Abu Bakr al-Bagdadi in einer Video-Aufnahme, die am 27. April 2019 vom IS verbreitet wurde. | Bildquelle: AFP

Tod des IS-Anführers Propagandaschlacht um al-Bagdadi

Stand: 28.10.2019 17:20 Uhr

US-Präsident Trump feiert den Tod von IS-Führer al-Bagdadi als Sieg seiner Politik. Einige seiner Aussagen sind jedoch falsch, aber auch die Kritiker verbreiten unbewiesene Behauptungen.

Von Andrej Reisin, NDR

Er sei "gestorben wie ein Hund, wimmernd und heulend, in totaler Panik vor den amerikanischen Truppen". So beschrieb Donald Trump den Tod des IS-Chefs Abu Bakr al-Bagdadi mit drastischen Worten. Der US-Präsident war sichtlich und hörbar darum bemüht, sich in seiner Inszenierung von Barack Obama abzugrenzen, der die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden 2011 wesentlich nüchterner kommentiert hatte.

IS-Chef al-Bagdadi soll sich bei US-Angriff selbst getötet haben
tagesthemen 22:50 Uhr, 27.10.2019, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Streit um Foto aus dem "Situation Room"

Dazu twitterte der Präsidentenberater und Social-Media-Chef des Weißen Hauses, Dan Scavino, ein Bild, das Trump mit Vizepräsident Mike Pence, Verteidigungsminister Mark Esper, dem Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte und anderen hochrangigen Militär- und Sicherheitsberatern im sogenannten "Situation Room" im Weißen Haus zeigt:

Das Foto erinnert an ein Bild von Präsident Obama während der Operation eines Navy Seals Teams in Pakistan, die 2011 mit der Tötung Bin Ladens durch US-Streitkräfte endete. Damals veröffentlichte das Weiße Haus ebenfalls ein Bild aus dem "Situation Room". Im Gegensatz zur Inszenierung Trumps, bei der alle Männer entschlossen in die Kamera gucken, verfolgten Obama, Vizepräsident Biden und Außenministerin Hillary Clinton damals allerdings mit angespannten Gesichtszügen das Geschehen auf einem Bildschirm, der abseits der Kamera stand.

US-Präsident Barack Obama verfolgt mit Mitarbeitern und Kabinettsmitlgiedern im Weißen Haus den Einsatz gegen Bin Laden in Pakistan.
galerie

Bange Minuten im Situation Room: Obama und Mitarbeiter verfolgen den Einsatz gegen Bin Laden.

Twitter-Kritiker rudern zurück

Der ehemalige Chef-Fotograf des Weißen Hauses unter Obama, Pete Souza, kritisierte auf Twitter, dass das Bild inszeniert sei - und zweifelte außerdem an, ob die Uhrzeit des Zeitstempels des Fotos überhaupt mit dem Zeitpunkt der Operation übereinstimme:

Später jedoch musste Souza zurückrudern - und gab zu, dass das Bild durchaus zu einem Zeitpunkt entstanden sein könnte, als der Zugriff auf al-Bagdadi erfolgte. Zunächst hatte es geheißen, dieser habe um 15:30 Uhr Washingtoner Zeit stattgefunden, nach späteren Angaben war es aber nach 18:00 Uhr. Damit wäre das "Situation Room"-Foto, das um 17:05 Uhr aufgenommen wurde, durchaus zu einer Uhrzeit entstanden, als der Einsatz in vollem Gange war. Mehrere prominente Kritiker des US-Präsidenten, die von einem gestellten Foto gesprochen hatten, löschten daraufhin ihre Tweets.

Trump warnte nicht als erster vor Bin Laden

Trump stellte während seiner Pressekonferenz dennoch falsche Behauptungen auf: So sagte er unter anderem, er habe in einem "sehr erfolgreichen Buch" bereits vor dem 11. September 2011 vor Osama Bin Laden gewarnt und gesagt, man müsse ihn töten, bevor er einen Anschlag verübe, gegen den der Bombenanschlag auf das World Trade Center von 1993 wie Kleinkram aussehen werde. Und diese Vorhersage habe er gemacht, "bevor irgendjemand jemals von Bin Laden gehört" habe.

Die Behauptung ist falsch: Zwar hatte Trump in seinem Buch "Das Amerika, das wir verdienen" von 2000 tatsächlich geschrieben, dass "kein vernünftiger Analyst ausschließen kann, dass eine terroristische Attacke bevorstehe, gegen den der Bombenanschlag auf das World Trade Center wirken wird wie Kinder, die mit Feuerwerk spielen". Mit Osama Bin Laden, den er an einer anderen Stelle des Buchs beiläufig erwähnt, brachte Trump diese Vorhersage aber nicht in Verbindung.

Zudem bezog sich Trump auf andere Analysten, wodurch deutlich wird, dass er keinesfalls vor Bin Laden warnte, als noch niemand wusste, wer der ehemalige Al-Kaida-Anführer ist. Bin Laden galt zu diesem Zeitpunkt bereits als einer der Drahtzieher der Bombenattentate auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania und stand seit 1999 auf der Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen des FBI.

Russisches Militär bestreitet gesamten US-Einsatz

Obwohl Präsident Trump sich in seiner Ansprache ausdrücklich bei Russland und der Türkei für deren Unterstützung und Überflugrechte bedankte, bestritt das russische Militär, dass der US-Einsatz überhaupt stattgefunden habe. Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konashenkov, sagte, man habe "keine zuverlässigen Informationen über die Aktionen der US-Armee in Bezug auf das x-te Mal", das al-Bagdadi für tot erklärt worden sei.

Russland selbst hatte 2017 behauptet al-Bagdadi bei einem Luftangriff auf das syrische Rakka getötet zu haben. Damals gab Moskau an, mehr als 3000 IS-Kämpfer, darunter viele hochrangige, getötet zu haben. 2019 allerdings tauchte der IS-Anführer in einem Video auf, in dem er seine Gefolgsleute beschwor, den Glauben nicht zu verlieren. Die russischen Angaben waren von den USA und syrischen Oppositionsquellen immer angezweifelt worden. Laut Trump wurde al-Bagdadi 15 Minuten nach seinem Tod durch einen DNA-Test identifiziert. Woher das Material für die DNA-Vergleichsprobe gestammt haben könnte, ist allerdings unklar.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Oktober 2019 um 16:00 Uhr.

Korrespondent

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