Soldaten am Flughafen Kabul | via REUTERS
Liveblog

Afghanistan ++ EU-Ratsvorsitz beruft Sondertreffen ein ++

Stand: 23.08.2021 23:04 Uhr

Slowenien, das den EU-Ratsvorsitz innehat, hat für Donnerstag ein Sondertreffen angekündigt. Rund 4000 ausgeflogene Menschen könnten vorübergehend auf US-Stützpunkten in Bayern und Rheinland-Pfalz untergebracht werden. Alle Entwicklungen im Liveblog.

  • Lufthansa fliegt mehr als 1500 Geflüchtete aus
  • USA richten in Deutschland Notunterkünfte ein
  • NATO will kein Datum für Evakuierungsende nennen
  • Iran liefert Taliban Treibstoff
  • Großbritannien will Abzug verschieben
  • Kramp-Karrenbauer übernimmt politische Verantwortung
23.8.2021 • 23:03 Uhr

Ende des heutigen Liveblogs

Damit schließen wir den Blog für heute. Vielen Dank für das Interesse.

23.8.2021 • 22:15 Uhr

Spanien kann 4000 Ortskräfte auf Stützpunkten aufnehmen

Spanien kann vorübergehend bis zu 4000 Afghanen, die für die USA gearbeitet haben, auf zwei Militärstützpunkten aufnehmen. Das gibt Verteidigungsministerin Margarita Robles bekannt. Einer Vereinbarung zwischen Madrid und Washington zufolge könnten die Afghanen bis zu zwei Wochen in Spanien bleiben. Sie sollen dann von den Stützpunkten Moron de la Frontera nahe Sevilla sowie Rota nahe Cadiz in andere Länder gebracht werden.

23.8.2021 • 20:53 Uhr

EU-Ratsvorsitz beruft Sondertreffen zu Afghanistan ein

Der Vorsitz im Rat der EU hat für Donnerstag ein Sondertreffen zur Lage in Afghanistan einberufen. "Die slowenische Präsidentschaft strebt zu diesem Thema einen Meinungsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten und eine gemeinsame Reaktion der EU an", teilte ein Sprecher mit. Das Treffen werde auf Botschafterebene organisiert, wahrscheinlich werde es in Kürze zudem eine Sondertagung der EU-Innenminister zu möglichen Auswirkungen der Ereignisse in Afghanistan auf die Migration geben.

Slowenien hat den alle sechs Monate wechselnden EU-Ratsvorsitz seit Juli inne. Als kleines Land mit nur rund 2,1 Millionen Einwohnern besitzt es bei europäischen Entscheidungsprozessen normalerweise keinen besonders großen Einfluss. Als EU-Vorsitzland kommt ihm nun aber für eine halbes Jahr eine wichtige Rolle bei der Themensetzung und bei der Lösung von Meinungsverschiedenheiten zwischen den EU-Staaten zu.

23.8.2021 • 19:26 Uhr

Kramp-Karrenbauer: Afghanistan-Einsatz war richtig

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan als richtig bezeichnet. "Und Peter Struck hatte recht - unsere Freiheit ist auch am Hindukusch verteidigt worden", sagte sie bei einer virtuellen Veranstaltung der Körber-Stiftung unter Anspielung auf den früheren Verteidigungsminister.

23.8.2021 • 18:38 Uhr

Pakistan dringt auf politische Einigung in Afghanistan

Die pakistanische Regierung hat die Taliban und andere Fraktionen im benachbarten Afghanistan aufgerufen, eine politische Vereinbarung über die Zukunft des Landes zu finden. Die pakistanische Regierung werde sich für eine friedliche Lösung einsetzen, sagte Außenminister Shah Mahmood Qureshi vor einer Reise durch die Nachbarländer Afghanistans. Diese führt neben Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan auch in den Iran. Auch mit Vertretern der chinesischen Regierung habe er über die Lage in Afghanistan bereits gesprochen, sagte Qureshi.

23.8.2021 • 18:21 Uhr

Trudeau spricht sich für Sanktionen gegen die Taliban aus

Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat sich vor dem G7-Gipfel zur Lage in Afghanistan für Sanktionen gegen die radikalislamischen Taliban ausgesprochen. "Wir sind dabei, weitere Sanktionen in Betracht zu ziehen", sagte er. Die Taliban würden in Kanada bereits als terroristische Vereinigung eingestuft, "aber wir werden mit unseren G7-Partnern über die nächsten Schritte sprechen."

