Wolf | Bildquelle: dpa

Naturschutz-Bundesamt Mehr Wolfsrudel in Deutschland

Stand: 02.12.2019 14:50 Uhr

In Deutschland leben 105 Wolfsrudel - deutlich mehr als im Jahr zuvor. Die meisten kommen laut Bundesamt für Naturschutz in Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen vor. Insgesamt sind mindestens 275 erwachsene Tiere erfasst.

Die Zahl der Wölfe in Deutschland wächst weiter: Aktuell gibt es hierzulande 105 Wolfsrudel - 28 mehr als im Vorjahr, wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) mitteilte. Sie beziehen sich dabei auf neue Erhebungen der Bundesländer aus dem Monitoringjahr 2018/2019.

Die Wolfsvorkommen konzentrieren sich demnach weiterhin auf ein Gebiet von der sächsischen Lausitz über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bis nach Niedersachsen. Ein Wolfsrudel besteht meist aus drei bis elf Tieren - den Eltern und den Nachkommen der letzten zwei Jahre. Die meisten Wolfsrudel leben mit 41 in Brandenburg, gefolgt von Sachsen mit 22 und Niedersachsen mit 21.

Erstmals seit der Ausrottung der Art in Deutschland wurden zudem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein jeweils einzelne territoriale Wölfe beobachtet, ebenso in Thüringen und Bayern.

"Wolfsbestand in Deutschland nimmt zu"

Neben den Rudeln waren 25 Wolfspaare sowie 13 sesshafte Einzelwölfe für das Monitoringjahr bestätigt, wie das BfN weiter berichtete. Im Jahr zuvor waren 77 Rudel, 40 Paare und drei Einzelwölfe nachgewiesen worden. "Der Wolfsbestand in Deutschland nimmt zu" erklärte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Insgesamt sind demnach in Deutschland mindestens zwischen 275 und 301 erwachsene Wölfe erfasst. Das Monitoringjahr dauert vom 1. Mai bis zum 30. April. Das BfN und das DBBW führen darin die von den Bundesländern erhobenen Daten zusammen. Der Wolf ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union sowie nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.

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Die Zahl der Wölfe in Deutschland nimmt zu - ein gutes Zeichen, finden Umweltverbände. Der Jagdverband findet: Es sind schon jetzt zu viele.

Allerdings kommen auch mehr Wölfe - meist Welpen - im Straßenverkehr ums Leben. 83 Tiere waren es in dem Jahr. Insgesamt sei die Anzahl der Totfunde im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent deutlich angestiegen - auf 99, so Jessel. Die Zahl illegaler Tötungen sei von 6 auf 8 gestiegen.

Jagdverband spricht von höheren Zahlen

Der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisierte, dass in der Bilanz der Nachwuchs nicht zahlenmäßig aufgeführt werde. Die Hochrechnungen des Jagdverbandes fallen dementsprechend um einiges höher aus. Der Verband schätzt, dass zusammen mit den Jungtieren im Frühjahr 2019 rund 1300 Wölfe in Deutschland lebten. Das liege weit über dem, was in anderen europäischen Ländern als Gesamtbestand zugelassen werde. Der DJV fordert deshalb, die Art ins Jagdrecht aufzunehmen.

Das Bundesamt für Naturschutz weist darauf hin, dass eine Gesamtzahl von Wölfen, also Welpen, Jungtiere und erwachsene Tiere - nicht seriös angegeben werden kann. Zum einen sei das Monitoring auf Rudel ausgelegt, zum anderen variierten die Rudelgrößen sehr stark, und die Sterblichkeit insbesondere der Welpen sei hoch.

Umweltverbände fordern Unterstützung für Weidetierhalter

"Die Entwicklung der Wolfsbestände ist ein gutes Zeichen", erklärte Magnus Wessel, Leiter der Naturschutzpolitik des BUND. Die Art sei in Deutschland aber noch immer weit von einem günstigen Erhaltungszustand von 1000 erwachsenen Tieren entfernt. Die Politik müsse endlich konstruktive Lösungsansätze für Weidetierhalter liefern, hieß es von der Umweltschutzorganisation. Der Herdenschutz stehe dabei an erster Stelle, so Wessel. Die Kosten für Elektrozäune und Herdenschutzhunde müssten vollständig erstattet werden, zudem müsse die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Weidetierhalter im Vordergrund stehen.

Zaun zur Abwehr von Wölfen | Bildquelle: dpa
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Elektrozäune reichen in der Regel zur Abwehr von Wölfen - außer der Wolf hat bereits gelernt, dass es dahinter lohnende Beute gibt.

Auch von der Umweltschutzorganisation WWF hieß es, dass für eine funktionierende Nachbarschaft von Wolf, Mensch und Weidetier ein flächendeckender Herdenschutz nötig sei. Für die betroffenen Weidetierhalter brauche es eine kostendeckende staatliche Förderung, die auch laufende Unterhaltskosten, etwa für Herdenschutzhunde, umfassen müsse.

Über dieses Thema berichtete am 02. Dezember 2019 die tagesschau um 14:00 Uhr und NDR Info um 14:15 Uhr in den Nachrichten.

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