Teilnehmer des Doha-Treffens | Bildquelle: AFP

Doha-Treffen mit Taliban Ein bisschen Hoffnung für Afghanistan

Stand: 09.07.2019 10:01 Uhr

Zwei Tage sprachen Vertreter der afghanischen Gesellschaft mit den Taliban - das Treffen war informell und emotional. Am Ende stand eine Erklärung: Beide Seiten sagen zu, die Gewalt zu reduzieren.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Der Dialog in Doha fand hinter verschlossen Türen statt, rund 60 Afghanen unter sich, mit ausländischen Mediatoren. Die Teilnehmer, die sich nun auf Twitter oder in Interviews äußern, berichten vor allem eins: Menschlich sei es zugegangen.

Das konnten die verfeindeten Parteien seit Jahrzehnten wohl kaum übereinander sagen. Bei fast allen seien auch Tränen geflossen, als persönliche Geschichten ausgetauscht wurden. Denn die Anwesenden haben allesamt Verwandte, Freunde oder Kollegen im Krieg verloren.

Auch während die Afghanen in Doha miteinander sprachen, wurden in Afghanistan weiter Menschen getötet und verletzt. Die Teilnehmer auf der Konferenz hätten sich nun gemeinsam das Ziel gesetzt, dass es in Zukunft keine zivilen Opfer mehr geben solle. Dabei bleibt die Frage, wie bindend dieses Vorhaben ist.

Der Sprecher der Taliban, Suhail Shaheen, sagte, es seien keine offiziellen Verhandlungen gewesen. "Das waren informelle Gespräche. Aber unsere Absichtserklärung ist eine moralische Verpflichtung auf allen Seiten. Jeder möchte zivile Opfer vermeiden und alle fordern, dass die ausländischen Truppen unser Land verlassen sollen."

Der Sprecher der Taliban, Suhail Shaheen, mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Doha-Treffens | Bildquelle: AFP
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Taliban-Sprecher Suhail Shaheen - hier mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Treffens - sprach von einer "moralischen Verpflichtung" auf allen Seiten.

Auch Frauen am Dialog beteiligt

Aus Kabul waren auch mehrere Frauen nach Doha gereist. Im Rahmen der islamischen Werte, so sagten es die Taliban, würde aus ihrer Sicht nichts dagegen sprechen, die Rechte der Frauen im Land aufrechtzuerhalten. Die afghanische Abgeordnete Anarkali Honaryar war, wie alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, als Privatperson bei dem Treffen anwesend. Die Taliban lehnen es bislang weiterhin ab, offiziell mit Regierungsvertretern zu sprechen.

"Aber hier gemeinsam an einem Tisch zu diskutieren, vor allem auch, dass Frauen anwesend sein konnten, das ist schon eine große Chance", sagte die Abgeordnete nach der Konferenz im afghanischen Fernsehen. "Aber nur die Zeit wird zeigen, ob sich die Taliban auch daran halten, was sie hier gesagt haben. Dennoch, dass wir hier alle zusammen gesessen haben und über unsere grausamen Erfahrungen reden konnten, die wir erleiden mussten, auch als sie in Afghanistan geherrscht haben - allein das ist schon eine gute Entwicklung."

"Zeit, Gedanken auszutauschen"

Miteinander reden statt aufeinander zu schießen - in einem Ballsaal fern der Heimat, ohne die Angst im Nacken zu haben, dass eine Bombe explodieren könnte. Die Teilnehmer: Extremisten, Aktivistinnen, Politiker, junge studierte Afghanen. Wie der junge Chef des Fernsehsenders Tolo News, Lotfullah Najafizada. Bei einem Selbstmordanschlag der Taliban hat er sieben seiner Mitarbeiter verloren. Ein Foto in den sozialen Netzwerken zeigt ihn im angeregten Gespräch mit Vertretern der Taliban. Najafizada im westlichen Anzug, die Taliban im traditionellen Outfit. Der Bruder des Journalisten hat das Foto gepostet und dazu geschrieben:

"Mein Bruder berichtet Führern der Taliban darüber, was sich in unserem neuen Afghanistan alles gewandelt hat. Früher haben er und ich uns hinter unserer Mutter verstecken müssen, als die Taliban bei uns die militanten Truppen angeführt hatten. Jetzt ist die Zeit gekommen, zu argumentieren und Gedanken auszutauschen."

Solche Gespräche sollen bald fortgesetzt werden. Heute allerdings werden sich nun wieder Vertreter der Taliban mit den USA zusammen setzen, um über einen Abzug der Truppen, über Terrorbekämfpung in Afghanistan und einen Waffenstillstand zu verhandeln.

In Afghanistan soll es weniger Gewalt geben
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
09.07.2019 09:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2019 um 10:00 Uhr.

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