Ein Feuerwehrmann versucht in einem Wald im Bezirk Köycegiz einen Brand zu löschen. | AP

Waldbrände im Mittelmeerraum Wo die Flammen wüten

Stand: 10.08.2021 23:00 Uhr

In mehreren Ländern gibt es derzeit verheerende Waldbrände. Rund um das Mittelmeer sind die Brände nicht nur sehr heftig, sondern auch besonders zahlreich. Wie ist die Lage in den betroffenen Gebieten? Ein Überblick.

Griechenland

In Griechenland sind die großen Brände nördlich von Athen, die in den vergangenen Tagen die Hauptstadt bedroht hatten, inzwischen weitestgehend unter Kontrolle. Am Montag waren die Einsatzkräfte dort vor allem damit beschäftigt, immer wieder aufflammende kleine Brandherde zu löschen, damit diese sich nicht erneut ausbreiten.

Auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa lodern die Brände hingegen weiterhin unkontrolliert. In der Nacht zum Dienstag gelang es Feuerwehr, Anwohnern und Freiwilligen erneut, mehrere Orte vor den Flammen zu schützen. Allerdings seien Wald und landwirtschaftlich genutzte Flächen rund um die Dörfer verbrannt, berichteten griechische Medien.

Laut dem geologischen Institut der Universität Athen ist Euböa mit rund 51.000 Hektar verbranntem Wald am stärksten von der Katastrophe betroffen. In ganz Griechenland rechnen die Forscher mit 90.000 Hektar, die in Asche liegen. Zum Vergleich: In Deutschland verbrannten laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im vergangenen Jahr durch Waldbrände 368 Hektar Fläche.

Nur allmählich besteht Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation auf Euböa. Zum einen ist so viel verbrannt, dass das Feuer stellenweise von allein erlischt, weil die Flammen keine Nahrung mehr finden. Zum anderen sind die meisten anderen Brände im Land mittlerweile unter Kontrolle, und die Einsatzkräfte können sich auf Euböa konzentrieren. Als weiterer positiver Faktor gilt, dass es am Dienstag in der Region keinen starken Wind gab, der die Flammen zusätzlich hätte anheizen können.

Auf der Halbinsel Peloponnes konnten die besonders großen Feuer am Montag ebenfalls in Schach gehalten werden. Entwarnung gibt es aber nicht; sobald Wind aufkommt, sind die umliegenden Regionen wieder extrem gefährdet. Nach Angaben der Geologen der Universität Athen sollen in der dortigen Region des antiken Olympia bereits 10.000 Hektar verbrannt sein.

Die Karte zeigt die Brände in Europa, Stand 10. August 2021

Brände in Europa, Stand 10. August 2021

Italien

In Italien erhält der Katastrophenschutz weiter zahlreiche Anfragen aus den italienischen Regionen für Luftunterstützung im Kampf gegen die Waldbrände. Die Löschflugzeuge und Hubschrauber flogen am Montag meist über brennende Gebiete im süditalienischen Kalabrien, auf der Insel Sizilien und im Latium, wo auch die Hauptstadt Rom liegt, wie die Zivilschutzbehörde mitteilte. Fünf Brände habe die Feuerwehr unter Kontrolle gebracht beziehungsweise gelöscht.

Die Zivilschutzbehörde betonte erneut, dass ein Großteil der Brände durch unvorsichtiges Verhalten oder mutwillig ausgelöst würden. Ein Kommandant der Carabinieri-Einheit für den Waldschutz sagte der Nachrichtenagentur Ansa, dass derzeit 70 Feuer in Italien wüteten, vor allem in Apulien, Sizilien und Kalabrien. Stellenweise ist die Lage dort weiter kritisch, etwa im kalabrischen Nationalpark Aspromonte, dessen Verwaltung um Unterstützung aus der Luft zur Eindämmung der Flammen bat.

Für Dienstag und Mittwoch gilt wegen der extremen Hitze höchste Alarmbereitschaft unter den Einsatzkräften. Auf Sizilien und Sardinien, wo die Feuer vor allem im Westteil der Insel erhebliche Schäden in der Landwirtschaft anrichteten, rechnete der Katastrophenschutz mit teils bis zu 45 Grad Celsius, Meteorologen sagen eine Hitzewelle für weite Teile des Landes voraus.

Türkei

Die Situation in der Türkei hat sich inzwischen etwas entspannt - die meisten Brände sind nach offiziellen Angaben unter Kontrolle. Seit Ende Juli waren in der Türkei mehr als 200 Feuer ausgebrochen, darunter 16 große Waldbrände. Mehr als die Hälfte der 81 Provinzen waren betroffen.

Besonders große Zerstörung hat das Feuer in den Küstenprovinzen Antalya und Mugla angerichtet. Alleine in Mugla verbrannte lokalen Behörden zufolge mehr als 66.000 Hektar Land. Schätzungen zufolge wurden insgesamt etwa 150.000 Hektar Land (1500 Quadratkilometer) zerstört - eine Fläche fast drei mal so groß wie der Bodensee. Zur Brandursache wird weiter ermittelt.

Noch keine Entwarnung gibt es im Bezirk Köycegiz. Starker Wind hat dort einen Brand weiter angeheizt. Flammen und Rauch schlugen in die Höhe, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Durch das gebirgige Gelände konnten die Einsatzkräfte den Brand schlecht vom Land aus bekämpfen. Helikopter und Löschflugzeuge waren im Einsatz.

Experten mahnen in der Türkei weiter zur Vorsicht. Auch in den nächsten Tagen soll es sehr heiß und trocken werden. Die Brandgefahr bleibt hoch.

Algerien

Bei schweren Waldbränden in Algerien sind mindestens 42 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind viele Soldaten, die bei Rettungseinsätzen starben. Auch 17 Zivilisten kamen ums Leben. Im Norden des Landes waren nach Regierungsangaben mehr als 70 Feuer ausgebrochen. Die Brände tobten demnach in den Regionen Tizi Ouzou und Bejaia östlich der Hauptstadt Algier.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. August 2021 um 12:00 Uhr.