Plastikmüll treibt im Mittelmeer vor Marseille (Mai 2019) | Bildquelle: AFP

Kritik von Umweltschützern Müll im Meer wegen Amazon?

Stand: 15.12.2020 11:03 Uhr

Der Einkauf im Internet ist einfach und bequem, jedoch verursachen die Verpackungen viel Müll. Umweltschützer warnen vor den Folgen von Folien und Schutzhüllen in den Weltmeeren.

Von Sebastian Friedrich und Johannes Jolmes, NDR

Online-Shopping ist praktisch: Nach nur wenigen Mausklicks ist der Einkauf erledigt, kurz darauf klingelt der Paketbote an der Tür. Doch durch den Versand wird jährlich tonnenweise Abfall produziert, der dann unter Umständen in den Meeren und Ozeanen landet. Besonders drastisch wirkt sich das bei Kunststoffmüll aus, der etwa durch Luftpolsterfolie, Luftkissen und andere Plastikverpackungen entsteht. Die Umweltschutzorganisation Oceana schätzt in einer neu veröffentlichten Studie, dass allein der Online-Gigant Amazon im Jahr 2019 bis zu 10.000 Tonnen Plastikmüll in den Meeren und Ozeanen verursacht hat.

Oceana: Amazon einer der größten Meeresverschmutzer

Amazon ist damit Oceana zufolge einer der größten Meeresverschmutzer. Der Plastikmüll habe verheerende Auswirkungen auf die Ökosysteme im Meer, so Anne Schroeer von Oceana: "Wale und Meeresschildkröten verwechseln Plastikfolien und Plastikbeutel mit Nahrung, was in vielen Fällen für diese Tiere tödlich endet."

Amazon zweifelt die Ergebnisse der Studie an. Oceana habe Plastikverbrauch des Konzerns "drastisch falsch berechnet und um mehr als 350 Prozent zu hoch angegeben", sagt ein Amazon-Sprecher dazu. Man verwende etwa lediglich ein Viertel der im Bericht geschätzten Menge an Plastikverpackungen.

Studie zu Müll in den Meeren
tagesschau 12:00 Uhr, 15.12.2020, Johannes Jolmes, NDR

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Meeresbiologe: Verpackungsmüll großes Problem

Lars Gutow vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sieht keinen Anlass, die Schlussfolgerungen der Oceana-Studie grundsätzlich infrage zu stellen. Es sei nachvollziehbar, wie die Zahlen hergeleitet wurden. Zwar gebe es bei solchen globalen Schätzungen immer eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der genauen Zahl, sie vermittelten aber einen Eindruck von der Größenordnung.

In den vergangenen Jahren seien mehrere Studien erschienen, die zeigten, dass die Menge des gesamten Mülls in den Meeren nahezu exponentiell wächst: "Wir haben die Mengen des anfallenden Mülls nicht ausreichend unter Kontrolle", meint der Meeresbiologe. Der Verpackungsmüll mache dabei einen sehr großen Anteil am Gesamtmüll in den Ozeanen aus.

Umweltbundesamt für mehr Recycling und Mehrwegsysteme 

Um den Plastikmüll im Meer zu verringern, müsse an zwei Stellen angesetzt werden, meint Bettina Rechenberg vom Umweltbundesamt: Überall dort, wo Abfall entsteht, müssten Sammelstellen und Recylingsysteme ausgebaut werden. Außerdem sei es notwendig, bereits vorher anzusetzen, also weniger Abfall zu produzieren. "Darum ist es generell wichtig, von Einwegverpackungen zu Mehrwegverpackungen umzustellen", sagt Rechenberg.

Alternativen zum Plastikkissen

Amazon setze sich für den Schutz des Planeten ein, erklärt ein Firmensprecher, der auf "The Climate Pledge" verweist - eine von Amazon mit begründete Selbstverpflichtung, um das Ziel der CO2-Neutralität des Pariser Klimaschutzabkommens zehn Jahre früher zu erfüllen.

Auch Oceana sieht bei Amazon positive Ansätze: Das Unternehmen habe einen papierbasierten, leichteren Briefumschlag eingeführt, der bereits millionenfach verwendet worden sei. Anne Schroeer von Oceana hebt besonders die Entwicklung von Amazon in Indien hervor. Dort habe der Konzern in Reaktion auf ein Gesetz zur Bekämpfung von Plastikverschmutzung von Einweg- auf Mehrwegplastikverpackungen umgestellt. So verwendet Amazon etwa wieder verwertbare Behälter statt Plastikkissen, die direkt nach der Zustellung im Müll landen.

Oceana fordert nun von Amazon, flächendeckend eine plastikfreie Option für Kunden anzubieten. Die Organisation hatte zuletzt 5000 Amazon-Kunden in den USA, Kanada und Großbritannien befragt. 87 Prozent hätten sich dafür ausgesprochen, dass Amazon und andere große Online-Händler dieses Angebot machen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Dezember 2020 um 11:20 Uhr in der Wirtschaft.

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