Kanada hatte am Donnerstag mit Evakuierungsflügen aus Kabul begonnen. Das Land hatte kürzlich zugesagt, 20.000 afghanische Flüchtlinge im Rahmen eines Einwanderungsprogramms aufzunehmen. 

23.8.2021 • 18:02 Uhr

CSU-Chef Dobrindt warnt vor Eskalation

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat vor einer weiteren Eskalation der Lage in Afghanistan gewarnt. "Ich befürchte, dass die schlimmsten Bilder aus Afghanistan uns noch bevorstehen werden", sagte er "Focus Online":

Es ist bisher nicht absehbar, wie lange die Situation am Flughafen in Kabul aufrechterhalten werden kann. Die Amerikaner jedenfalls sind in der Lage, Kabul innerhalb weniger Stunden zu verlassen. Damit wäre der Einsatz dort beendet - mit vermutlich sehr schwierigen Bildern für uns.
23.8.2021 • 18:02 Uhr

Merkel und Indiens Ministerpräsident Modi beraten

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi über die Lage in Afghanistan telefoniert. Dabei sei es auch um die Auswirkungen auf die Region gegangen, erklärt ein Sprecher. Außenminister Heiko Maas hatte zuvor gesagt, man sei mit Indien etwa bei der Hilfe afghanischer Flüchtlinge im Gespräch.

23.8.2021 • 17:19 Uhr

Maas: G7 sollen sich über Evakuierung und Hilfen absprechen

Die Bundesregierung redet nach Angaben von Bundesaußenminister Heiko Maas derzeit mit den USA und der Türkei darüber, ob der Flughafen in Kabul auch zivil weiter betrieben werden kann. Man stehe dazu auch mit den Taliban in Kontakt. Die USA hätten noch keine Entscheidung getroffen, den Flughafen über den 31. August hinaus zu betreiben, sagte Maas.

Bei der Schalte der G7-Staats- und Regierungschefs sollten sich die westlichen Industrieländer nach Ansicht von Maas über die Frage absprechen, wie lange noch Menschen aus Kabul evakuiert werden können. Zudem müsse man über die humanitäre Hilfe für Flüchtlinge sprechen und auch die Frage, wie man mit "Migrationsströmen" umgehen sollte, sagte der SPD-Politiker.

23.8.2021 • 17:17 Uhr

Lufthansa fliegt mehr als 1500 Geflüchtete aus

Innerhalb einer knappen Woche hat die Lufthansa mehr als 1500 aus Afghanistan evakuierte Menschen aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent nach Deutschland geflogen. Bislang seien bei der Luftbrücke zwölf Flüge mit Langstreckenflugzeugen vom Typ Airbus A340 absolviert worden, teilte das Unternehmen mit. An ihrem Drehkreuz in Frankfurt war in der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche (18. August) eine erste Maschine der Lufthansa mit rund 130 Menschen gelandet, die zuvor aus der afghanischen Hauptstadt Kabul evakuiert worden waren. Weitere Flüge aus Taschkent seien in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt geplant.

23.8.2021 • 17:12 Uhr

Französische Kräfte sichern Evakuierung von EU-Kommissionsteam

Französische Spezialkräfte haben mit US-Unterstützung 260 Mitarbeiter der EU-Kommission in Kabul auf das dortige Flughafengelände gebracht. Das teilte der französische Botschafter David Martinon auf Twitter mit. Seinen Angaben zufolge wartete die Gruppe am Nachmittag im Bereich der auf den Flughafen verlegten französischen Botschaft auf ihren Abflug. Nach dem Fall Afghanistans an die radikal-islamischen Taliban waren bereits vor einer Woche Elitekräfte der französischen Polizei in Kabul eingetroffen. Sie sind auch in der Stadt selber im Einsatz und eskortierten vor einigen Tagen eine größere Gruppe Afghanen und Franzosen von dort zum Flughafen. Frankreich hat nach Angaben des Außenministeriums inzwischen über 1000 Afghanen, rund 100 Franzosen und über 40 Angehörige anderer Staaten aus Kabul ausgeflogen. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian sowie Verteidigungsministerin Florence Parly besuchten den Militärflughafen bei Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten, über den die Luftbrücke für die Evakuierungen aus Kabul abgewickelt wird.

