Facebook-Chef Mark Zuckerberg hält eine Rede an der Georgetown Universität in Washington. | Bildquelle: AP

Facebook News "Breitbart" als seriöse Nachrichtenquelle

Stand: 30.10.2019 14:56 Uhr

Facebook will ausgewählten Qualitätsmedien einen eigenen Newsfeed auf der Plattform anbieten. Für Irritationen sorgt allerdings die Integration des rechtsradikalen Portals "Breitbart".

Von Andrej Reisin, NDR

Die Ankündigung klingt vielversprechend: "Zum ersten Mal wird es auf Facebook einen Platz für hochwertige Nachrichten geben. Die Top-Stories werden von einem Team erfahrener Journalisten ausgewählt. Darunter wird es eine größere Auswahl an Geschichten geben, die der Algorithmus auf die jeweilige Person zuschneidet." So beschrieb Mark Zuckerburg das neue Tool Facebook News in einem Leitartikel in der "New York Times".

Facebook bezahlt für Journalismus

Facebook investiert dabei auch in den Journalismus selbst: 300 Millionen Dollar sollen direkt an Medienhäuser fließen, die zu Partnern gemacht werden, laut Zuckerberg vor allem im Lokaljournalismus, der am härtesten von der Digitalisierung getroffen worden sei. Laut US-Medien erhalten Publikationen mit hoher Zirkulation wie zum Beispiel die "Washington Post" zwischen einer und drei Millionen Dollar jährlich.

Vorerst wird es Facebook News nur in den USA geben: Rund 200 Titel verschiedener Verlage und Medienhäuser sind dabei, unter anderem das "Wall Street Journal", "BuzzFeed", "The Atlantic" und "Fox News".

Breitbart wird Teil von Facebook News

Für Aufsehen sorgte, dass auch "Breitbart" Teil von Facebook News sein wird. Das Nachrichtenportal, das der ehemalige Chefredakteur und Trump-Berater Steve Bannon einst als "die Plattform der Alt-Right" bezeichnete, der hauptsächlich online agierenden, rechtsradikalen Sammelbewegung in den USA. Breitbart hatte lange Zeit Rubriken wie "Black Crime", wo es ausschließlich um Verbrechen ging, die von Schwarzen und Latinos begangen wurden.

Die Seite ist für drastische Rhetorik gegen Migranten und Muslime bekannt - und nach wie vor eng mit der Trump-Administration verbunden, die sie politisch unterstützt. Breitbart benutzte in der Vergangenheit irreführende Statistiken, manipulierte Grafiken und behauptete, Trump habe nicht nur die Präsidentenwahl gewonnen, sondern auch die Mehrheit der Stimmen. In Wirklichkeit hatte Hillary Clinton gut 2,8 Millionen mehr Stimmen. Auf der Fact-Checking-Seite Politifact sind viele weitere Falschmeldungen von Breitbart zu finden.

Wer überprüft die Qualität der Anbieter?

Wie passt das zusammen mit der Ankündigung "hochwertige und vertrauenswürdige Nachrichten" auf die Plattform zu heben, wie Facebook-Chef Zuckerberg bereits im April in einem Gespräch mit dem Springer-Vorstandsvorsitzend Mathias Döpfner angekündigt hatte?

Von US-Journalisten darauf angesprochen, antwortete Zuckerberg lediglich, er werde keine einzelnen Medienpartner kommentieren. Seiner Auffassung nach könne Facebook News sich nur dann zu "einer vertrauenswürdigen Plattform entwickeln, wenn sie viele verschiedene Sichtweisen" zulasse, die sich allerdings an die Facebook-Standards halten müssten. Ob und wie eine Plattform wie Breitbart das tun wird - und wie die Kontrolle dieser Standards funktionieren soll, ließ Zuckerberg weitgehend offen.

Debatte um ideologische Ausrichtung

Auf Twitter verteidigte der ehemalige Facebook-Entwickler und jetziger Instagram-Chef Adam Mosseri die Entscheidung: Wolle man andernfalls wirklich, dass eine Plattform von der Größe von Facebook Partner nach ideologischen Gesichtspunkten auswähle?

Der bekannte US-Datenjournalist Nate Silver antwortete darauf, dieser Tweet zeige, was passiere, wenn ein Unternehmen von Leuten geführt werde, die nicht daran glaubten, dass es so etwas wie Wahrheit gebe. Niemand wolle, dass Facebook Medien nach ihrer politischen Ausrichtung auswähle. Es gehe vielmehr darum, dass die Entscheidungsgrundlage sein solle, ob eine Publikation wahrhaftig und zutreffend berichte.

Alex Stamos, der ehemalige Facebook-Sicherheitschef, der das Unternehmen 2018 verließ, weil er mit dem Umgang der Führungsspitze mit der russischen Einmischung in den US-Wahlkampf 2016 nicht einverstanden war, schaltete sich ebenfalls ein. Er machte deutlich, dass Facebook seiner Auffassung nach Breitbart nicht einbinden sollte - monierte aber gleichzeitig, dass "Breitbart" seit langem Teil von Apple News sei - worüber sich kein Medium empöre, obwohl die Reichweite dank des iPhones gigantisch sei. Stamos wirft den Medien in diesem Zusammenhang Prinzipienlosigkeit vor. Facebook werde wesentlich kritischer beurteilt als Apple.

Die meisten US-Kommentatoren gehen davon aus, dass Facebook Breitbart allein wegen seiner Reichweite in konservativen Kreisen in sein Nachrichtenportal integriert. Außerdem wolle das Unternehmen offenbar republikanische Abgeordnete nicht verärgern. Dass Facebook mit der Entscheidung eine eigene politische Agenda verfolgt, wird dagegen von den meisten bezweifelt.

Keine konkreten Pläne außerhalb der USA

Facebook News wird in den USA derzeit nur einem ausgewählten Kreis von Nutzern angezeigt und soll in den kommenden Monaten flächendeckend ausgespielt werden. Ob und wann europäische Länder wie Deutschland das neue Tool erhalten, ist noch völlig offen. Das von Facebook aktiv beworbene Gespräch mit Springer-Chef Döpfner deutet aber zumindest daraufhin, dass Facebook auch in anderen Ländern mit Medienhäusern kooperieren will.

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