Bar-Besucher trinkt Whisky | dpa

Sucht- und Drogenbericht Alkohol und Tabak schaden am meisten

Stand: 18.08.2017 11:59 Uhr

In Deutschland sterben jährlich Zehntausende Menschen an den Folgen von Alkohol- oder Tabakkonsum. Das geht aus dem Sucht- und Drogenbericht 2017 hervor. Die Drogenbeauftragte Mortler will künftig Kinder alkoholkranker Eltern mehr unterstützen.

Legale Suchtstoffe wie Alkohol und Tabak richten nach Worten der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, immer noch größeren gesellschaftlichen Schaden an als illegale Suchtstoffe. Dies zeigten allein die 121.000 Tabak-Toten und 74.000 Alkohol-Toten im Jahr, sagte Mortler bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2017.

Demach konsumierten 7,8 Millionen Menschen in Deutschland Alkohol in gesundheitlich riskanter Menge, sagte Mortler weiter. Tabak- und Alkoholkonsum seien tief in der Gesellschaft verwurzelt. Deswegen werde man dort "nicht mit Riesenschritten vorankommen", sagte sie. Die CSU-Politikerin kündigte allerdings noch für diese Wahlperiode einen sogenannten Alkohol-Atlas an, der nach dem Vorbild des Tabak-Atlas' Daten, Trends und gesetzgeberische Empfehlungen liefern soll.

Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern

Als Herausforderungen für die kommende Wahlperiode nannte Mortler die Verbesserung der Situation von Kindern suchtkranker Eltern. Es könne nicht sein, dass von den drei Millionen betroffenen Kindern nur die wenigsten Unterstützung erhalten. Dieses Thema habe sie von allen in ihrem Zuständigkeitsbereich am meisten berührt. Bei 2,65 Millionen Kindern hat ein Elternteil ein Alkoholproblem.

Cannabis-Konsum gefährlicher als früher

Als weitere Herausforderung nannte Mortler den wieder gestiegen Cannabiskonsum. Laut Bericht nahmen 2015 knapp neun Prozent der Männer und gut fünf Prozent der Frauen Cannabis ein - ein Anstieg um zwei beziehungsweise drei Prozent.

Sie warnte vor der Verharmlosung dieser Droge. Der Wirkstoffgehalt von Cannabis sei heute etwa fünfmal so hoch wie noch vor 30 Jahren. Die gesundheitlichen Auswirkungen gerade auf junge Menschen seien dadurch massiv gewachsen. Die Politik werde in den kommenden Jahren "einen Millionenbetrag in die Hand nehmen müssen", um mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.

Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2015 hatten insgesamt 7,3 Prozent der Zwölf- bis 17-jährigen Jugendlichen und 15,3 Prozent der 18- bis 25-Jährigen binnen zwölf Monaten Cannabis konsumiert. Insgesamt ist Cannabis in Deutschland das meistkonsumierte Rauschgift.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. August 2017 um 12:00 Uhr.