Das Mandalay Bay-Hotel in Las Vegas | Bildquelle: REUTERS

Abschlussbericht Las-Vegas-Schütze handelte allein

Stand: 20.01.2018 15:01 Uhr

Von einem Hotel in Las Vegas feuerte ein Attentäter auf Konzertbesucher, tötete 58 Menschen und verletzte Hunderte. Nun liegt der vorläufige Abschlussbericht zu dem Massaker vor.

In der Nacht zum 2. Oktober 2017 feuerte Stephen Paddock von einem Hotel in Las Vegas aus in eine Konzertbesucher-Menge - 58 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Das Massaker warf nicht nur in der US-amerikanischen Gesellschaft viele Fragen auf - doch die können die Ermittler auch dreieinhalb Monate später nur unvollständig beantworten.

Aus dem vorläufigen Abschlussbericht, den die Polizei in Las Vegas am Freitag (Ortszeit) veröffentlichte, geht hervor: Der 64-jährige Attentäter plante und beging seine Gewalttat allein. Allerdings laufen demnach Ermittlungen gegen eine weitere Person, bei der es sich aber nicht um die frühere Lebensgefährtin des Schützen handeln soll. Sie war nach der Tat ins Zentrum der Ermittlungen und Spekulationen gerückt, hatte aber in ihrer polizeilichen Vernehmung ausgesagt, nichts habe für sie auf die Vorbereitung eines solchen Massakers hingedeutet. Ein Verfahren gegen die Frau sei nicht zu erwarten, erklärte Sheriff Joe Lombardo bei einer Pressekonferenz.

Schütze bereitete die Tat minutiös vor

Paddock plante seine Tat akribisch, wie aus dem 81 Seiten starken Dokument hervorgeht. Unter anderem habe er zu Taktiken der Polizei-Sondereinheit SWAT und Konzert-Besucherzahlen recherchiert.

Auf Fotos im Bericht sind akribisch aufgereihte Waffen und Stative zu sehen, die die Ermittler im Zimmer des Hotels "Mandalay Bay" sicherstellten. Um Schießscharten in die Fenster zu schlagen, hatte der Täter demnach eigens einen Spezialhammer mitgebracht. Anschließend feuerte er mehr als 1100 Schuss ab, weitere 4000 Schuss hatte er in der Hotelsuite vorrätig.

Waffen liegen im Hotelzimmer des "Mandalay Bay", aus dem Stephen Paddock in die Menge schoss. Die Polizei veröffentlichte das Foto in einem vorläufigen Ermittlungsbericht. | Bildquelle: AP
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Das Hotelzimmer im "Mandalay Bay", aus dem Stephen Paddock in die Menge schoss. Die Polizei veröffentlichte das Foto in einem vorläufigen Ermittlungsbericht.

Bei dem Massaker wurden weit mehr Menschen verletzt als zunächst bekannt. Sheriff Joe Lombardo sprach von mehr als 850 Menschen, die durch das Dauerfeuer oder auf der Flucht vor den Schüssen verletzt worden seien. Bisher war von mehr als 500 Menschen die Rede gewesen. Bei dem Massaker starben 58 Menschen, Paddock tötete sich anschließend selbst.

Kinderpornografie sichergestellt

Was ihn zu der Tat bewogen hat, lässt der detaillierte Bericht jedoch offen. Sheriff Lombardo sagte, das könne weiter nicht beantwortet werden - trotz 2000 Hinweisen und mehr als 21.000 Stunden gesichteten Videomaterials. Zuletzt hatte es von Ermittlerseite geheißen, Paddock habe beim Spielen eine erhebliche Menge Geld verloren und sei in der Folge deprimiert gewesen.

Der Bericht legt nahe, dass der Täter mit psychischen Störungen zu kämpfen hatte: Er soll zwanghaft reinlich gewesen sein und habe stets über Krankheit, Schmerzen und Erschöpfung geklagt. Sein Arzt habe ihm Medikamente verschrieben, Paddock habe sich der Einnahme jedoch mehrfach verweigert. Auf einem seiner Computer stellten die Ermittler dem Sheriff zufolge Kinderpornografie sicher. Ein Bekennerschreiben oder einen Abschiedsbrief fanden sie nicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Oktober 2017 um 20:00 Uhr.

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