Screenshot aus dem Drohnen-Video von Guo Junjie

Video aus China Mit Drohnen gegen das Coronavirus?

Stand: 04.02.2020 15:36 Uhr

Chinesen, die Anweisungen zur Corona-Eindämmung missachten, werden per Drohne gemaßregelt - das ist auf mehreren Videos zu sehen. Setzen die Behörden tatsächlich solche Maßnahmen ein?

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Eine Drohne fliegt über einer älteren Frau - eine bedrohliche Stimme mit Echo-Effekt maßregelt die sichtlich erschrockene Seniorin, die von dem Fluggerät gefilmt wird: Wie könne sie es wagen, trotz des Coronavirus ohne Schutzmaske aus dem Haus zu gehen? Die Frau geht weg und wird von der Drohne verfolgt. Ähnlich geht es einem Mann mit einem Kleintransporter und mehreren Passanten.

Dies zeigt ein Video der landesweiten chinesischen Zeitung "Global Times", die von der Kommunistischen Partei Chinas herausgegeben wird. Der Clip wurde weltweit geteilt - und bekam ein geteiltes Echo. Während die einen es als weiteres Indiz für den übergriffigen totalen Überwachungsstaat sehen, glauben andere, dass es eine sinnvolle Maßnahme zur Eindämmung der Corona-Epidemie ist.

Chinesische Behörden würden die Drohnen nutzen, um auf die Gefahren der Epidemie aufmerksam zu machen, heißt es in der "Global Times". Mit der Technik könne man Menschen überwachen, ohne sich selbst der Gefahr einer Infektion auszusetzen.

Influencer statt Behörde

Zumindest einige der in dem Video gezeigten Clips stammen jedoch nicht aus behördlichen Quellen: Sie wurden von dem chinesischen Fotografen und Influencer Guo Junjie aufgenommen, wie er den "Peking Nachrichten" erzählte. Deutlich zu erkennen sind sie an den überzogenen Sound- und Video-Effekten sowie der eindeutig nicht behördlichen Sprache. Das Video ging weltweit viral - so erfuhr auch die örtliche Verwaltung des Dorfes Caofang davon, in dem der Clip aufgenommen worden war.

Nachträglich offiziell gebilligt

Guo Junjie war für das Frühjahrsfest in seinen Heimatort gereist war, langweilte sich dort aber wegen der vielen aufgrund der Quarantänemaßnahmen abgesagten Veranstaltungen. So kam er auf die Idee mit der Drohnenaktion. Statt einer Maßregelung erntete er dafür Lob von der örtlichen Verwaltung.

Jetzt setze er seine Drohne mit offizieller Billigung ein, um "Propaganda- und Präventionsarbeit" zu leisten, erzählte er den "Peking Nachrichten". Die Dorfbewohner hätten sich nicht an Anweisungen gehalten, zuhause zu bleiben und einen Mundschutz zu tragen. "Jeder war vorher informiert, dass die Drohne fliegen würde, weil es ja die persönliche Privatsphäre betrifft", sagte Guo Junjie der Nachrichtenagentur dpa.

Wohl kein Einsatz auf breiter Basis

Viel spricht dagegen, dass es in China einen flächendeckenden Einsatz von Drohnen gegen die Corona-Epidemie gibt. Wenn er stattfindet, ging er offenbar auf die Initiative von Einzelnen Personen, eventuell auch von örtlichen Behörden aus - das ausdrückliche Lob in der landesweiten Parteizeitung zeigt aber, dass diese nicht nur gebilligt, sondern auch unterstützt wird.

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