Eine Frau füllt an einer Erfrischungsstation ihre Mütze mit Wasser und kippt sich diese über den Kopf. | dpa
FAQ

Hohe Temperaturen Was tun bei der Hitze?

Stand: 19.07.2022 15:48 Uhr

Mit zunehmender Hitze kann der Körper an seine Grenzen kommen. Welcher Schutz ist in diesen Tagen am besten? Was Sie tun und was Sie am besten lassen sollten. Ein Überblick.

Was passiert bei der Hitze im Körper?

Der Körper versucht, die Körpertemperatur durch verstärkte Schweißproduktion zu senken. Durch das starke Schwitzen gehen Flüssigkeit, Mineralstoffe und Spurenelemente verloren. Um für Abkühlung zu sorgen, weiten sich zudem die Blutgefäße der Haut. Dadurch sinkt der Blutdruck, der Kreislauf wird geschwächt. Bei starker Hitze kann dies dazu führen, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird - dann stellen sich Schwindel, Kopfschmerzen, Mattigkeit und Konzentrationsstörungen ein.

Was man bei dieser Hitze machen sollte

Die klassischen Tipps der Experten gelten auch bei dieser Hitzewelle: Sport sollte vor allem früh am Morgen oder in den späten Abendstunden gemacht werden. Generell sollten über den Tag verteilt etwa zweieinhalb bis drei Liter getrunken werden. Empfohlen werden Mineralwasser, abgekühlte Kräuter- und Früchtetees oder verdünnte Obst- und Gemüsesäfte. Sie enthalten in der Regel genügend Mineralien, um die ausgeschwitzten Salze wieder zu ersetzen.

Zuckerreiche Limonaden verursachen hingegen noch mehr Durst. Eiskalte Getränke können Magenbeschwerden verursachen. Auf Alkohol sollte besser verzichtet werden. Er weitet die Gefäße, was das Herz noch mehr belastet. Und beim Essen gilt: Keine schwere und fette Kost, aber mehrere kleine und leichte Mahlzeiten mit viel Obst und Gemüse.

Warum Hitze so gefährlich ist

Wenn der Körper die Wärme nicht mehr ausreichend abführen kann, können Symptome auftreten, die mitunter lebensbedrohlich werden können. Als besonders gefährdet gelten Kleinkinder, alte Menschen sowie Patienten mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen.

"Sonnenbrand, Kopfschmerzen und Sonnenstich bei zu viel direkter Sonneneinstrahlung sind die größten Gefahren", sagt Jan-Arne Lauffs, Leiter der Zentralen Notaufnahme im Universitären Notfallzentrum (UNZ) der Universitätsklinik Rostock.

Zu den Anzeichen eines Sonnenstichs gehören Unruhe, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, ein hochroter heißer Kopf, Bewusstseinsstörungen und ein steifer Nacken. Betroffene sollten an einen schattigen, gut belüfteten Ort gebracht und mit erhöhtem Kopf gelagert werden. Der Kopf sollte mit feuchten, kalten Tüchern gekühlt werden.

Weitaus gefährlicher ist ein Hitzschlag. Bei dem lebensbedrohlichen Notfall steigt die Körpertemperatur auf mehr als 40 Grad. Die Hitze ist so groß, dass der Körper sie nicht mehr abführen kann. Unter diesen Bedingungen funktioniert das Gehirn nicht mehr richtig, die Betroffenen machen einen verwirrten Eindruck, haben Kopfschmerzen, Übelkeit oder werden sogar bewusstlos. Sie atmen schnell, ihr Herz rast.

Wie gefährlich ist die UV-Strahlung?

UV-Strahlung kann Schäden am Auge wie Bindehautentzündungen und Sonnenbrand auf der Haut verursachen. Sie ist aber auch das Hauptrisiko für Hautkrebs. Jedes Jahr erkranken in Deutschland weit mehr als 200.000 Menschen an Hautkrebs. Die Deutsche Krebshilfe geht sogar von jährlich rund 290.000 Neuerkrankungen aus. Allein mehr als 20.000 Diagnosen betreffen den gefährlichen schwarzen Hautkrebs, das sogenannte maligne Melanom. Neben den UV-Strahlen beeinflusst vor allem das Erbgut, ob jemand erkrankt.

Auch beim Baden soll man die Gefahr der UV-Strahlung nicht unterschätzen. "Was viele nicht wissen, im Wasser ist man vollkommen ungeschützt", sagt Steffen Emmert, Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie. Laut Bundesamt für Strahlenschutz nimmt die Intensität der UV-Strahlung zwar mit zunehmender Wassertiefe ab, in 50 Zentimeter Tiefe liege sie jedoch weiterhin bei 40 Prozent. Die Kehrseite: Am Wasser und über der Wasseroberfläche kann die UV-Strahlungsintensität höher sein als an Land - also höher als der herrschende UV-Index, so die Behörde. Grund: die Reflexion des Wassers.

