Ermittler untersuchen das Auto in Volkmarsen | Bildquelle: REUTERS

Amokfahrt von Volkmarsen Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Stand: 18.12.2020 06:00 Uhr

Im Februar raste ein Auto in den Rosenmontagszug in Volkmarsen und verletzte dabei viele Menschen teils schwer. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen jungen Mann erhoben. Das Motiv bleibt weiter unklar.

Von Florian Flade, WDR

Es ist eine Tat, die bis heute Rätsel aufgibt. Am 24. Februar war der 30-jährige Maurice P. mit seinem Auto in den Rosenmontagszug in der nordhessischen Stadt Volkmarsen gerast. Zahlreiche Menschen, darunter viele Kinder, wurden teils schwer verletzt. Der Fahrer überlebte und konnte festgenommen werden. Bis heute schweigt er zu seiner Tat.

Nach Informationen des WDR hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main jetzt Anklage gegen den Amokfahrer vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Kassel erhoben. Der Vorwurf lautet: Versuchter Mord in 91 Fällen, gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen sowie gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Maurice P., so haben die Staatsanwälte in der 172 Seiten langen Anklageschrift zusammengetragen, habe sein Fahrzeug ungebremst und bewusst mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 Kilometer pro Stunde in die Teilnehmer und Zuschauer des Rosenmontagsumzugs in Volkmarsen gesteuert - mit der Absicht, Menschen zu töten. Er habe mit seinem Mercedes auf einem Straßenabschnitt vom 42 Metern zahlreiche Menschen erfasst, die dort dicht gedrängt standen.

Tat war offenbar geplant

Die Tat soll Maurice P. nach Erkenntnissen der Ermittler schon im Vorfeld des Karnevalsumzuges geplant und vorbereitet haben. So soll er etwa sein Auto am Tag zuvor so geparkt haben, dass er in den eigentlich abgesperrten Bereich des Umzugs fahren konnte. Auch eine Videokamera, eine sogenannte "Dashcam", soll im Fahrzeug verbaut gewesen sein - möglicherweise, um das Tatgeschehen aufzuzeichnen.

Insgesamt erlitten 90 Menschen teils schwere Verletzungen, 20 Personen mussten stationär in Krankenhäusern behandelt werden, einige lagen auf der Intensivstation. Hinzu kommt laut Staatsanwaltschaft eine Vielzahl weiterer Menschen, die zwar nicht körperlich verletzt, aber traumatisiert und psychisch beeinträchtigt worden sind.

Bisher keine Aussage

Der in Volkmarsen wohnhafte Beschuldigte hat sich bis heute nicht zu der Tat geäußert. Ein mögliches Motiv bleibt weiterhin unklar, es gebe keine Hinweise auf einen politischen oder religiösen Hintergrund.

Laut Ermittlern lebte Maurice P. weitestgehend sozial isoliert, hatte kaum Freunde und auch wenig Kontakt zu seiner Familie. Es sollen Hinweise auf Alkoholmissbrauch vorliegen, zum Tatzeitpunkt allerdings soll der junge Mann weder unter dem Einfluss von Alkohol, Medikamenten noch Drogen gestanden haben.

Der Anwalt des nun Angeklagten wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Sachverhalt äußern. 

Anklage gegen Amokfahrer von Volkmarsen
Arne Hell, WDR
18.12.2020 06:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 18. Dezember 2020 um 08:37 Uhr.

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