Ein Vogel steht neben einem Sonnenschirm im Peñuelas See, dessen Wasserspiegel stark gesunken ist. | Bildquelle: dpa

UN-Weltwasserbericht Klimawandel sorgt für Wassermangel

Stand: 22.03.2020 10:50 Uhr

Der weltweite Wasserverbrauch ist nach UN-Angaben sechs Mal so hoch wie noch vor 100 Jahren. Gleichzeitig hätten 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Der Klimawandel verschärfe die Lage noch.

Der Klimawandel verschlechtert nach Angaben der Vereinten Nationen die weltweite Wasserversorgung und die Qualität des Wassers. Weltweit hätten derzeit 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, teilte die Deutsche UNESCO-Kommission anlässlich der Vorlage des UN-Weltwasserberichts mit. 4,2 Milliarden Menschen - also mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung - hätten zudem keine sicheren Sanitäranlagen.

Der weltweite Wasserverbrauch sei mittlerweile sechs Mal so hoch wie noch vor 100 Jahren, hieß es in dem Bericht. Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum und veränderte Konsumgewohnheiten führten dazu, dass der Wasserverbrauch weiter um etwa ein Prozent pro Jahr steige.

Durch die Erderwärmung komme es zu häufigeren und extremeren Wetterereignissen wie Hitzewellen oder Starkregenfällen. In bereits betroffenen Regionen werde sich die Lage weiter verschlechtern, "beispielsweise in Form einer zunehmend unregelmäßigen und unsicheren Versorgung", warnt die UNESCO. Noch nicht betroffene Regionen würden "durch den Klimawandel in Zukunft ebenfalls unter Wasserstress leiden". Trockengebiete könnten sich weltweit beträchtlich ausdehnen.

Der Stausee Sidi Saad in Zentraltunesien ist nicht einmal bis zur Hälfte gefüllt. | Bildquelle: dpa
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Nach monatelanger Trockenheit ist der Stausee Sidi Saad in Zentraltunesien nicht einmal mehr bis zur Hälfte gefüllt. (Archivbild vom 07.02.2020)

Besseres Wassermanagement gefordert

Um den Herausforderungen zu begegnen, werden im Weltwasserbericht zwei Lösungsansätze vorgeschlagen: Einerseits müsse Wassernutzung an den Klimawandel angepasst werden, andererseits solle nachhaltiges Wassermanagement durch Klimaschutz erreicht werden.

"Wir reden oft über Wassermangel und drohende Wasserkonflikte, aber zu wenig darüber, dass Wasser Teil der Lösung der Klimakrise ist", erklärte Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. Die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasserressourcen sei ein Schlüsselfaktor, um eine bessere und nachhaltigere Wasserversorgung zu erreichen, sagte Burchardt.

Bis zu 90 Prozent aller Abwässer weltweit würden unbehandelt abgelassen und belasteten Umwelt und Trinkwasservorräte. Abwasseraufbereitung könne helfen, Treibhausgase zu reduzieren. Vor allem die Landwirtschaft müsse dringend an die Herausforderung von Wasser- und Klimakrise angepasst werden.

Die Autoren des Weltwasserberichts kritisieren in diesem Zusammenhang, dass Wassermanagement, Wasserverfügbarkeit und Sanitärversorgung unterfinanziert seien. Innovative Technologien würden noch zu selten eingesetzt werden. Im Bericht wird dazu aufgerufen, Wasser- und Klimaschutz so miteinander zu verbinden, dass Investitionen in wasserbezogene Bereiche für Investoren attraktiv werden.

Ein Landwirt bringt Gülle als Dünger auf einem Feld aus, Linden/Niedersachsen. | Bildquelle: dpa
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Im Bericht wird die Landwirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit bei der Wassernutzung aufgerufen.

Kritik an Lebensmittelbranche

Die Wasserexpertin vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Laura von Vittorelli, nannte Wasser "unsere wertvollste Ressource, die es zu schützen gilt, vor allem unter zunehmendem Wasserbedarf in Zeiten der Klimaerhitzung". Die Behörden in Bund und Ländern ermahnte sie, der Gewässerschutz müsse "in allen Politikbereichen mitgedacht werden".

Die Umweltorganisation WWF kritisierte, die deutsche Lebensmittelbranche greife überall auf der Welt mit ihren Lieferketten in die lokalen Bedingungen von Flussgebieten ein und trage damit zu Wasserknappheit bei. "Wenn wir unseren gegenwärtigen Umgang mit Süßwasser nicht drastisch ändern, droht bis zum Jahr 2030 ein globales Süßwasserdefizit von 40 Prozent", erklärte WWF-Süßwasserexperte Johannes Schmiester.

Der Weltwasserbericht der Vereinten Nationen wird jährlich durch die UNESCO und deren World Water Assessment Programme erstellt. Dazu arbeiten 31 UN-Organisationen mit der UNESCO zusammen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. März 2020 um 06:00 Uhr.

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