Die Skyline von Taipeh. | AFP

Protest aus Peking Taiwan eröffnet Vertretung in Litauen

Stand: 20.07.2021 16:08 Uhr

Im Tauziehen um mehr internationale Anerkennung hat Taiwan einen kleinen Sieg errungen: Die Regierung wird in Litauen eine offizielle Repräsentanz eröffnen - die erste in Europa unter eigenem Namen. Aus China kam umgehend Protest.

Im Ringen mit Peking um seinen internationalen Status hat Taiwan einen Erfolg erzielt: Erstmals kann die Inselrepublik in Europa eine Vertretung unter eigenem Namen eröffnen. In Litauen werde ein Büro aufgebaut, das "Taiwanische Vertretung" heißen werde, kündigte Außenminister Joseph Wu in Taipeh an. Da Peking die Insel als Teil der Volksrepublik ansieht und Druck auf andere Staaten ausübt, tragen ähnliche Repräsentanzen in anderen Ländern nur "Taipeh" im Namen, auch in Deutschland existiert ein solches Büro.

Mit der Eröffnung der Vertretung wolle man die Beziehungen zu dem baltischen Staat und anderen mitteleuropäischen Ländern ausbauen, so Wu. Taiwan und Litauen wollen demnach auf wirtschaftlicher, handelspolitischer und technologischer Ebene zusammenarbeiten. Die Regierung rechnet mit einer Eröffnung in Vilnius noch in diesem Sommer.

USA begrüßen Schritt

Umgehend protestierte in Peking Außenamtssprecher Zhao Lijian und sprach von einem Versuch, Taiwan unabhängig machen zu wollen. "China lehnt jede Form formeller Beziehungen zwischen anderen Ländern und Taiwan ab und fordert die baltische Nation auf, dem Ein-China-Grundsatz zu folgen." Mit dieser Doktrin und seinem politischen und wirtschaftlichen Gewicht versucht Peking, Taiwan in der Welt zu isolieren. Nur 15 Staaten erkennen Taiwan an und müssen dafür auf diplomatische Beziehungen zu China verzichten.

Die USA begrüßten die Entscheidung Litauens hingegen. "Alle Länder sollten so frei sein, engere Beziehungen und größere Kooperation mit Taiwan zu pflegen - einer führenden Demokratie, großen Wirtschaft und einer Kraft für das Gute in der Welt", teilte das Amerikanische Institut in Taiwan (AIT), die nicht offizielle Vertretung der US-Regierung in Taipeh, mit.

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen dankte Litauen. "Wir freuen uns darauf, noch enger mit gleichgesinnten Partnern und Freunden zusammenzuarbeiten."

Enttäuschung über China

Seit Längerem findet zwischen Taiwan und den baltischen sowie einigen mittelosteuropäischen Staaten eine erkennbare Annäherung statt. Immer mehr Staaten wenden sich zugleich enttäuscht von Peking ab. Zum einen haben sich Hoffnungen auf wirtschaftliche Kooperation nicht erfüllt, zum anderen wächst die Kritik an China.

Mit der Annäherung an Taiwan riskieren die Länder eine massive Verärgerung Chinas. Die Bezeichnung Taiwan lehnt Peking ab, da sie der Pazifikinsel aus ihrer Sicht internationale Legitimität verleihen würde. Der offizielle Name der demokratisch regierten Insel lautet Republik China.

Litauen, das weiter diplomatische Beziehungen zu Peking unterhält, will selbst ein Vertretungsbüro in Taipeh einrichten. "Litauen ist daran interessiert, die Zusammenarbeit mit Taiwan in verschiedenen Bereichen auszuweiten", hieß es in einer Mitteilung des litauischen Außenministeriums. Im Mittelpunkt der Kooperation sollen demnach die "Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen und der kulturelle Austausch" stehen.

Mit Informationen von Kathrin Erdmann,  ARD-Studio Tokio