern. Und auch in Restaurants lasse sich das Problem beispielsweise lösen, indem Innenräume mit ausreichend Frischluft versorgt werden. "Eine Ansteckungsgefahr über Aerosole scheint es möglicherweise in besonderen Situationen zu geben, in denen nicht gelüftet oder die Luft nicht ausgetauscht werden kann", sagt Walger. Hier fehlten zuverlässige Untersuchungen. "Aber das ist kein flächendeckendes Problem“, meint er.

Noch geringer ist das Infektionsrisiko im Außenbereich: Hier werden die Aerosole und damit auch die enthaltenen Viren vom Wind verteilt und dabei sehr stark verdünnt. Restaurantterrassen seien beispielsweise eine recht sichere Zone, sagte Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Charité Berlin, in seinem NDR-Podcast.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 14. Mai 2020.

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