Russische Botschaft in Berlin | FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutte

Vorfall in Berlin Russischer Diplomat soll aus Wohnung gestürzt sein

Stand: 23.11.2021 18:00 Uhr

Im Oktober wurde ein Diplomat tot neben der Russischen Botschaft in Berlin gefunden. Nach Erkenntnissen der Berliner Behörden soll der Mann doch nicht aus dem Botschaftsgebäude gestürzt sein.

Florian Flade

Von Florian Flade, WDR

Die Polizisten sollen noch Reanimationsversuche unternommen haben, als sie den Mann am frühen Morgen des 19. Oktober auf dem Gehweg in der Behrenstraße in Berlin-Mitte entdeckten, unweit der Russischen Botschaft. Doch die Erste-Hilfe-Maßnahmen kamen zu spät, der Mann verstarb. Die genauen Umstände seines Todes darf die Berliner Polizei jedoch nicht aufklären. Denn der Tote war ein Diplomat, akkreditiert als "Zweiter Botschaftssekretär" in der Russischen Botschaft.

Nach Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" gehen die deutschen Sicherheitsbehörden davon aus, dass der 35-jährige Mann, der seit 2019 in Berlin tätig war, nicht aus einem Fenster der Russischen Botschaft in den Tod gestürzt war, wie es anfänglich in Medienberichten hieß. Vielmehr soll der russische Diplomat aus dem gegenüberliegenden Gebäude gestürzt sein, in dem sich seine Wohnung befand.

Unfall oder Suizid?

Aus einem Vermerk der Berliner Behörden soll hervorgehen, dass es keinerlei Hinweise auf Fremdverschulden gebe. Stattdessen gebe es Aussagen, wonach der Diplomat an jenem Morgen zum Fenster gegangen und offenbar gesprungen sei.

Die Russische Botschaft hatte nach Bekanntwerden des Vorfalls erklärt, es handele sich um einen "tragischen Unfall", man halte jegliche Spekulation über Hintergründe für "falsch". Einer Obduktion des Leichnams soll die Botschaft nicht zugestimmt haben, aufgrund des Diplomatenstatus darf die Berliner Polizei den Fall nicht weiter bearbeiten. Der Tote wurde bereits nach Russland überführt.

Der Fall beschäftigt indes trotzdem deutsche Sicherheitsbehörden, denn der Diplomat soll nach Erkenntnissen der Spionageabwehr des Verfassungsschutzes auch für einen russischen Geheimdienst tätig gewesen sein. Was genau er in Deutschland gemacht hat, ist allerdings weiterhin unklar.

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Über dieses Thema berichtete rbb Inforadio am 05. November 2021 um 14:00 Uhr.