Beate Gilles |
Analyse

Bischofskonferenz-Chefin Beate Gilles Das letzte Wort hat der Bischof

Stand: 23.02.2021 18:03 Uhr

Beate Gilles wird die neue Generalsekretärin der Bischofskonferenz - und hat damit so viel Macht wie keine Frau in der katholischen Kirche in Deutschland vor ihr. Doch die systemimmanente Ungleichbehandlung bleibt.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Beate Gilles wird die mächtigste Frau in der katholischen Kirche in Deutschland. Als neue Generalsekretärin koordiniert sie die Geschäfte der Bischofskonferenz, sie kann Themen setzen, sie muss Konflikte entschärfen und auch noch über den Einsatz von Millionensummen mitentscheiden. Mehr Macht gibt es nicht - nicht für eine Frau in der katholischen Kirche.

Tilmann Kleinjung

Denn in dieser Institution werden Leitungspositionen nicht nach den üblichen Kriterien vergeben: Es geht in erster Linie nicht um Qualifikation, Erfahrung, Führungskompetenz. Es geht darum, ob ein Kandidat geweiht ist oder geweiht werden kann - zum Diakon, zum Priester, zum Bischof. Und da die Weiheämter in der katholischen Kirche nur Männern vorbehalten sind, scheidet die Hälfte der Menschheit bei der Postenvergabe kategorisch aus.

Dabei gäbe es jede Menge Kandidatinnen. In der katholischen Kirche in Deutschland arbeiten in den Gemeinden und in den Verwaltungszentralen hoch qualifizierte Frauen, Theologinnen wie Beate Gilles. Die 50-Jährige war bereits Geschäftsführerin des katholischen Bildungswerks in Stuttgart, sie ist Abteilungsleiterin im Bistum Limburg. Auch das war früher einmal eine Männerdomäne. Und heute?

Immer mehr Frauen in der katholischen Kirche

Immer mehr Bischöfe besetzen Top-Stellen mit Top-Managerinnen, sie nutzen den Spielraum dessen, was heute schon möglich ist - ohne katholische Grundsätze fundamental infrage zu stellen. Eine Juristin leitet als Amtschefin das erzbischöfliche Ordinariat in München. Das war bisher Aufgabe des - selbstverständlich männlichen - Generalvikars.

Die neue Personalpolitik ändert allerdings nichts an der systemimmanenten Ungleichbehandlung: Das letzte Wort hat der Bischof, und der ist per Definition ein Mann. Auch in der Kirchengemeinde vor Ort gilt diese Regel. Auch dort darf nur der Priester Chef sein, das hat der Vatikan im vergangenen Sommer noch einmal in Erinnerung gerufen und damit zaghaften Versuchen in Deutschland, Leitungsteams zu etablieren oder Frauen die Gemeindeleitung anzuvertrauen, eine klare Absage erteilt.

Maria 2.0.: Unmut der Katholikinnen ist groß

Der Unmut der Katholikinnen in Deutschland ist mit Händen zu greifen. Am Wochenende hat die katholische Frauenbewegung Maria 2.0 ihre Thesen an die Kirchentüren geheftet. Ganz oben steht die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. Und dabei denken die Frauen von Maria 2.0 nicht an das, "was heute schon möglich ist": Pastoralreferentin, Religionslehrerin, Generalsekretärin. Sie wollen echte Teilhabe an allen Ämtern der Kirche, keine Placebos.

Beate Gilles hat gleich bei ihrer ersten Pressekonferenz deutlich gemacht, dass ihr die Anliegen von Maria 2.0 nicht fremd sind. Und sie hat auch klargestellt: Diese Frauen stehen "in der Mitte der Kirche", mehr noch: "Das sind die Frauen, die die Kirche tragen." Beate Gilles weiß natürlich, dass ihre Wahl nur ein erster Schritt ist, dass es noch ein langer Weg ist bis zur echten Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche. Den langen Atem dafür bringt die Theologin als Ausdauersportlerin hoffentlich mit.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Februar 2021 um 17:04 Uhr.