Ein Thermometer an einer Hauswand klettert in Richtung der 40-Grad-Marke. | dpa

Hohe Temperaturen erwartet Wenn die Hitze gefährlich wird

Stand: 12.07.2022 09:28 Uhr

Deutschland droht in dieser Woche eine Hitzewelle. Für manche kann das auch ein gesundheitliches Risiko werden - denn die Gefahr wird oft zu spät erkannt.

Von Edith Heitkämper und Anke Lauf, NDR

Mit dem Klimawandel nehmen die Tage mit extremer Hitze in Deutschland zu. Der Studie "Lancet Countdown on Health and Climate Change 2020“ zufolge haben hohe Temperaturen in den Jahren 2018 bis 2020 jeweils zu Tausenden hitzebedingter Sterbefälle in Deutschland geführt.

Zum ersten Mal seit Beginn des Untersuchungszeitraum im Jahr 1992 sei eine Übersterblichkeit aufgrund von Hitze in drei aufeinanderfolgenden Jahren aufgetreten, schrieben Forschende des Robert Koch-Instituts, des Umweltbundesamts und des Deutschen Wetterdiensts im "Deutschen Ärzteblatt".

Modellrechnungen zeigen, dass es sich bei den höheren Zahlen um einen weltweiten Trend handelt. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Hitzeopfer bei älteren Menschen um 54 Prozent zugenommen, heißt es bei "The Lancet". Demnach gab es allein im Jahr 2018 schon mehr als 20.000 Todesopfer in Deutschland. Zum Vergleich: Zwischen 2000 und 2004 gab es nach dieser Berechnung bundesweit etwa 8340 Hitzeopfer jährlich.

Hohe Temperaturen erwartet

Nun rechnen Experten in dieser Woche mit hohen Temperaturen vor allem im Süden. Der DWD erwartet für den Mittwoch Höchsttemperaturen von 25 bis 31 Grad, im Südwesten bis 34 Grad. "Diese Hitzewelle könnte viele Todesopfer bringen", warnte Gesundheitsminister Karl Lauterbach am Wochenende auf Twitter.

Viele Menschen erkennen die Gefahr zu spät

Das Problem: Häufig erkennen Menschen die Gefahr zu spät. "Manchen Menschen ist ein bisschen übel, sie haben einen trockenen Mund", sagt Malte Issleib, Intensivmediziner in Hamburg, "das werten die Menschen oft noch gar nicht als schlimm." Dann würden die Symptome immer stärker. "Sie werden ohnmächtig und das ist dann der Zeitpunkt, wo sie ins Krankenhaus gebracht werden."

Und auch die Bad Schwartauer Hausärztin Christine Schwill beobachtet: "Die Patienten kommen mit Symptomen, die sie gar nicht richtig einsortiert bekommen, ich merke, dass es Hitzesymptome sind, aber die Patienten sortieren sie anders ein."

Körpereigene Kühlsysteme

Tatsächlich fordern die hohen Außentemperaturen die körpereigenen Kühlsysteme. Der Körper muss das Zuviel an Wärme, das aus der Umgebung auf ihn einwirkt, wieder abgeben.

Dafür wird die Haut an Armen und Beinen vermehrt durchblutet, die Venen weiten sich. Blut, das dicht unter der Oberfläche entlang fließt, kann über die Haut Wärme abgeben. Das kühlt den Körper ab. Doch durch die weit gestellten Adern in Armen und Beinen sinkt der Blutdruck ab, das Herz muss mehr leisten.

Zu wenig Maßnahmen?

Fachleute kritisieren, dass es in Deutschland zu wenig konkrete Maßnahmen gibt, um Menschen vor Hitze zu schützen. Andere Länder wie beispielsweise Frankreich haben genaue Pläne ausgearbeitet, wie man gefährdete Menschen bei einer Hitzewelle schützen kann, indem man zum Beispiel gekühlte Räume für kranke Menschen oder Senioren anbietet.

Der Vorstandsvorsitzende der Kaufmännische Krankenkasse (KKH), Wolfgang Matz, fordert etwa eine Anpassung des Gesundheitssystems an die Folgen des Klimawandels. Er plädierte für zusätzliche Investitionen in den Gesundheitssektor und eine bessere Unterstützung der Kommunen bei der Umsetzung von Maßnahmen wie Hitzeaktionsplänen.

Und Gesundheitsminister Lauterbach mahnte: Man müsse jetzt schon ältere und kranke Menschen vor der Hitzewelle schützen. "Vorräte an Flüssigkeit, Ventilatoren, über die Bedeutung von Flüssigkeitszufuhr reden. Erreichbar sein."