Patricia Schlesinger | dpa

Nach anhaltender Kritik rbb-Intendantin Schlesinger tritt zurück

Stand: 07.08.2022 20:41 Uhr

rbb-Intendantin Patricia Schlesinger ist zurückgetreten. Hintergrund sind Vorwürfe möglicher Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme. Die Entscheidung fiel drei Tage nach Schlesingers Rückzug vom ARD-Vorsitz.

Die Intendantin des rbb, Patricia Schlesinger, tritt zurück. "Patricia Schlesinger legt ihr Amt als Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg mit sofortiger Wirkung nieder und tritt als Chefin des Senders zurück", teilte der öffentlich-rechtliche Sender mit. Bereits am Donnerstag war die 61-Jährige als Vorsitzende der gesamten ARD-Gemeinschaft zurückgetreten.

Schlesinger sagte in der Mitteilung: Ihre Verantwortung gelte dem rbb und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. "Aktuell steht nicht mehr die journalistische und publizistische Leistung des Senders im Vordergrund, sondern es geht nur um mögliche und angebliche Verfehlungen der Intendantin. Das bedauere ich sehr und ich entschuldige mich bei den Beschäftigten des rbb für diese Entwicklung."

Aus der brandenburgischen Politik hatte es zuvor Rücktrittsforderungen gegen Schlesinger als rbb-Chefin gegeben. Der rbb-Personalrat äußerte im Intranet seinen Unmut über den Verlauf der Aufklärung. Zudem kamen zuletzt in mehreren Medienberichten neue Details zu den Vorwürfen auf. Am Montag will sich der Rundfunkrat zu einer Sondersitzung treffen. Diese war bereits vor dem Rücktritt angekündigt worden.

Zahlreiche Vorwürfe erhoben

Die bislang ungeklärten Vorwürfe reichen von fragwürdigen Beraterverträgen zu einem inzwischen auf Eis gelegten rbb-Bauprojekt, einer großen Gehaltserhöhung für Schlesinger auf gut 300.000 Euro bis zu einem zusätzlichen Boni-System. Außerdem geht es um angebliche Essen mit "Multiplikatoren" auf rbb-Kosten in ihrer Privatwohnung und einen teuren Dienstwagen, für den es einen sehr hohen Rabatt gegeben haben soll.

Die Senderchefin hatte die Anschuldigungen gegen sie zurückgewiesen. In der Mitteilung vom Sonntag sprach sie von "persönlichen Anwürfen und Diffamierungen". Derzeit läuft die externe Untersuchung. Dafür wurde auch ein Whistleblower-System im Sender eingerichtet. Ergebnisse werden aber erst in einigen Wochen erwartet.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. August 2022 um 21:00 Uhr.