Pro-russische Separatisten in der Umgebung von Donezk (Archivbild 2014) | picture alliance / AP Photo

Krieg gegen die Ukraine Vorwürfe nach Angriff auf Gefängnis

Stand: 29.07.2022 13:12 Uhr

In der Region Donezk ist offenbar ein Gefängnis für ukrainische Kriegsgefangene angegriffen worden, viele sollen tot sein. Kiew wirft Moskau vor, damit Folter verschleiern zu wollen. Der Kreml machte zuvor die Ukraine verantwortlich.

Die Ukraine macht Russland für den Tod von mindestens 40 ukrainischen Kriegsgefangenen verantwortlich und bestreitet einen Angriff auf das Gefängnis in der Region Donezk, in dem sie festgehalten wurden. "Die Streitkräfte der Russischen Föderation haben gezielt mit Artillerie eine Justizvollzugsanstalt in der Siedlung Oleniwka im Gebiet Donezk beschossen, in der auch ukrainische Gefangene festgehalten wurden", sagte der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte.

"Auf diese Weise haben die russischen Besatzer ihre kriminellen Ziele verfolgt - die Ukraine des Begehens von 'Kriegsverbrechen' zu beschuldigen sowie die Folter von Gefangenen und Hinrichtungen zu verschleiern", so der Generalstab weiter.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen. Jüngsten Angaben aus Donezk zufolge stieg die Opferzahl inzwischen auf 53 Tote. Mehr als 75 Insassen des Gefangenenlagers seien verletzt worden.

Russland wirft Ukraine Angriff auf Gefängnis vor

Der Kreml und die prorussischen Separatisten hatten zuvor die Ukraine für den Angriff auf das Gefangenenlager verantwortlich gemacht. In dem Gefängnis seien ukrainische Soldaten gewesen, die sich nach dem Fall der Hafenstadt Mariupol ergeben hätten, teilte ein Separatistensprecher mit. Nach dem Fall von Mariupol im Mai wurden viele ukrainische Kriegsgefangene in Lager auch in der Donezk-Region gebracht. Insgesamt hätten sich 193 Insassen in dem südwestlich von Donezk gelegenen Gefängnis befunden.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Separatistenmeldung über den Beschuss. In Moskau leitete das Ermittlungskomitee inzwischen ein Strafverfahren "im Zusammenhang mit dem Schlag der ukrainischen Nationalisten" wegen verbotener Kriegsführung ein. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die Baracke, in der die Soldaten gefangen gehalten wurden, sei von Raketenwerfern des Typs HIMARS beschossen wurden. Die USA hatten den Mehrfachraketenwerfer vor einigen Wochen an Kiew geliefert.

Die ukrainische Führung weist den Vorwurf zurück. So sprach der Präsidentenberater Michajlo Podoljak von einer "klassischen, zynischen und sehr durchdachten Operation unter falscher Flagge". Der Generalstab wiederum betonte, dass es sich bei den HIMARS um Präzisionswaffen handle und die ukrainischen Soldaten keine zivilen Objekte bombardiere und "schon gar nicht Plätze, an denen wahrscheinlich gefangene Waffenbrüder festgehalten" werden.

"Russische Angriffe nehmen an Intensität zu"

Der ukrainische Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, teilte mit, die russischen Angriffe in dem Gebiet nähmen von Tag zu Tag an Intensität zu. Zivilisten sollten, wenn es noch möglich sei, die Kampfzonen verlassen. "Die russische Armee schert sich nicht um zivile Opfer. Sie feuern auf Städte und Dörfer in der Region." 

Der Bürgermeister der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw, Ihor Terechow, teilte mit, russische Geschosse seien erneut im Stadtzentrum eingeschlagen. Auch das zweistöckige Gebäude einer höheren Bildungseinrichtung sei getroffen worden. Rettungsmannschaften seien im Einsatz.