23.8.2021 • 16:55 Uhr

USA richten in Deutschland Notunterkünfte ein

Rund 4000 aus Afghanistan ausgeflogene Menschen könnten vorübergehend auf US-Stützpunkten in Bayern und Rheinland-Pfalz untergebracht werden. Wie ein Sprecher der US Army Europe der Nachrichtenagentur dpa bestätigte, werden an den Standorten Grafenwöhr und Kaiserslautern entsprechende Vorbereitungen getroffen. Demnach sollen in Sicherheit gebrachte Menschen dort so lange bleiben, bis sie zu ihren endgültigen Zielorten gebracht werden können. Neben Unterbringung und Verpflegung werde es auch medizinische Versorgung geben, hieß es.

In Kaiserslautern sollen die Menschen den Angaben zufolge in der Anlage "Rhein Ordnance Barracks" untergebracht werden, in Grafenwöhr auf dem dortigen Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte. Grund für die Vorbereitungen ist, dass die USA derzeit ihren riesigen Militärstützpunkt im pfälzischen Ramstein als ein Drehkreuz für die Evakuierung von Schutzsuchenden aus Afghanistan nutzen. Die dortigen Unterbringungsmöglichkeiten sind allerdings begrenzt und könnten bald ausgeschöpft sein.

23.8.2021 • 16:30 Uhr

Bundeswehr bringt weitere 180 Menschen nach Usbekistan

Im Zuge der Evakuierungsaktion der Bundeswehr ist ein weiterer Flieger mit 180 Schutzbedürftigen an Bord aus Kabul im usbekischen Taschkent gelandet. Das teilte die Bundeswehr auf Twitter mit. Um ihre Weiterreise würden sich in Taschkent Mitarbeiter des Auswärtigen Amts und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge kümmern. Zuvor hatten Bundeswehr-Militärtransporter des Typs A400M bereits 378 Schutzbedürftige nach Taschkent geflogen und Hilfsgüter wie Lebensmittel und Kleidung nach Kabul gebracht. Seit dem Start ihrer Evakuierungsaktion habe die Bundeswehr fast 3000 Menschen aus Kabul ausgeflogen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Darunter waren laut Auswärtigem Amt mehr als 1800 Afghanen.

23.8.2021 • 16:28 Uhr

NATO will kein konkretes Datum für Ende von Evakuierungen nennen

Die NATO will derzeit kein konkretes Datum für ein Ende der Evakuierungsflüge aus Afghanistan nennen. "Die Lage am Flughafen in Kabul bleibt extrem herausfordernd und unberechenbar", sagte ein Bündnissprecher. Gemeinsam mit alliierten Truppen werde daran gearbeitet, die Evakuierungen fortzusetzen. Derzeit verließen täglich Dutzende Flüge Kabul. Weitere Gespräche zum Thema wird es nach Angaben des Sprechers bei dem per Videokonferenz organisierten G7-Sondergipfel zur Lage in Afghanistan an diesem Dienstag geben. An den Beratungen nimmt auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg teil.

Der Zeitplan der USA sieht eigentlich vor, alle Truppen bis zum 31. August abzuziehen, was bedeuten würde, dass der Evakuierungseinsatz für Ausländer und durch die Taliban gefährdete Afghanen vermutlich schon Ende dieser Woche enden müsste. Zuletzt hat US-Präsident Joe Biden allerdings angekündigt, dass die US-Regierung im Gespräch mit dem Militär über eine mögliche Verlängerung der Evakuierungsmission über das Monatsende hinaus ist.

23.8.2021 • 16:25 Uhr

Katar sieht sich bei Afghanistan-Evakuierung als Vermittler

Katar sieht sich bei den Bemühungen um eine Evakuierung Schutzbedürftiger aus Afghanistan als "unparteiischer Vermittler" zwischen den Taliban und den USA. "Wir pflegen Kontakte mit allen Parteien", sagte Katars Außenminister Mohammed bin Abdelrahman Al Thani dem US-Sender Fox. "Im Moment versuchen wir, die Anreise der Menschen von ihren Aufenthaltsorten zum Flughafen zu ermöglichen." Katar übernehme "die volle Verantwortung" für die Sicherheit der Menschen, die Afghanistan verlassen wollten.

