EU-Wahl in Amsterdam | Bildquelle: REUTERS

Europawahl in den Niederlanden Beeinflussen Umfragen andere Staaten?

Stand: 24.05.2019 15:23 Uhr

Gestern Abend sind die ersten Ergebnisse der EU-Wahl in den Niederlanden prognostiziert worden. Dabei wählen die meisten Staaten erst am Sonntag. Können die Umfragen die Wahl beeinflussen?

Von Melanie Katharina Marks, für tagesschau.de

SPD-Chefin Andrea Nahles hat den Moment sofort genutzt. Die Niederlande habe gewählt, die Sozialdemokratie gewonnen, jetzt sei der Moment, sich unterzuhaken. Das twitterte sie noch gestern Abend, als die ersten Zahlen der EU-Wahl in den Niederlanden bekannt wurden.

Eigentlich sollten diese Ergebnisse erst Sonntag veröffentlicht werden. Nun aber war es zeitweise Meldung Nummer eins: Bei der Europawahl in den Niederlanden liegen die Sozialdemokraten vorne. Die Populisten hingegen wurden abgestraft.

Umfragen kreieren erstes Stimmungsbild

Die Zahlen stammen vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos. Dieses hat Wähler in den Niederlanden vor den Wahllokalen befragt, für wen sie ihre Stimme abgegeben haben. Die Wähler antworteten anonym und schriftlich. Diese sogenannten "exit-polls" sind also quasi eine zweite Wahl und gelten als sehr repräsentativ.

Das bedeutet aber auch: Bevor der Großteil der europäischen Staaten überhaupt gewählt hat, ist ein erstes Stimmungsbild entstanden - etwas, das eigentlich vermieden werden sollte.

"Rechtlich ist die Veröffentlichung zulässig", sagt Nico Siegel, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap. Es gelte die Öffentlichkeit des Wahlaktes, also, dass sich grundsätzlich jeder die Wahl anschauen und mit den Menschen sprechen könne. "In den Niederlanden kann man ja auch nicht so tun, als habe keiner gewählt", so Siegel. Nur die amtliche Bekanntgabe des Wahlergebnisses fände erst am Sonntag statt.

Erste Prognosen bei EU-Wahl
tagesschau 16:00 Uhr, 24.05.2019, Michael Grytz, ARD Brüssel

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Wähler durch Umfragen beeinflusst

Streitbar ist die Veröffentlichung dennoch. Gerd Bosbach, Professor für Statistik und empirische Sozialforschung an der Hochschule Koblenz, sieht darin eine "Beeinflussung sondergleichen". Viele hätten heutzutage keine eindeutige Parteipräferenz mehr, sie entschieden häufig erst kurz vor der Wahl und nach Sympathie. Gerade diese Bürger könnten durch Vorab-Ergebnisse beeinflusst werden. "Man gehört gerne zu den Gewinnern", sagt Bosbach.

Thorsten Faas, Professor für Politische Soziologie an der FU Berlin, weist allerdings auch darauf hin, dass es nicht einen spezifischen Effekt gäbe. "Einige Wähler mögen für eine Partei mobilisiert werden", sagt er. "Andere sind dadurch vielleicht auch demotiviert." Und wieder andere, die bei solchen Umfragen einen Dämpfer erlitten hätten, könnten sich sagen: 'Jetzt erst Recht!'

Ungleiche Informationen bei der Wahl

Eine Studie der Universität Salzburg hat vor sechs Jahren ergeben, dass 68 Prozent der Befragten glaubten, ihr Nachbar würde durch Umfragen beeinflusst. 25 Prozent gaben das von sich selbst an. Wie Menschen allerdings beeinflusst werden - ob sie mobilisiert oder bequemer werden -, ist nicht abschließend geklärt. Darauf weist auch eine Studie der Bundesregierung hin.

Die "Exit-Polls" in den Niederlanden müssen allerdings noch vor einem weiteren Hintergrund gesehen werden. "In Deutschland sind diese Umfragen bis zur Schließung der Wahllokale verboten", sagt Faas. Grund dafür ist, dass jeder Bürger den gleichen Informationsstand bei der Wahl haben soll. Wenn aber die einen am Morgen wählten, so Faas, und diese Daten regelmäßig aktualisiert würden, dann hätte ein Wähler am Abend mehr Informationen zur Verfügung.

Europawahl als Vielzahl nationaler Wahlen

Europaweit ist diese Gleichheit der Information nicht garantiert. Wahlen werden national organisiert. Es gibt keine einheitliche Richtlinie, wie sie durchgeführt oder mit Umfragen nach der Wahl umgegangen werden soll. Faas sieht deswegen vor allem eines in der Veröffentlichung der Umfragewerte aus den Niederlanden: "Es zeigt, dass die Europawahlen doch noch mehr 28 nationale Wahlen sind, bei denen sich jeder Staat vor allem auf seine Ergebnisse konzentriert."

Über dieses Thema berichtete das Erste am 26. Mai 2019 ab 17:30 Uhr.

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