Donald Trump spricht zu Reportern im Garten des Weißen Hauses | Bildquelle: AP

Umstrittene Äußerungen Trumps Spiel mit dem Rassismus

Stand: 16.07.2019 17:41 Uhr

Erneut debattieren die USA über Rassismus, und erneut sind es Äußerungen von US-Präsident Trump, die die Diskusssion entfacht haben. Seine Gegner vermuten: Das ist ihm ganz recht.

Von Eckart Aretz und Konstantin Kumpfmüller, tagesschau.de

Der Vorwurf ist einer der Konstanten in seinem politischen Leben, und mancher Beobachter vermutet, dass das Donald Trump entgegen anderslautender Bekundungen auch ganz recht ist: Der US-Präsident sieht sich erneut mit der Feststellung konfrontiert, er sei ein Rassist.

Auslöser der jüngsten Debatte ist eine ganze Reihe von Tweets, mit denen Trump mehrere demokratische Kongressabgeordnete aufforderte, zurück in ihre vermeintlichen Heimatländer zu gehen und sich um die dortigen Probleme zu kümmern, anstatt den USA Ratschläge zu geben. Nach übereinstimmender Einschätzung galten die Tweets vier Kongressabgeordneten, von denen drei in den USA geboren und eine als Teenager eingebürgert wurde.

Politiker nicht nur der Opposition, sondern auch aus Trumps eigener Partei, griffen Trump deshalb scharf an. Der wiederum legte nach und warf den vier Frauen vor, die USA zu hassen.

US-Demokratinnen verurteilen Trumps verbalen Angriffe
tagesschau 12:00 Uhr, 16.07.2019

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Rassistische Äußerungen

Für Trump ist derlei Kritik nicht neu, sie begleitet ihn seit Jahrzehnten. Schon 1991 veröffentlichte Jack O' Donnell, ehemaliger Chef des Trump Plaza Hotel und Casino, ein Buch über Trump, in dem er rassistische Verhaltensweisen des heutigen US-Präsidenten dokumentierte. Zuletzt wiederholte er seine Vorwürfe im November 2018 bei der Nachrichtenseite "Politico".

O' Donnell schreibt, Trump habe Schwarze minderwertig behandelt, habe rassistische und antisemitische Witze gemacht und sich abfällig über einen schwarzen Buchhalter geäußert. Er möge es nicht, wenn Schwarze sein Geld zählten, soll Trump gesagt haben. Außerdem sei der Mann faul, was aber nicht dessen Schuld sei. Das sei ein Merkmal von schwarzen Menschen. "Das ist nichts, was sie kontrollieren können."

Trump hatte zunächst gesagt, die Aussagen O' Donnells seien "wahrscheinlich wahr". Später stritt er sie ab.

Zweifel an Obamas Geburtsort

Eine von Kritikern als unterschwellig rassistisch wahrgenommene Kampagne stand am Anfang von Trumps Weg ins Weiße Haus. Schon 2011, also vier Jahre, bevor er seine Präsidentschaftskandidatur anmeldete, äußerte er öffentlich erste Zweifel an der Staatsangehörigkeit von Präsident Barack Obama. Trump bediente sich fortan immer wieder dieser Verschwörungstheorie, die behauptete, Obama sei nicht gebürtiger Amerikaner und deshalb nicht berechtigt, US-Präsident zu sein.

Die sogenannten "Birther" (von englisch "birth" = Geburt) glauben, dass Obama in Kenia geboren sei und nicht in Honolulu (US-Bundesstaat Hawaii). Andere sind überzeugt, Obama habe als Kind die Staatsbürgerschaft Indonesiens angenommen und die US-amerikanische dadurch verloren. Die Kampagne soll ursprünglich zurückgehen auf Anhänger der früheren US-Außenministerin und Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton.

Zwar hatte Obama schon während des Wahlkampfs 2008 einen Ausschnitt aus seiner Geburtsurkunde veröffentlicht, ihre Echtheit wurde von den "Birthern" immer wieder angezweifelt. Auch Trump äußerte sich wiederholt entsprechend.

Nachdem Obama 2011 die Langform seiner Geburtsurkunde veröffentlicht hatte, schrieb Trump das seinen Äußerungen zu, bot Obama 2012 aber an, fünf Millionen Dollar an eine Organisation seiner Wahl zu spenden, wenn dieser seine Antragsunterlagen für seinen Ausweis und das College veröffentlichen würde. Erst im Wahlkampf 2016 erkannte Trump an, dass Obama in den USA geboren wurde, machte zugleich aber Clinton direkt für die Kampagne verantwortlich. Hierfür gibt es jedoch keinen Beweis.