Bislang hat das Emirat am Golf den Angaben zufolge 7000 afghanische Zivilisten ausgeflogen. Auch mehrere Deutsche holte Katar aus Afghanistan. Al Thani zufolge dringt der Golfstaat auf einen friedlichen Wandel in Afghanistan, eine Beteiligung aller Parteien an der Macht sowie auf die Wahrung der Grundrechte aller Menschen im Land. Der Außenminister betonte aber zugleich, dass Katar trotz seiner Vermittlerrolle keinerlei Einfluss auf die militant-islamistischen Taliban habe.

23.8.2021 • 15:12 Uhr

Russland will bei Aufstand gegen Taliban nicht eingreifen

Russland will sich aus möglichen Gefechten zwischen den militant-islamistischen Taliban und ihren Gegnern in Afghanistan heraushalten. "Natürlich wird sich niemand in diese Geschehnisse einmischen", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die Mitgliedsstaaten eines von Russland angeführten Militärbündnisses, der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, hätten aber sehr wohl über die drohenden Kämpfe in Pandschir und die Möglichkeit diskutiert, dass es zu einem neuen Bürgerkrieg in Afghanistan kommen könnte.

23.8.2021 • 14:58 Uhr

Taliban wollen Kämpfern aus Pakistan Einhalt gebieten

Die neue Taliban-Führung in Afghanistan will die von ihnen unabhängigen Taliban aus Pakistan nach eigenem Bekunden nicht auf ihrem Staatsgebiet gewähren lassen. Der pakistanische Innenminister Sheikh Rashid Ahmed sagte, seine Regierung habe aus Kabul die Zusicherung erhalten, dass den pakistanischen Taliban nicht erlaubt werde, von afghanischem Boden aus Angriffe auf Pakistan zu verüben.

Ahmed zeigte sich besorgt, weil beim Eroberungsfeldzug der Taliban mehrere Mitglieder und auch Anführer der in Pakistan verbotenen Gruppe Tehreek-e-Taliban aus afghanischen Gefängnissen befreit worden seien. Man sei deshalb in Kontakt mit den afghanischen Taliban.

Die pakistanischen Taliban haben die Verantwortung für eine Reihe schwerer Anschläge übernommen, unter anderem im Jahr 2014, als bei einem Angriff auf eine Schule in Peshawar 154 Menschen ums Leben kamen, die meisten von ihnen Kinder. Viele Mitglieder der Gruppe sollen sich in Afghanistan versteckt halten, um Militäroperationen in Pakistan zu entgehen.

23.8.2021 • 14:53 Uhr

USA fliegen binnen 24 Stunden mehr als 10.000 Menschen aus

Bei der Evakuierungsmission in Afghanistan haben die USA erstmals innerhalb von 24 Stunden mehr als 10.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Zwischen dem frühen Sonntagmorgen und dem frühen Montagmorgen hätten 28 Flugzeuge des US-Militärs rund 10.400 Menschen außer Landes gebracht, teilte das Weiße Haus mit. Im selben Zeitraum hätten außerdem 61 Maschinen internationaler Partner rund 5900 Menschen evakuiert. Seit dem Start der Evakuierungsmission Mitte August hätten die Vereinigten Staaten insgesamt rund 37.000 Menschen entweder selbst aus Afghanistan ausgeflogen oder deren Ausreise ermöglicht.

23.8.2021 • 14:48 Uhr

Kiesewetter fordert Verhandlungen mit den Taliban

Roderich Kiesewetter, Obmann im Auswärtigen Ausschuss, hat die Bundesregierung zu Verhandlungen mit den militant-islamistischen Taliban aufgefordert Jetzt sei "Diplomatie gefragt und nicht Militär, so der CDU-Politiker im ARD-Mittagsmagazin. Es müsse darum gehen, die Ortskräfte und deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aus Afghanistan zu retten. "Über das, was danach kommt, muss man erst einmal, und das sage ich ganz offen, auch mit den Taliban verhandeln, ihnen eine Chance geben", so Kiesewetter. Dabei würde es nicht nur um die Ortskräfte gehen: "Es geht um Millionen Menschen, die nicht unter das Regime der Taliban wollen." Für diese müssten sichere Aufnahmezentren geschaffen werden. Dafür soll auch Druck auf die Taliban ausgeübt und ein Klima geschaffen werden, "dass die Taliban verstehen, sie können nur internationale Hilfe erwarten, wenn sie nicht gegen die eigene Bevölkerung vorgehen."

