Tragetaschen zum Kauf an einer Supermarktkasse in Nagoya. | picture alliance / ASSOCIATED PR

Japan Bananen und Dosenbier in Plastikhülle

Stand: 02.07.2021 09:21 Uhr

Japan verursacht nach den USA so viel Verpackungsmüll wie kein anderes Land. Seit einem Jahr dürfen Supermärkte dort Plastiktüten nicht mehr kostenlos abgeben. Hat die Gebühr etwas gebracht - und wozu das viele Plastik?

Von Thorsten Iffland, ARD-Studio Tokio

Japan hat ein Müllproblem: Fast alles, was es in Supermärkten zu kaufen gibt, ist von einer Verpackungsschicht aus Plastik überzogen - selbst Bananen und Bierdosen. Die Vereinten Nationen haben in einer Studie das Land als den zweitgrößten Einweg-Plastikmüll-Verursacher der Welt ausgemacht - gleich hinter den USA. Pro Kopf fallen jährlich 32 Kilogramm an, andere Berechnungen kommen auf noch mehr. In Deutschland sind es etwa zehn Kilo weniger Plastikmüll im Jahr. 

Daran muss sich dringend etwas ändern, hat sich die japanische Regierung gedacht und einen Song veröffentlicht: "Lasst uns die Anzahl der Plastiktüten reduzieren, lasst uns die Zukunft der Erde schützen", heißt es darin. Seit einem Jahr kosten Plastiktüten deshalb nun Geld. Allerdings umgerechnet nur zwei, drei Cent.

Es ist der erste, zarte Versuch dem Ziel näher zu kommen, die Verwendung von Einwegkunststoffen bis 2030 um ein Viertel zu reduzieren, erklärt Yoshihide Hirano vom Umweltministerium: "Die Absicht dieser Politik war eine Änderung des Umweltbewusstseins bei den Japanern. Mit dem schnellen Erreichen des Zieles bei der Einkaufsplastiktüte können wir dann weitere politische Maßnahmen für den gesamten Zyklus von Kunststoffen leichter umsetzen."

Salat, Snacks, selbst Bananen: fast alles, was in Japan im Supermarkt zu kaufen ist, wird in einer Plastikhülle angeboten. | picture alliance/dpa/Jiji Press

Salat, Snacks, selbst Bananen: Fast alles, was in Japan im Supermarkt zu kaufen ist, wird in einer Plastikhülle angeboten. Bild: picture alliance/dpa/Jiji Press

Zwei Yen für eine Plastiktüte? Geldverschwendung

Ein guter Ansatz - allerdings machen Plastiktüten nur zwei Prozent am gesamten Plastikmüll in Japan aus und die Gebührenpflicht gilt nur in Supermärkten und Drogerien. Aber da funktioniert diese Umerziehungsmaßnahme: 80 Prozent der Menschen lehnen es nun ab, eine Tüte zu kaufen. So wie diese beiden Hausfrauen aus Tokio: "Jetzt, wo Kassenplastiktüten kostenpflichtig sind, denke ich, dass es eine Verschwendung ist, sie extra zu kaufen", meint eine, und die andere ergänzt: "Ein oder zwei Yen sind nicht teuer, aber wenn sich Staub auftürmt, wird er auch zu einem Berg."

Es wird schnell philosophisch bei dieser Frage: Viele Japaner mögen es nämlich gar nicht, wenn Geld oder Dinge zum Fenster rausgeworfen, also verschwendet werden. Das ist fest verankert in der Kultur des Landes und nennt sich Mottainai. Plastiktüten vom Einkauf wurden bislang zum Beispiel von vielen Leuten für den Hausmüll wiederverwendet.

"Welt hat sich seit Kampagnenstart verändert"

Dass Plastiktüten Geld kosten, ist ein erster Einschnitt in den japanischen Alltag. Entsprechend wortreich werden die ersten Erfolge auch gefeiert - etwa hier von Umweltminister Koizumi: "Dies ist das Ergebnis der unermüdlichen Bemühungen des Volkes", sagt er. "Die Tatsache, dass wir eine so hohe Erfolgsquote erreichen konnten, bedeutet, dass sich die Welt seit dem Start dieser Kampagne definitiv verändert hat."

Ab April des kommenden Jahres soll dann auch Plastikbesteck Geld kosten. Das wird sich auf die Gesamtmüllmenge allerdings auch nur minimal auswirken. Behälter und Verpackungen sind und bleiben das große Problem, eben wie bei einer einzeln verpackten Banane.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Juli 2021 um 11:51 Uhr.