Wolodymyr Selenskyj | dpa

Energiepolitik Selenskyj will der EU mit Strom helfen

Stand: 28.07.2022 07:34 Uhr

Der ukrainische Präsident Selenskyj will sein Land durch Stromexporte zum "Garanten der europäischen Energiesicherheit" machen. Ein Großteil der Energie werde nicht gebraucht, da wegen des Kriegs die Produktion stillstehe.

Mit Blick auf die Energiekrise in Europa hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj der EU eine Unterstützung mit Strom aus seinem Land angeboten. "Wir bereiten uns auf die Erhöhung unseres Stromexports für die Verbraucher in der Europäischen Union vor", sagte der Staatschef in seiner abendlichen Videobotschaft.

"Unser Export erlaubt es uns nicht nur, Devisen einzunehmen, sondern auch unseren Partnern, dem russischen Energiedruck zu widerstehen", meinte er mit Blick auf die von Russland deutlich reduzierten Gaslieferungen. Gas wird auch zur Verstromung genutzt.

Gazprom senkt Gaslieferung

Russlands Energieriese Gazprom hatte die Lieferungen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 wegen angeblicher technischer Probleme gestern erneut gesenkt - diesmal auf 20 Prozent des maximalen Umfangs.

"Schrittweise machen wir die Ukraine zu einem der Garanten der europäischen Energiesicherheit, eben über unsere inländische Elektroenergieproduktion", meinte Selenskyj. In Deutschland und anderen EU-Ländern wachsen Befürchtungen vor Energieengpässen in den kommenden Monaten wegen reduzierter russischer Gaslieferungen.

Großteil der Energie wird nicht gebraucht

Die Ukraine war Mitte März an das europäische Stromnetz angeschlossen worden. Vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen das Land war das ukrainische Netz mit dem russischen Netz synchronisiert - die Ukraine war zudem auf Stromimporte aus Russland und Belarus angewiesen.

Anfang Juli begann die Ukraine dann mit Stromexporten in die EU über Rumänien. In der Ukraine stammt mehr als die Hälfte des Stroms aus der Atomkraft. Wie Selenskyj erklärte, wird ein Großteil der Energie nicht gebraucht, da wegen des Kriegs die Produktion stillsteht.

Allerdings hatten die russischen Truppen zuletzt auch das größte Atomkraftwerk in Enerhodar, ein Wasserkraftwerk am Fluss Dnipro und mindestens zwei Kohlekraftwerke eingenommen. "Wir werden unser ganzes Land mit militärischen, diplomatischen und allen anderen zugänglichen Instrumenten befreien", sagte Selenskyj. Mit Blick auf die von ukrainischen Streitkräften bombardierte Brücke über dem Fluss Dnipro im südlichen Gebiet Cherson betonte der Staatschef, dass nach der Rückeroberung alles wieder aufgebaut werde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juli 2022 um 08:00 Uhr.