23.8.2021 • 14:42 Uhr

Linke enthält sich bei Bundeswehrmandat

Die Linke will sich nach Angaben von Parteichefin und Spitzenkandidatin Janine Wissler im Bundestag bei der Abstimmung über den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan enthalten. Man sei für die Rettung und werde nicht dagegen stimmen, aber "in dieser Umsetzung" dem Mandat auch nicht zustimmen, sagte Wissler. Sie kritisierte, dass im Text zum Einsatzmandat der Bundeswehr der Kreis der auszufliegenden Menschen "viel zu begrenzt" sei. Alle Ortskräfte mit ihren Familien müssten gerettet werden, daneben auch Menschen- und Frauenrechtlerinnen, forderte Wissler. Zudem handele es sich um ein "robustes Mandat". Dafür sehe man keine Notwendigkeit. Das berge ein Eskalationspotenzial. Wisslers Co-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl, Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch, sagte, der Afghanistan-Einsatz sei der "schwärzeste Punkt überhaupt" in den 16 Jahren Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel und forderte eine Aufarbeitung. Die Interventionspolitik des Westens sei grandios gescheitert.

23.8.2021 • 14:37 Uhr

Grüne für Afghanistan-Konferenz mit Anrainerstaaten

Die Grünen plädieren über den morgigen G7-Gipfel hinaus für eine größere Afghanistan-Konferenz. Daran müssten Vertreter der Anrainerstaaten teilnehmen, ebenso wie China, Russland, die EU und die Vereinten Nationen, sagte Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner. Er kritisierte erneut die Bundesregierung, die zu spät Schutzbedürftige aus Afghanistan evakuiert habe. "Die Bilder vom Flughafen Kabul, sie sind unerträglich. Die Katastrophe war eine Katastrophe mit Ansage."

23.8.2021 • 14:01 Uhr

Iran liefert auf Taliban-Bestellung Treibstoff

Auf Bestellung der Taliban exportiert der Iran nach Angaben einer dortigen Industrievereinigung Erdölprodukte nach Afghanistan. Die Taliban hätten den Iran benachrichtigt, dass die Lieferungen wieder möglich seien, erklärt der iranische Verband der Exporteure von Öl-, Gas- und Petrochemie-Produkten.

Wegen Sicherheitsbedenken hätten einige Händler ihr Geschäft mit dem Nachbarland zuvor eingestellt gehabt. Seit ein paar Tagen laufe der Export aber wieder. Die Taliban haben demnach Zölle auf Treibstoff aus dem Iran kräftig gesenkt.

Nach der Machtübernahme der sunnitischen Extremisten in Afghanistan waren die Treibstoffpreise in die Höhe geschossen, als viele Menschen aus den Städten mit dem Auto aufs Land flüchteten. Der Iran ist schiitisch geprägt.

23.8.2021 • 13:48 Uhr

Frankreich hat mehr als Tausend Afghanen aus dem Land gebracht

Frankreich hat nach Regierungsangaben "mehr als Tausend Afghanen" seit der Machtübernahme der Taliban ausgeflogen. Zudem seien "fast 100 französische Staatsbürger und rund 40 Bürger aus Partnerländern" seit Mitte August von Kabul aus in Sicherheit gebracht worden, teilten das französische Außen- und Verteidigungsministerium in einer vorläufigen Aufstellung mit. 

Außenminister Jean-Yves Le Drian und Verteidigungsministerin Florence Parly wollten sich auf der französischen Luftwaffenbasis Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Bild von der Lage machen. Dort waren bisher sieben Evakuierungsflüge der französischen Luftwaffe zwischengelandet, bevor sie die Menschen weiter nach Paris brachten.