Über die UV-Gefahr kann man sich auf der DWD-Internetseite informieren. Auskunft gibt auch die UV-Prognose des Bundesamts für Strahlenschutz.

Auf was besonders Ältere achten sollten

Gerade ältere Menschen sind gefährdet, da sie die Hitze oder einen Flüssigkeitsmangel nicht immer wahrnehmen. Das Durstgefühl nimmt mit dem Alter ab - dazu kommen möglicherweise Vorerkrankungen. Bei hohen Temperaturen verliere der Körper durch Schwitzen deutlich mehr Flüssigkeit und damit auch Salze wie Elektrolyte, warnt Rainer Löb, Bundesarzt der Malteser: "Daher sollte man trinken, bevor man durstig wird."

Zudem gilt auch für Senioren: Räume sollten gelüftet werden, die Mahlzeiten in kleineren Portionen eingenommen werden, draußen sollte man sich mit einer Kopfbedeckung schützen.

Experten fordern allerdings, dass langfristig auch in Baumaßnahmen investiert werden muss. "Weder Kommunen noch Bund und Länder sind bereit, mit Milliarden-Investitionen einen Hitzeschutzschild wenigstens für Pflegeheimbewohner, Krankenhauspatienten und besonders gefährdete Menschen bereitzustellen", kritisiert etwa der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Der Sozialverband VdK fordert einen Hitzeschutzplan mit umfassenden Vorgaben für Pflegeheime. Ein Hitzeaktionsplan soll etwa Vorgaben für Pflegeanbieter von der Lagerung von Medikamenten bis hin zu baulichen Maßnahmen festschreiben.

Was Hitze für Tiere bedeutet

Im Gegensatz zum Menschen können sich Tiere nicht durch Schwitzen abkühlen, sondern vor allem durch Hecheln und Trinken. Ausreichend Flüssigkeit ist deshalb überlebenswichtig, um die Tiere vor Austrocknung und einem lebensbedrohlichen Anstieg der Körpertemperatur zu schützen.

Fehlt ein Schattenplatz, frische Luft und ausreichend Trinkwasser, kommt es bei den Tieren zum Wärmestau, der dann schnell zu einem Hitzschlag führen kann. Bei Nagern und Kaninchen zum Beispiel können schon Temperaturen von 25 bis 28 Grad Celsius zum Kollaps führen.

Sind die hohen Temperaturen im Sommer wirklich etwas Besonderes?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert als "Heißen Tag", wenn die Lufttemperatur mehr als 30 Grad Celsius erreicht. Für einen "Sommertag" muss es nicht so heiß sein - hier sind in der Spitze 25 Grad nötig. Ein Beispiel: In Frankfurt am Main etwa waren es zwischen 1981 und 2010 im Schnitt 52 Sommertage und 13 "Heiße Tage" im Jahr. Richtig ist, dass hohe Temperaturen an einzelnen Tagen bereits vor Jahrzehnten gemessen wurden. So waren es unter anderem in Bremen 36 Grad im August 1943, in Köln-Stammheim 37,9 Grad im Juni 1947 und in Potsdam 38,4 Grad im Juli 1959. Diese Messungen widerlegen jedoch nicht die Erderwärmung.

Nach Angaben des DWD ist die Lufttemperatur im Jahresdurchschnitt in Deutschland zwischen 1881 und 2021 um 1,6 Grad gestiegen. Die fünf wärmsten Jahre traten in Deutschland demnach alle nach dem Jahr 2000 auf. DWD-Analysen zum deutschen Sommer zeigen eine eindeutige Tendenz: Unter den zehn "wärmsten Sommern der Messgeschichte" finden sich sechs in diesem Jahrtausend und acht nach 1992. Den Spitzenplatz belegt der Sommer 2003 mit einer Durchschnittstemperatur von 19,7 Grad, gefolgt von 2018 (19,3 Grad) und 2019 (19,2 Grad).

Auch die Anzahl der "Heißen Tage" hat sich nach DWD-Angaben deutlich erhöht: In Frankfurt am Main war es zwischen 1961 und 1990 an 8,7 Tagen pro Jahr wärmer als 30 Grad, im Zeitraum von 1990 bis 2019 gab es mit 16,3 Hitzetagen fast doppelt so viele pro Jahr. In der Region Berlin/Brandenburg steigerte sich die Anzahl "Heißer Tage" von 6,5 (1961 bis 1990) auf 11,5 (1990 bis 2019) pro Jahr.

Quellen: dpa/AFP