Demonstranten in Berlin | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shuttersto

Corona-Proteste in Berlin Wieder Fake News zu Demonstrationen

Stand: 30.08.2020 00:52 Uhr

Ein versuchter Sturm auf den Reichstag und Verstöße gegen Auflagen bei den Demonstrationen, Fake News im Netz - die Corona-Proteste in Berlin sind erneut von gezielten Falschmeldungen begleitet worden.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

"SENSATION: Verfassungsgericht in Karlsruhe erklärt Auflösung der Querdenker-Demo für rechtswidrig" - diese Meldung hat sich am Samstagnachmittag rasend schnell in Messenger-Diensten und im Netz verbreitet. Urheber war das rechtsradikale "Compact-Magazin", dessen Facebook-Präsenz gerade erst gesperrt worden war - wegen Verstößen gegen die Regeln des Netzwerks.

"Compact" bezog sich in der Meldung als Quelle auf eine Telegram-Gruppe, in der ein anonymer Nutzer die Behauptung, das Bundesverfassungsgericht hätte sich mit der Angelegenheit beschäftigt, als "Netzfund" präsentiert hatte. Es handelt sich allerdings um eine frei erfundene Falschmeldung. Denn das Bundesverfassungsgericht wäre überhaupt nicht zuständig, umgehend die Auflösung einer Demonstration wegen zahlreicher Verstöße gegen die Auflagen zu prüfen. 

Dennoch verbreitete sich unter anderem auf Facebook diese Falschmeldung schnell; einzelne Nutzer übernahmen die Behauptung ohne jede Quelle. Mittlerweile hat das "Compact-Magazin" seine Meldung dazu gelöscht, entsprechende Links gehen auf eine Fehlerseite.

Wieder Fotos von der Loveparade

Außerdem kursierten erneut Fotos von der Love-Parade, die als angeblich aktuelle Aufnahmen die immense Größe der Demonstration beweisen sollten. In einzelnen Beiträgen war davon die Rede, es hätten Hunderttausende oder sogar Millionen Menschen in Berlin demonstriert. Nach Schätzungen von Medien und Polizei waren es rund 38.000 Personen.

Bei der Demonstration am 1. August in Berlin war gezielt die Falschmeldung gestreut worden, 1,3 Millionen Menschen hätten demonstriert. Tatsächlich waren es damals rund 20.000. Diese Fake News sorgte für öffentliches Aufsehen und Diskussionen. Auch im Vorfeld der Demonstration am Samstag waren vollkommen übertriebene Zahlen verbreitet worden. So war davon die Rede, es würden mehrere Millionen Menschen anreisen. Tatsächlich hatten die Organisatoren zu diesem Zeitpunkt rund 20.000 Teilnehmende angemeldet.

"Sturm auf Berlin"

Zu den jüngsten Demonstration von "Querdenken-711" und weiteren Kundgebungen in Berlin hatten zahlreiche Initiativen sowie verschiedene Rechtsextreme und Reichsbürger mobilisiert, die dafür unter anderem den Hashtag "Sturm auf Berlin" nutzten. Tatsächlich versuchten Demonstranten, das Reichstagsgebäude zu stürmen. Sie durchbrachen Absperrungen und wurden erst direkt am Eingang des Gebäudes von Polizisten aufgehalten.

Zuvor hatten Rechtsradikale im Netz Gerüchte gestreut, wonach russische oder auch US-Soldaten in Berlin oder auf dem Weg dorthin sind, um nach dem Sturz der Bundesregierung einen politischen Übergang abzusichern. Am Samstag versammelten sich Reichsbürger und andere Demonstranten vor der russischen Botschaft, um dort einen "Friedensvertrag" zwischen dem Deutschen Reich und Russland zu fordern. Reichsbürger erkennen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland nicht an.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 29. August 2020 um 23:15 Uhr.

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