Provisorische Unterkünfte, die nach dem Ausbruch des Unterwasservulkans Hunga Tonga- Hunga im Westen von Tongatapu (Tonga) errichtet wurden. | EPA

Tonga nach dem Vulkanausbruch Eine große, graue Trümmerlandschaft

Stand: 24.01.2022 14:25 Uhr

Der Inselstaat Tonga hat ein hohes Risiko für Naturkatastrophen. Dieses Mal sind die Nachwirkungen des Vulkanausbruchs des Hunga Tonga-Hunga Ha'apai besonders schwerwiegend - das ganze Ökosystem könnte betroffen sein.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Shanghai

Tote Fische an Land geschleudert, reihenweise entwurzelte Kokospalmen, haufenweise Felsbrocken aus dem Meer, weggespülte Autos, losgerissene Dächer, zerstörte Straßen - die Wellen des Tsunami haben die Westküsten der Inseln von Tonga verwüstet. Das zeigen Bilder und das berichten Augenzeugen verschiedenen Medien. Dazu ist alles von vulkanischer Asche bedeckt - das, was sich normalerweise Menschen als Südseeparadies erträumen, ist eine große, graue Trümmerlandschaft.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

"Menschen von Tonga sind mutig und widerstandsfähig"

Aber: "Die Menschen von Tonga sind mutig und widerstandsfähig", sagt Lord Fatafehi Fakafanua, ein tonganischer Parlamentarier. Er vertritt die Inseln um Ha'apai, in nächster Nähe des Vulkans, die besonders stark betroffen sind.

Der Hunga Tonga-Hunga Ha'apai war vor neun Tagen ausgebrochen, der wohl heftigste Vulkanausbruch weltweit seit 30 Jahren. Bewohner berichten, dass in den Wochen davor schon Schwefelgeruch vom Vulkan ausging, es gab kleinere Ausbrüche.

Hohes Risiko für Naturkatastrophen

"Die jetzige eruptive Periode begann im Dezember, und am Anfang ähnelte sie dem, was in den vergangenen Jahren am Vulkan vor sich gegangen war", erzählt der Geologe Marco Brenna von der neuseeländischen Universität Otago. "Und erst dann erhöhte sich die Magnitude des Ausbruchs so stark. Es ist noch nicht klar, ob es daran lag, dass etwas innerhalb des Vulkans sich veränderte, die Magmazufuhr, oder an einem Teileinsturz nahe der Oberfläche, nahe des Gipfels."

Der Inselstaat Tonga liegt im Bereich des Pazifischen Feuerrings, einer plattentektonisch besonders aktiven Region. Immer wieder kommt es in dem Südseekönigreich zu Naturkatastrophen, der Inselstaat belegt im Weltrisikobericht 2021 Rang drei der Länder mit der höchsten Wahrscheinlichkeit, dass ein extremes Naturereignis zu einer Katastrophe führen wird. Erdbeben und Wirbelstürme suchen das Land immer wieder heim.

Tonga liegt im Südpazifischen Ozean

"Vielleicht ist das ganze Ökosystem betroffen"

Dieses Mal hat die Naturkatastrophe eine besonders lange Nachwirkung. "Diese Aschedecke ist überall, sie hat gesundheitliche Folgen, sie wirkt sich auf die Landwirtschaft aus, die Farmer versuchen ihre Pflanzen zu retten, das Vieh ist betroffen, vielleicht das ganze Ökosystem, Fischzuchten", so Fatafehi Fakafanua.

Vor allem Trinkwasser fehlt. Denn die 105.000 Einwohner Tongas sind üblicherweise auf Regenwasser angewiesen, das sie in Behältern sammeln. Doch davon ist ein Großteil durch die Asche kontaminiert. Die ersten Hilfslieferungen aus Australien und Neuseeland, Japan und China haben per Schiff und Flugzeug Trinkwasser gebracht, Entsalzungsanlagen, provisorische Unterkünfte, Generatoren und Werkzeuge, mit denen die Vulkanasche entfernt wird.

Angst vor Covid-19

Die Hilfsgüter werden kontaktlos übergeben - aus Angst vor Covid-19. "Die humanitäre Hilfe gelangt auch kontaktlos ins Land. Es gibt Protokolle dafür an den Landungsbrücken und am Flughafen. So ist es mit kommerziellen Lieferungen die ganze Zeit gelaufen. Wir hatten zwei Jahre Zeit zu üben, das wird auch bei humanitärer Hilfe funktionieren."

Die Sorge vor Covid-19 ist groß; die medizinische Versorgung ist nicht erst durch Tsunami und Vulkanausbruch eingeschränkt. Ein Ausbruch der Pandemie wäre eine Katastrophe - eine weitere.

Kiribati im Corona-Lockdown

Der Pazifikstaat Kiribati, 2800 Kilometer entfernt von Tonga, musste jetzt zum ersten Mal in der Pandemie einen Lockdown verhängen. Das Land liegt mitten im Pazifik - 5000 Kilometer von Australien entfernt. Es hatte sich - wie Tonga - fast zwei Jahre lang abgeschottet.

In der vergangenen Woche begrüßte das Land den ersten Flug seit zehn Monaten aus Fidschi. Alle 54 Passagiere waren voll geimpft, hatten vorher dreimal negative Covid-Tests abgegeben - doch 36 von ihnen sind jetzt positiv. Auch Mitarbeiter der Quarantäne-Einheit sind inzwischen infiziert und Außenstehende ebenfalls.

Was Kiribati, eines der ärmsten Länder der Welt mit miserabler medizinischer Versorgung, die ganze Zeit vermeiden wollte, das ist eingetroffen. Und genau davor will Tonga sich schützen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Januar 2022 um 07:51 Uhr.