Geburtsurkunde Obama | Bildquelle: picture alliance / abaca
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Auch die Veröffentlichung von Obamas Geburtsurkunde konnte das Geraune um seine Herkunft nicht stoppen.

Attacken auf Mexikaner

Gleich zu Beginn seiner Präsidentschaftskandidatur baute Trump auf rassistische Bemerkungen. Bei der Ankündigungsrede seiner Kandidatur im Juni 2015 setzte er mexikanische Einwanderer mit Vergewaltigern gleich. Mexiko würde Menschen mit einer Menge Probleme in die USA schicken. Sie brächten Drogen und Verbrechen mit. "Sie sind Vergewaltiger." Er fügte hinzu: "Und, einige, nehme ich an, sind gute Menschen."

Diese Aussagen griff er im vergangenen Jahr in der Debatte um die Stationierung der Nationalgarde an der Grenze zu Mexiko wieder auf. Trump sagte er, er wäre damals kritisiert worden. Dabei stelle sich jetzt heraus, dass Vergewaltigungen vor allem von Einwanderern verübt würden. Bei einem Treffen der Republikaner im Mai 2018 bezeichnete Trump einige Einwanderer sogar als "Tiere", die wieder aus dem Land gebracht würden.

"Feine Leute" auf beiden Seiten

Mangelnde Distanzierung von Rechtsextremen, schwammige Aussagen über ihre Taten: Auch das wird Trump immer wieder vorgehalten. Seine Kritiker verweisen beispielhaft auf sein Agieren während der Ausschreitungen in Charlottesville.

Im August 2017, Trump ist da ein gutes halbes Jahr im Amt, eskaliert in der Stadt im Bundesstaat Virginia der Streit um die Entfernung einer Statue des Südstaaten-Generals Robert E. Lee, der die Sklaverei befürwortet hatte. Rechtsextreme, Neo-Nazis und Anhänger des Ku-Klux-Klan (KKK) demonstrieren in der Stadt, es ist ihr größter Aufmarsch seit Jahrzehnten. Immer wieder werden antisemitische und NS-Parolen skandiert. Es kommt zu schweren Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Ein Rechtsextremer rast mit seinem Auto in eine Menschenmenge, eine Frau stirbt, Dutzende Menschen werden verletzt.

Trump äußert sich zunächst sehr allgemein zu den Vorgängen in der Stadt. Auf einer Pressekonferenz im Trump-Tower spricht er davon, es habe in Charlottesville "sehr böse Menschen" gegeben, aber auch "sehr feine Menschen"- und zwar "auf beiden Seiten". Erst nach breiter Kritik verurteilt Trump zwei Tage später Rechtsextremismus und rassistische Gewalt - Gruppen wie der KKK, Neo-Nazis und weiße Rassisten seinen "unvereinbar mit allem, was wir Amerikaner wertschätzen". Einige Tage danach kehrt er zu seinen relativierenden Äußerungen zurück. Den Medien wirft er vor, seine Worte verkürzt dargestellt zu haben.

Rechte Demonstranten in Charlottesville | Bildquelle: AP
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"Feine Menschen"? Rechtsextreme Demonstranten in Charlottesville im August 2017

Wie er selbst sich sieht

Trump selbst, der bevorzugt in Superlativen von sich spricht, ficht all die Kritik nicht an, vielmehr treibt sie ihn in der Regel dazu, nachzulegen und draufzusatteln und sich zugleich von jedwedem Vorwurf freizusprechen. Einem Reporter sagte er nach Berichten, er habe Herkunftsländer von Einwanderern als "Dreckloch-Länder" ("shithole countries") bezeichnet: "Ich bin die am wenigsten rassistische Person, die sie je interviewt haben."

Hinter seinen Äußerungen stecke Kalkül, meint der US-amerikanische Meinungsforscher John Zogby. Der britischen Tageszeitung "The Guardian" sagte Zogby, Trumps Rassismus sei verwerflich. Er habe sich aber ausgezahlt. Trump sei besessen davon, gewinnen zu wollen. Würde er denken, die Rassismus-Vorwürfe könnten ihm schaden, hielte er sich damit zurück.

Michael Steele, ehemals Vorsitzender des Republican National Committee, dem Organisationsgremium der Republikanischen Partei, glaubt, dass es Trump durchaus gelingen könnte, für seine Äußerungen weiter Zuspruch zu bekommen. Er spräche das aus, was viele Leute denken.

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Eckart Aretz, tagesschau.de

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Konstantin Kumpfmüller, tagesschau.de

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