Auf Madagaskar versuchen Kinder mit einem Pflug ein Feld bestellbar zu machen.  | via REUTERS

Madagaskar Hunderttausenden droht der Hungertod

Stand: 26.06.2021 14:11 Uhr

Sie können nichts für den Klimawandel, bekommen ihn aber schon jetzt zu spüren: Nach mehreren Dürrejahren hungern die Menschen auf Madagaskar. Hunderttausende könnten sterben, warnt das Welternährungsprogramm.

Wegen einer anhaltenden Dürre sind in Madagaskar nach Einschätzung des Welternährungsprogramms derzeit etwa 400.000 Menschen vom Hungertod bedroht. Die Lage sei dramatisch heißt es seitens des Welternährungsprogramms (WFP). Es habe bereits Todesfälle gegeben. Laut Welthungerhilfe stehen im Süden des Landes bereits jetzt 14.000 Menschen kurz vor dem Hungertod. Der Inselstaat vor der Küste Afrikas erlebt derzeit die schlimmste Dürre seit 40 Jahren.

Führende WFP-Mitarbeiter hatten sich in der vergangenen Woche vor Ort ein Bild über die Lage gemacht. Die zuständige Regionaldirektorin des WFP für das südliche Afrika, Lola Castro, sagte, in den 28 Jahren, in denen sie für das Welternährungsprogramm auf vier Kontinenten gearbeitet habe, habe sie so etwas noch nie gesehen, erklärte Castro. Einzige Ausnahme sei ihr Besuch in Bahr al-Gazal im heutigen Südsudan 1998 gewesen. Erwachsene und Kinder seien vom Hunger geschwächt, Hunderte Kinder nur noch Haut und Knochen - abhängig von Nährstoffunterstützung.

Eine Mitarbeiterin eines Ernährungsprojekts auf Madagaskar misst den Armumfang eines unterernährten Kindes. | via REUTERS

Mit Ernährungsprogrammen versuchen die Vereinten Nationen die Hungersnot zu lindern. Vor allem Kinder sind chronisch unterernährt. Bild: via REUTERS

"So groß war hier die Not noch nie", sagte der in Madagaskar stationierte Landesleiter der Welthungerhilfe, Kenneth Bowen, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Hungernde seien dazu übergegangen, Insekten, Lehm und lose Blätter zu essen.

Klimawandel führt zu Dürre und Sandstürmen

"Familien leiden und es gibt bereits Menschen, die an akutem Hunger sterben - das ist nicht wegen eines Kriegs oder Konflikts, sondern wegen des Klimawandels", sagte WFT-Exekutivdirektor, David Beasley. Die Region habe nichts zur Erderhitzung beigetragen, zahle aber den höchsten Preis. Er rief dringend zu Spenden auf: nötig seien 78 US-Millionen Dollar.

Als Auslöser der Hungersnot nannte das WFP unter anderem mehrere Dürrejahre in Folge und Sandstürme, die viele Felder unbestellbar gemacht hätten. Auch in diesem Jahr habe es bislang wenig geregnet. Madagaskar war einst französische Kolonie. Er ist 1,6 Mal so groß wie Deutschland und hat etwa 28 Millionen Einwohner.

Tausende auf der Suche nach Nahrung

Die Vereinten Nationen und die Regierung von Madagaskar wollten die internationale Gemeinschaft in den kommenden Tagen offiziell um rund 155 Millionen Dollar bitten, um eine noch größere Hungersnot zu verhindern, kündigte Castro an. Tausende Menschen hätten bereits die ländlichen Gebiete verlassen, um in kleineren und größeren Städten auf die Suche nach Nahrung zu gehen. "Wenn wir nicht so schnell wie möglich handeln, wird die Zahl der Menschen, die vom Hungertod bedroht sind, in wenigen Monaten 500.000 erreichen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2021 um 17:15 Uhr.