Verkäufer bieten auf einem Markt in Tansania wiederverwertbare Einkaufstaschen zum Verkauf an. | Bildquelle: AFP

Plastiktüten-Verbot Ruanda macht's vor

Stand: 06.09.2019 16:10 Uhr

Während in Deutschland nun ein Plastiktüten-Verbot kommen soll, sind ostafrikanische Länder längst weiter. Etwa Ruanda. Sinkt dadurch auch der Plastikverbrauch?

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Wer auf dem Flughafen in Ruandas Hauptstadt Kigali ankommt, sollte besser keine Plastiktüte dabei haben. Das wird im Flieger durchgesagt. Das ostafrikanische Land hat die Tüten bereits vor elf Jahren verboten. Es war nicht einfach, das Gesetz damals durchzusetzen, erinnert sich Rose Mukankomeje, die frühere Vorsitzende der Umweltschutzbehörde:

"Jeder hat gesagt, soll das ein Witz sein? Wie willst du denn gegen Plastiktüten ankämpfen? Schließlich nutzen alle auf der ganzen Welt Plastik."

Erst belächelt, wurde Ruanda dann schnell zum Vorreiter. Andere ostafrikanische Länder wollten nachziehen. Kenia versuchte sich mehrmals an einem Verbot und führte es endgültig vor zwei Jahren ein: das strengste Anti-Plastiktütengesetz der Welt. Wer die Tüten weiterhin in größerem Umfang vertreibt, muss mit hohen Geldstrafen oder bis zu vier Jahren Gefängnis rechnen.

Überall waren "afrikanische Blüten"

Die Gemüseverkäufer entlang der Straßen in der Hauptstadt Nairobi mussten sich umstellen. Sie haben sonst die meisten Tüten unter die Leute gebracht, als Service für die Kunden, erklärt eine Obstverkäuferin. "Wir haben normalerweise alles, jede Frucht, in eine Plastiktüte gepackt."

Die dünnen Tüten waren danach überall. Am Straßenrand, in den Flüssen und sogar in den Bäumen. "African Flowers" - "afrikanische Blüten - wurde der eher stinkende als duftende Schmuck spöttisch genannt.

Jetzt werden die Plastiktüten in der Landschaft langsam weniger. Aber es wird noch dauern, bis sie verschwinden, sagt Sam Barratt von der Umweltbehörde der Vereinten Nationen in Nairobi:

"Die Hinterlassenschaft eines Gegenstands, den sie fünf Minuten lang benutzen, kann 500 Jahre überdauern. Plastik ist überall im Ökosystem Kenias. Deshalb haben sie das Verbot erlassen. Das war ein phantastischer Moment für das Land."

Ein Mann sucht nach Plastikstücken auf der Müllhalde im Dandora-Slum von Nairobi in Kenia. | Bildquelle: dpa
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Männer sammeln auf einer Müllhalde im Dandora-Slum von Nairobi in Kenia Plastikstücke. Das ostafrikanische Land hat den Plastiktüten den Kampf angesagt.

Plastikboxen als Rückschritt

Ob durch das Tütenverbot der Plastikverbrauch insgesamt zurückgeht, steht auf einem anderen Blatt. Viele Supermärkte packen das Obst jetzt in Plastikboxen - eher ein Rückschritt. Doch die Politik diskutiert bereits über weitere Einschränkungen. Barratt hofft, dass es dabei bald Fortschritte gibt:

"Wir müssen jetzt auch gegen Plastikflaschen aus PET vorgehen. Positiv ist, dass die Industrie anfängt zu verstehen, dass sie dafür verantwortlich ist. Das ist nicht Anti-Plastik, sondern Anti-Plastik-Müll."

Auch in der Bevölkerung setzt sich langsam ein Umweltbewusstsein durch. Selbst die Gemüseverkäuferinnen haben sich mit dem Aus für Plastiktüten abgefunden und wickeln ihre Ware stattdessen in alte Zeitungen, wie eine Verkäuferin bestätigt: "Jetzt sieht es hier sehr nett aus. Die Plastiktüten haben unsere ganze Umgebung zerstört."

Das Verbot zieht in Ostafrika noch weitere Kreise - Seit einem Vierteljahr sind auch in Tansania die Tüten verboten.

Vorreiter Ostafrika - Plastiktütenverbot in Ruanda, Kenia und Tansania
Antje Diekhans, ARD Nairobi
06.09.2019 15:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. September 2019 um 16:11 Uhr.

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