23.8.2021 • 13:40 Uhr

Medienbericht: Kanzleramtschef Braun unter Druck

Die SPD-Bundestagsfraktion macht angesichts der Krise in Afghanistan Druck auf Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). Der Kanzleramtschef, dem die deutschen Geheimdienste unterstellt sind, müsse sich zu der Frage erklären, ob Warnungen des Bundesnachrichtendiensts vor einer Rückkehr der radikalislamischen Taliban an die Macht nicht ausreichend gewürdigt worden seien, sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Carsten Schneider dem "Spiegel".

Er forderte Braun auf, am Mittwoch in der Sitzung des zuständigen Bundestagsausschusses Auskunft darüber zu geben. Hintergrund sind "Spiegel"-Recherchen, wonach der BND bereits Ende 2020 vor einem Fall der afghanischen Regierung warnte.

Das Kanzleramt habe damals ein ausführliches Dossier zur Zukunft Afghanistans ohne die internationale Truppenpräsenz bekommen. In dem Papier beschrieben die BND-Experten laut"Spiegel" unter dem Schlagwort "Emirat 2.0" die Rückkehr der Taliban an die Macht nicht mehr als eines von mehreren Szenarien, sondern wägten nur noch ab, wie schnell die Regierung in Kabul zusammenbrechen würde.   

23.8.2021 • 12:47 Uhr

KSK-Soldaten evakuieren deutsche Familie aus Kabul

Deutsche Elitesoldaten haben eine deutsch-afghanische Familie evakuiert, die tagelang nicht zum Kabuler Flughafen durchgelassen wurde. Dennoch gibt es Kritik. Es sei wertvolle Zeit verschenkt worden, so der Vorwurf der Grünen-Politikerin Schäfer. Von Gottlob Schober.

23.8.2021 • 12:40 Uhr

Mehrere Verletzte mit Schusswunden im Krankenhaus

Nach dem Feuergefecht am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens sechs Verletzte mit Schusswunden ins Krankenhaus gekommen. Das teilte die Nichtregierungsorganisation Emergency bei Twitter mit, die ein Krankenhaus in Kabul betreibt. Es sei aber keiner der Angeschossenen in Lebensgefahr. Seit Samstag früh seien in dem Krankenhaus 14 Schwerverletzte aufgenommen worden, 26 weitere seien notärztlich behandelt worden.

23.8.2021 • 12:37 Uhr

Auftrieb für Extremisten?

In der arabischen Welt verlieren radikale Islamisten seit Jahren an Einfluss. Nun wächst die Sorge, der Taliban-Triumph könnte ihnen erneut Auftrieb verleihen und Extremisten stärken.

23.8.2021 • 12:26 Uhr

Taliban haben offenbar Bezirke im Nord eingenommen

Die Taliban haben nach eigenen Angaben drei Bezirke im Norden erobert, die vergangene Woche unter die Kontrolle örtlicher Milizen gefallen waren. Dass die Milizen Bano, Deh Saleh und Pul e-Hesar in der Provinz Baghlan eingenommen hatten, war das erste Anzeichen eines bewaffneten Widerstandes gegen die Taliban seit deren Einnahme Kabuls am 15. August.

Taliban-Kämpfer seien auch in Badachschan, Tachar und Andarab in der Nähe des Pandschschir-Tales stationiert, teilt ein Sprecher der Extremisten per Twitter mit. In dem Tal nordwestlich von Kabul haben sich Kämpfer niedergelassen, die Gefolgsleute von Ahmad Massud sind, dem Sohn des Nationalhelden Ahmad Schah Massud. Darunter sind Angehörige der Armee- und Spezialkräfte.

Massud hat Widerstand gegen die Taliban angekündigt, sollten sie in das Tal vorrücken. Sein Vater Ahmad Schah Massud war Mudschaheddin-Kommandeur im Kampf gegen die Sowjetarmee und Anführer des Widerstandes gegen die Taliban, er wurde 2001 getötet.

