TeamViewer |

Digitaler Wandel Wo sind die deutschen Tech-Stars?

Stand: 11.01.2021 12:05 Uhr

In welchen Branchen sind deutsche Technologiefirmen besonders innovativ? Der schwäbische Softwarekonzern Teamviewer etwa gilt als Gewinner in der Corona-Krise. Aber es gibt auch andere Beispiele.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Die Corona-Pandemie hat für einen weltweiten Digitalisierungsschub gesorgt. Das Virus zwingt die Menschen dazu, im Homeoffice zu arbeiten. Die Bedeutung des Lernens von zu Hause wächst, der Siegeszug des E-Commerce ist auch angesichts des erweiterten Lockdowns nicht aufzuhalten. Das anvisierte Ziel möglichst weitgehender Kontaktlosigkeit schärft auch das Bewusstsein für das Thema Telemedizin.

Auffallend ist, dass vor allem die großen Technologiekonzerne aus den USA die Zukunftsfelder bestimmen. Amazon, Apple, Google, Facebook oder Microsoft leben in goldenen Zeiten, wie ein Blick auf die steigenden Aktienkurse und kräftig wachsenden Profite zeigt.

SAP teuerster deutscher Börsenkonzern  

Aber es gibt auch deutsche Unternehmen, die sich auf dem hart umkämpften Tech-Feld international behaupten. Aus globaler Sicht gehört SAP zu den bedeutendsten Technologiekonzernen. Das SAP-Management arbeitet gerade daran, das Geschäftsmodell zukunftsträchtig zu verändern: Die Software soll künftig vor allem aus der Cloud zur Verfügung gestellt werden.

Die Kosten dieser Umstellung belasten das Geschäft. Ende Oktober hatte der DAX-Konzern deshalb die Jahresziele kassiert und an der Börse für Entsetzen gesorgt. Trotzdem bleibt SAP mit einem aktuellen Börsenwert von 125 Milliarden Euro immer noch der teuerste börsennotierte Konzern Deutschlands.  

Logo SAP | dpa

SAP setzt voll auf die Cloud. Bild: dpa

Fernwartung und Videokonferenzen

Ebenfalls international erfolgreich, wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab, ist der MDAX-Konzern Teamviewer. Das Unternehmen hat mehr als 1000 Mitarbeiter und bietet cloudbasierte Software für Fernwartung, Fernzugriff, IT-Verwaltung und Videokonferenzen an. Damit bedient der Göppinger Konzern genau das Segment, das derzeit besonders gefragt ist.

Im September 2019 war Teamviewer an die Börse gegangen, seinerzeit betrug der Ausgabepreis 26,25 Euro. Corona verlieh dem Unternehmen unverhofften Rückenwind. Das lässt sich am Börsenkurs ablesen, auch wenn der Rekordstand bei 53,62 Euro nun schon eine Weile zurückliegt.   

Im jüngst abgelaufenen Geschäftsjahr steigerte Teamviewer seine abgerechneten Umsätze um 40 Prozent auf insgesamt 460 Millionen Euro. Wie das Management unterstreicht, seien ein starkes Neugeschäft, ein breiteres Produktangebot und mehr Vertragsverlängerungen durch Bestandskunden die Ursache des Wachstums. Die Kundenzahl stieg um rund 25 Prozent auf 584.000. "Für 2021 sind wir weiterhin sehr zuversichtlich, unseren Wachstumskurs fortzusetzen", so Finanzchef Stefan Gaiser.

Teamviewer Vorstände beim Börsengang 2019 |

Die Teamviewer-Vorstände Oliver Steil (l.) und Stefan Gaiser beim Börsengang 2019.

Wo sind die Weltmarktführer?

Aber wie steht es darüber hinaus um die deutsche Tech-Branche und den digitalen Wandel? Auffallend ist, dass viele Corona-Profiteure aus dem E-Commerce-Segment stammen. Konzerne wie Delivery Hero, HelloFresh oder Zalando gehören bekanntermaßen zu den Nutznießern von Kontaktsperren und geschlossenen Läden. Aber ein wahrer Weltmarktführer, der sich mit Amazon oder Facebook messen könnte, ist nicht in Sicht.

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erklärte Nazim Cetin, Vorstandschef von Allianz X, der Risikokapital-Einheit der Allianz: "Google hätte hier keine Chance." In den USA gebe es ein ganz anderes Verständnis für Wachstumsfirmen. Auch müsse man sich in Europa fragen, ob man in der Lage sei, Unternehmen ausreichend mit Kapital zu versorgen.

Beispiel Berlin

In der Tat ist das "Ökosystem" aus Forschung, Finanzierung, Förderung und bereits ansässigen Tech-Unternehmen in den USA ein ganz anderes. Viele Unternehmensgründungen kommen aus dem Umfeld der großen Tech-Konzerne wie Google, Facebook oder Amazon, indem sich Mitarbeiter mit dem erworbenen Wissen selbstständig machen. Das Beispiel Silicon Valley zeigt, wie wichtig das Umfeld für eine erfolgreiche Start-up-Szene ist.

Hierzulande gilt die Berliner Start-Up-Kultur vielen Experten als beispielhaft. Gerade der Sektor Electronic Health und Telemedizin erfährt in Corona-Zeiten eine besondere Aufmerksamkeit. Das Berliner Unternehmen Amboss etwa stellt medizinisches Wissen digital zur Verfügung, auf das Ärzte per Smartphone zurückgreifen können.       

Und das Fintech-Start-up Mambu, das Dienstleistungen für Banken über das Internet anbietet, sorgte erst vor wenigen Tagen für Schlagzeilen. Die aktuelle Bewertung kletterte auf rund 1,7 Milliarden Euro. Die Liste der Beispiele lässt sich aber nicht nur in Berlin verlängern.   

Noch schnellerer Wandel

Im vergangenen Jahr belegte Deutschland vor Südkorea den ersten Rang im "Bloomberg Innovation Index". 2020 war Deutschland nach Kriterien wie etwa Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Zahl der börsennotierten Hightech-Firmen, Produktivität oder Patente demnach das innovativste Land der Welt. Die USA belegen Rang neun.

Jedenfalls sind sich Fachleute einig darüber, dass die Themen Technologie und digitaler Wandel auch nach der Pandemie eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der künftigen Ökonomie haben werden. Der Trend werde sich in Zukunft noch weiter beschleunigen, meint Jonathan Curtis, Manager des Franklin Technology Fund der kalifornischen Investmentgesellschaft Franklin Templeton. "Der digitale Wandel und die damit verbundenen Unterthemen werden auch nach der Pandemie immer mehr an Bedeutung gewinnen."

Über dieses Thema berichtete Hr-Info am 28. Dezember 2020 um 15:29 Uhr.