Taliban-Kämpfer fahren mit erbeuteten Fahrzeugen durch Kabul. (Foto vom 19. August) | AP

Taliban-Kämpfer fahren mit erbeuteten Fahrzeugen durch Kabul. Die Milizen haben nun auch Gebiete im Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Bild: AP

23.8.2021 • 12:14 Uhr

WHO kann Hilfsgüter nicht einfliegen

Da der Kabuler Flughafen für kommerzielle Linienflüge gesperrt ist, kann die WHO 500 Tonnen medizinische Hilfsgüter nicht einfliegen. Zu der Fracht gehörten unter anderem Medikamente gegen Lungenentzündung bei Kindern und OP-Ausrüstung.

Die WHO schlägt vor, dass leere Evakuierungsflugzeuge auf dem Weg nach Afghanistan einen Zwischenstopp beim WHO-Großlager in den Vereinigten Arabischen Emiraten einlegen und die Güter an Bord nehmen.

23.8.2021 • 12:14 Uhr

AKK: Notfalls mit Taliban über Ortskräfte verhandeln

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will jede einzelne Ortskraft aus Afghanistan rausholen. Aber es gebe noch Ortskräfte, die nicht in der Hauptstadt Kabul seien, sagt sie bei "Bild"-TV. Es stelle sich deshalb die Frage, wie man sicherstellen könne, dass man diese Menschen sicher nach Deutschland holen könne - in einem Monat, in einem halben Jahr oder vielleicht in einem Jahr. Darüber rede man derzeit, sagt die CDU-Politikerin.

"Wenn ich mich dazu mit Taliban an den Tisch setzen muss - auch als Regierung - dann tue ich das, weil das unsere Verpflichtung ist auch gegenüber diesen Ortskräften."

23.8.2021 • 12:14 Uhr

Kramp-Karrenbauer übernimmt die politische Verantwortung

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer übernimmt die politische Verantwortung für den Bundeswehreinsatz in Kabul. "Was immer da vor Ort passiert: Ich halte den Kopf hin", sagt sie bei "Bild"-TV. "Ich bin die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt, und die muss vorne an Bord stehen in dem Moment, in dem eine so gefährliche militärische Mission läuft - in die ich die Leute ja auch geschickt habe."

Wenn diese Mission zu Ende sei, "dann werde ich für mich selbst sehr genau überlegen, welche Verantwortung ich getragen habe, welcher Verantwortung ich gerecht geworden bin, wo vielleicht auch nicht, und welche Schlüsse ich persönlich daraus ziehen muss".

23.8.2021 • 12:14 Uhr

Taliban-Kreise: Stimmen Verlängerung von Abzugsfrist nicht zu

Die Taliban werden laut Informationen aus der radikal-islamischen Organisation einer Verschiebung des Abzugs ausländischer Streitkräfte über den 31. August hinaus nicht zustimmen. Bisher habe sich allerdings noch keine westliche Regierung mit einem solchen Anliegen an die Taliban gewandt, sagen zwei Vertreter der Islamisten der Nachrichtenagentur Reuters.

23.8.2021 • 12:14 Uhr

Ministerium: Bundeswehr flog über 2700 Personen aus

Die Bundeswehr hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums bisher mehr als 2700 Personen ausgeflogen. Der Evakuierungseinsatz gehe weiter, twittert das Ministerium. "Solange wie möglich werden wir so viele wie möglich aus Kabul ausfliegen." Die Lage am Flughafen sei weiterhin sehr schwierig.

23.8.2021 • 12:14 Uhr

Großbritannien dringt auf Verschiebung von Abzug

Der britische Premierminister Boris Johnson will nach Angaben seiner Regierung US-Präsident Joe Biden zu einer Verlängerung der Abzugsfrist über den 31. August hinaus drängen. Für eine solche Verschiebung werde aber auch das Einverständnis der Taliban benötigt, sagt der britische Streitkräfte-Minister James Heappey dem Radiosender LBC.

Dies sei ungewiss und deshalb werde Großbritannien zunächst weiter auf den 31. August hinarbeiten, um bis dahin eigene Staatsbürger und afghanische Ortskräfte in Sicherheit zu bringen. Biden hatte vergangene Woche gesagt, dass die US-Truppen auch länger in Afghanistan bleiben könnten. Laut den Taliban steht derzeit aber noch der 31. August als Termin. Premierminister Johnson hat den Vorsitz bei einem virtuellen G7-Treffen am Dienstag.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. August 2021 um 12:00 Uhr.